Gesundheit

Gesund älter werden

Die Diplom-Ökotrophologin Alexandra Lück aus Düsseldorf hat dem Top Magazin verraten, worauf es bei der Ernährung ankommt.


Die Lebenserwartung steigt ständig. Das Statistische Bundesamt hat gerade eine Schätzung veröffentlicht, wonach 2017 geborene Jungen im Schnitt 90, Mädchen sogar 93 Jahre alt werden. Ob man fit und aktiv altert, ist teilweise eine Frage der Gene. Doch der Mensch kann auch selbst eine Menge tun, um den Alterungsprozess zu verlangsamen.

„Die Ernährung spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle“, sagt Alexandra Lück. „Sie ist die Grundlage der Gesundheit und kann sie nicht nur erhalten, sondern auch Krankheiten verhindern.“ Zum Teil haben wir es selbst in der Hand, aktiv unser gesundes Altern zu beeinflussen. „Da würde ich mir manchmal mehr Selbstverantwortung beim Verbraucher wünschen, auch wenn wir in der heutigen medialen Welt vielen Versuchungen widerstehen müssen. Wenn die Menschen sich mit ihrem Körper ebenso viel Mühe geben, wie sie es zum Beispiel mit ihrem Auto tun, wäre das super. Ich habe Klienten, die kaufen für ihr Auto nur bestes Öl, pflegen und hegen es. Wenn es aber darum geht, dass ihr eigener Motor gut läuft, greifen sie zu den billigsten und schlechtesten Lebensmitteln statt für eine gute, gesunde Ernährung zu sorgen. Dabei heißt es so schön: ‚Du bist, was du isst’. Und gesundes Essen geht wirklich ganz einfach. Man muss nur den Schalter umlegen und sich etwas Zeit dafür nehmen. Das Ganze hat etwas mit Gewohnheit zu tun. Habe ich mich einmal daran gewöhnt, bewusst einzukaufen, frisch zu kochen und gesund zu essen, dann bleibe ich auch dabei.“

Fakt ist, dass die Menschen sich mit der Ernährung heute viel intensiver beschäftigen, als das in früheren Zeiten der Fall war. Das beweisen all die Bücher, Kochsendungen und Foodblogs zu diesem Thema. In unserer Wohlstandsgesellschaft liegt es im Trend, über möglichst viele Ernährungsmöglichkeiten Bescheid zu wissen. Vegetarische und vegane Kost stoßen auf immer mehr Interesse. In Großstädten ist der Anteil der Vegetarier und Veganer besonders hoch. Mit zunehmendem Bildungsstand erhöht sich der Anteil sowohl der Frauen als auch der Männer, der sich vegetarisch oder vegan ernährt. Der Vegetarierbund Deutschland geht aktuell von rund acht Millionen Vegetariern in Deutschland aus. Das sind rund zehn Prozent der Bevölkerung. Auch glutenfreie Ernährung und Gesundheit werden häufig miteinander in Verbindung gebracht. „Bei diesen Ernährungsformen ist es bisher wissenschaftlich nicht belegbar, dass sie der Schlüssel für ein langes Leben sind. Das Klebereiweiß des Weizens ist allgemein regelrecht in Verruf geraten, aber eine glutenfreie Ernährung ist nur sinnvoll für Menschen, die tatsächlich an Zöliakie also Gluten-Unverträglichkeit leiden. In Deutschland sind das etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung. Für alle anderen gilt: Essen Sie Ihr Teilchen oder die Pizza weiterhin ohne schlechtes Gewissen, allerdings wohldosiert. Das heißt, nicht öfter als ab und an.“

Umso wichtiger ist es zu wissen, was der erwachsene Körper überhaupt zur Erhaltung der Lebensfunktion benötigt. „Für viele mag es unspektakulär klingen, aber am besten hält man sich an die zehn Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Sie helfen, genussvoll und gesund erhaltend zu essen.“ Der Körper benötigt grundsätzlich Fette (maximal 30 Prozent der täglichen Nahrungsenergie, wobei jeweils 1/3 einfach gesättigte, 1/3 ungesättigte und 1/3 mehrfach ungesättigte Fette sein sollten), Kohlenhydrate (50 Prozent der täglichen Nahrungsenergie), Ballaststoffe (30 Gramm täglich), Eiweiß (0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag), Mineralstoffe, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe sowie 1,5 bis 2 Liter Getränke (in Form von Wasser, ungesüßten Früchtetees, Apfelschorle im Verhältnis 1:3).

