Society

VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN, WERTE VORLEBEN

Mehr als ein Jahr im Ehrenamt: IHK-Präsident Elmar te Neues im Interview


 

„Der Niederrheiner neigt manchmal zur Unterschätzung eigener Potenziale. Der Kammerbezirk ist gut aufgestellt: Neuss boomt, Gladbach hat seine Vision bekommen und in Krefeld müssen die Akteure jetzt nach vorne schauen und bereits entwickelte Stärken gemeinsam weiter ausbauen.“

Elmar te Neues, IHK-Präsident

 

Unternehmer sein, bedeutet Verantwortung zu übernehmen – für Mitarbeiter, für Kunden und Partner, für die Heimatstadt und für den Standort“, sagte Elmar te Neues vor eineinhalb Jahren, als ihn die Vollversammlung der Industrie- und Handels-kammer Mittlerer Niederrhein zum neuen Präsidenten wählte. Der Krefelder, 1970 in Hüls geboren, leitet das in Krefeld ansässige Papier- und Folienwerk Finck & Co., das industrielle Kunden weltweit zum Beispiel mit Spezialverpackungspapieren für Stahlprodukte beliefert. Im Interview mit dem Top Magazin Niederrhein wird deutlich, wie vielseitig Elmar te Neues die Aufgabe, Verantwortung zu übernehmen, interpretiert …

 

Herr te Neues, ihr Vorgänger im Amt des IHK-Präsidenten, Heinz Schmidt aus Mönchengladbach, hat sich stets besonders leidenschaftlich für die berufliche Bildung junger Menschen engagiert. Wie wichtig ist dieser Punkt für Sie?

Heinz Schmidt hat mit seinem sehr großen Einsatz nicht nur vieles bewegt und erreicht, sondern auch Weitsicht bewiesen. Heute und morgen haben wir den Fachkräftemangel, morgen und übermorgen einen Führungskräftemangel. Guten Nachwuchs für die Mitgliedsunternehmen der IHK zu gewinnen, bleibt also eine sehr wichtige Aufgabe. Nicht umsonst bildet die Erfüllung hoheitlicher Aufgaben wie die Berufsausbildung eine der drei Säulen der IHK-Arbeit. Die anderen beiden Säulen sind gleichbedeutend wichtig: Die IHK ist die Interessenvertretung gegenüber Politik und Verwaltung und sie erbringt wertvolle Dienstleistungen für ihre Mitgliedsunternehmen. Die IHK ist der Partner und der Unterstützer der Unternehmen und bietet bereits eine Fülle von Angeboten – daran möchte ich anknüpfen.

Was bedeutet das für Ihre Mitgliedsunternehmen?

Die IHK will künftig ihren Mitgliedern noch serviceorientierter zur Seite stehen; insbesondere bei Fragen rund um die Digitalisierung, deren Bedingungen und Auswirkungen. Ob Breitbandausbau, die bereits angesprochene Bekämpfung des Fachkräftemangels oder der Ausbau der Infrastruktur – es gibt noch viele Herausforderungen für die IHK.

Jetzt tragen Sie seit gut einem Jahr beruflich gesehen doppelte Verantwortung – als geschäftsführender Gesellschafter bei Finck & Co. und als ehrenamtlicher IHK-Präsident. Wie sehr hängt das eine mit dem anderen zusammen?

Beides ist wohl genetisch bedingt, und dafür muss ich ein bisschen ausholen. Ich gehöre zur jüngsten Unternehmergeneration einer um 1600 an den Niederrhein gekommenen Mennoniten-Familie, die über die Jahrhunderte hinweg zu einer „Unternehmerdynastie“ wuchs – zunächst mit einer Mühle, später dann mit Textilfabriken und kaufmännischem Denken. Das nennt man wohl Unternehmerblut, das auch in mir fließt. Ganz entscheidend für meine ehrenamtliche Aufgabe als IHK-Präsident aber ist das Vorbild meines Vaters, der sich neben seinen Aufgaben als Unternehmer sehr stark sozial engagierte und selbst zahlreiche Ehrenämter innehatte. Dieses Vorbild und meine Erinnerung daran, wie viel Kraft meinem Vater dieser Dienst an der Gesellschaft gegeben hat, haben mich letztlich dazu bewogen, das Ehrenamt des IHK-Präsidenten anzunehmen und auch auszufüllen – trotz Zeitmangels, trotz eigener unternehmerischer Aufgaben.