 

„Essen Sie Ihr Teilchen oder die Pizza weiterhin ohne schlechtes Gewissen, allerdings wohldosiert. Das heißt, nicht öfter als ab und an.“

 

„Die Lebensmittelvielfalt sollte auf dem täglichen Speiseplan ganz oben stehen.“ Ideal sind überwiegend pflanzliche Lebensmittel. Brot, Getreideflocken, Nudeln, Reis, am besten aus Vollkorn, sowie Kartoffeln. Sie enthalten wie Obst und Gemüse reichlich Vitamine, Mineralstoffe sowie Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Für den Verzehr gilt: möglichst frisch, nur kurz gegart. Beim Einkauf auf regionale, möglichst saisonale Produkte achten. „Beim Obst bitte nicht ungezügelt zugreifen. Es enthält jede Menge Fruchtzucker – auch der kann dick machen.“ Milch und Milchprodukte gehören täglich auf den Speiseplan. „Sie sind leicht verdauliche und schnelle Energielieferanten, enthalten hochwertige Proteine. Gerade bei fleischloser Kost sind sie für den Muskelaufbau und -erhalt unverzichtbar.“ Fisch ein bis zwei Mal pro Woche essen. 70 g fettreichen Seefisch wie Lachs, Makrele oder Hering empfiehlt die DGE. Fleisch, Wurstwaren sowie Eier sollten in Maßen genossen werden. Das gilt auch für Zucker und Salz. „Mit frischen Kräutern und Gewürzen lassen sich Speisen gesund und ebenso fantasievoll würzen.“ Im Rahmen einer vollwertigen Ernährung sollte man nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche essen. „Unter gesundheitlichen Aspekten ist weißes Fleisch, sprich Geflügel, günstiger als rotes Fleisch, sprich Rind oder Schwein.“ Fett ist lebensnotwendig. „Aber es kommt auf die richtigen Fette an. Ideal sind pflanzliche Öle und Fette. Wichtig ist, unsichtbares Fett in Fleischerzeugnissen, Milchprodukten, Gebäck und Süßwaren im Auge zu behalten.“ Vorsicht auch bei Süßspeisen und Süßigkeiten! „Sie liefern oft viele für uns falsche Fette und zu viele Kohlenhydrate in Form von Einfachzucker, der Diabetes begünstigen kann, und enthalten keine Vitamine.“ Beim Trinken vorwiegend zu Wasser greifen. Dabei spielt es keine Rolle, ob mit oder ohne Kohlensäure.

Im Alltag helfen oft schon kleine Tricks, um sich gesund zu ernähren. „Wenn ich weiß, dass ich den ganzen Tag unterwegs bin, bereite ich mir schon abends einfach zwei Boxen mit Rohkost vor. Morgens esse ich ein gutes Müsli mit Haferflocken, Nüssen, Obst und Milch. Dann bin ich bestens vorbereitet für einen arbeitsreichen Tag.“ Am Arbeitsplatz ist man mit kleinen Snacks bestens versorgt. Sie halten den Stoffwechsel in Gang und den Blutzuckerspiegel konstant.

Eine Portion Trockenfrüchte hilft, wieder klar zu denken und tatkräftig zu arbeiten. Da sie auch viel Zucker haben, reichen drei bis vier Pflaumen, Feigen, Datteln oder Aprikosen. Knäckebrot mit Vollkorn und einer dünnen Schicht Frischkäse und frischer Gurke oder Radieschen liefert Kohlenhydrate. Radieschen enthalten zudem Senföle, die Bakterien und Pilze abtöten können, vor allem im Magen und Darm.

 

 


Zur Person

Alexandra Lück ist Diplom-Ökotrophologin.

Seit dem Studium der Ökotrophologie blickt sie auf eine 20-jährige Berufserfahrung im Bereich Medizin, Ernährungstherapie, Prävention und Gesundheitsförderung zurück und hat eine zusätzliche Zertifizierung als Ernährungsberaterin/DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) erworben. Dieser Lehrgang richtet sich an Ernährungsfachkräfte, die sich für die qualitätsgesicherte Ernährungsberatung qualifizieren möchten. Seit 2007 betreibt sie mit zwei Kolleginnen das nls-Ernährungsinstitut auf der Lindemannstraße in Düsseldorf.

 

Artikel von www.top-magazin.de/niederrhein