Das Ehrenamt als Ausdruck der Verantwortung?

Absolut, und das gilt für jedes Ehrenamt, das Menschen bereit sind, für einen Verein, eine Initiative, einen Verband oder für das Gemeinwohl zu übernehmen. Ohne das Ehrenamt könnten viele strukturelle und auch ganz praktische Leistungen, die zum Beispiel die IHK erbringt, nicht realisiert werden. Unsere Kammer hat 130 Mitarbeiterinnen und Mit arbeiter, aber es wirken 2.700 Ehrenamtliche an ihrem Erfolg mit, vor allem im Bereich Ausbildung und Nachwuchsförderung für die regionale Wirtschaft. Das Ehrenamt ist also ein ordentliches, wichtiges Pfund.

Stichwort Ausbildung, Jugend, Beruf: Wie sah denn ihr eigener Werdegang aus?

Meine Jugend habe ich im Krefeld der 1970er- und 1980er- Jahre erlebt und verbracht – mit dem typischen Flair der damaligen Zeit, die ja ganz unterschiedliche Strömungen und Moden hervorbrachte. Ich hatte das Glück, in einem liberalen, bürgerl ichen Elternhaus aufzuwachsen, hatte einen großen F reundeskreis, war Königsburg-Gänger und bin mit dem Fahrrad ins „Zoozies“ gefahren. Klingt heute alles ein bisschen nostalgisch nach „good old times“, war aber tatsächlich so. Nach dem Abitur 1990 am Krefelder „Moltke“ habe ich meinen Wehrdienst bei der Marine geleistet; seit dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst bin ich Leutnant der Reserve. Besonders die Zeit beim Bund war auch sozial prägend – das war ein Erlebnis in Sachen Teamgeist. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre in Essen und Paderborn und dem Diplom 1998 kam der Einstieg ins väterliche Unternehmen Finck & Co., zunächst als leitender Angestellter mit Verantwortung für den Bereich Qualitätsmanagement, vor ein paar Jahren dann die Übernahme der Geschäftsführung.

… und die private Seite des Elmar te Neues?

Bereits während des Studiums lernte ich meine jetzige Frau Anke kennen. Das war auf Juist, wo die Familie te Neues traditionell die Sommerferien und ganz viel Zeit auf dem Rad verbrachte. Die gemeinsame Liebe zu dieser Insel führte dazu, dass auch wir als Familie mit unserer Tochter (17) und unserem Sohn (15) bis heute jedes Jahr auf Sylt Fahrrad- und Strandurlaub machen.

Spielen Traditionen auch im weiteren Familienleben eine Rolle?

Vielleicht nennen wir es lieber Werte, die wir auch unseren Kindern mitgeben möchten. Einer dieser Werte ist ein reges und i ntensives Familienleben mit viel gegenseitigem Austausch. Zum Beispiel beim täglichen gemeinsamen Mittagessen – das ist für uns als Familie ein wichtiges Kommunikationselement. Erziehung verstehen meine Frau, die als Rechtsanwältin arbeitet, und ich nicht als Bevormunden und strenges Anleiten, sondern eher als etwas, das im Dialog oder auf ganz anderer Ebene funktioniert: durch das Vorleben. Auch gemeinsame Urlaube als ganze Familie sind uns wichtig, weil sie neben dem Alltag besondere, uns verbindende Erinnerungen schenken, die später oft noch Gesprächsthema sind.

Wie tankt ein Elmar te Neues denn körperlich und seelisch auf?

Zum einen in der Familie, wozu auch ein Golden Retriever gehört, der uns auf Trab hält. Ansonsten beim Joggen im Stadtwald. Außerdem bin ich passionierter Sonntagsjäger und hatte große Freude an der Büffelei für den Jagdschein. Auch der Glaube und die Krefelder Mennonitengemeinde spielen eine Rolle, wobei der Umgang mit meiner Religion ein pragmatischer ist: Sie gehört zu meinem Leben, beherrscht es aber nicht.

Herr te Neues, vielen Dank für das Gespräch.

Artikel von www.top-magazin.de/niederrhein