Kultur

Alles wird sich fügen

Zum SWK Open-Air-Kino-Start am 16. Juli präsentiert der Krefelder Filmemacher Tobias Köhn seine Doku „Ein Viertel der Welt“. Eine Reise durch Afrika – und zu sich selbst.


 

Wenn dich das Leben nicht glücklich macht, musst du etwas ändern. … Etwas vollkommen Neues probieren. Etwas Verrücktes. Ein Abenteuer“, heißt es im Teaser zu dem Film „Ein Viertel der Welt“, der seit ein paar Wochen im Web zu finden ist und bereits etliche Likes bekommen hat. Tobias Köhn aus Krefeld war unglücklich mit seinem Leben, hat etwas vollkommen Neues ausprobiert … und genau davon erzählt er in seinem Dokumentationsfilm, der am 16. Juli Deutschland-Premiere beim SWK Open-Air-Kino auf der Krefelder Galopprennbahn hat und auch am 28. Juli dort gezeigt wird. Aber der Reihe nach.

„In Deutschland ist alles vorgegeben: Kindergarten, Schule, danach Ausbildung oder Uni, der erste Job … später dann Frau und Kinder, Haus oder Wohnung, arbeiten, Rente. …“, sagt Tobias Köhn im Gespräch mit dem Top Niederrhein Magazin und klingt dabei nicht gerade euphorisch. Im Gegenteil: „Das schien mir alles zu starr, zu vorhersehbar. Da bleibt kein Platz fürs Austesten.“ Sagt einer, der gerade mal 26 ist.

Elektroniker hat Angst vor Strom

Vor mehr als zwei Jahren „erwischt“ es Tobias. Der frischgebackene Elektroniker kämpft trotz einer Festanstellung und guter Bezahlung bei Henkel mit einer bedrückenden Leere in seinem Leben. Er begibt sich in therapeutische Hände, findet aber keine Erfüllung. Dafür gewinnt er eine ebenso wichtige wie „kuriose“ Einsicht: Er hat Angst vor Strom. Nahezu acht Jahre lang begleiten ihn während der Arbeit Panikattacken. In diesem Job als Elektroniker unmöglich. Was tun? Der junge Mann aus Hüls beschließt, sein Leben auf den Kopf zu stellen: Mit Fantasie, Können und Ausdauer baut er seinen kleinen Suzuki-Geländewagen um, rüstet das Fahrzeug „mit dem Wichtigsten und Nötigsten aus, was man für eine Fahrt von Südafrika bis in den Iran braucht.“ Er will mit seiner „Bergziege“, wie er das Auto fortan nennt, auf Abenteuerreise gehen. Dass er den Iran wegen diverser Einreisebestimmungen niemals erreicht – dafür aber Tausende von Kilometern durch Südafrika, Sambia, Tansania und Namibia fährt –, ist an dieser Stelle nebensächlich.

Mit der „Bergziege“ auf Tour

Wichtiger ist, was sein Wagen an Bord hat: neben ausklappbarer Mini-Kochstelle natürlich Proviant, ein Wasserfass, ein paar Klamotten, ein Dachzelt, eine kleine Solaranlage auf dem Dach, ein paar Werkzeuge und Ersatzteile, Landkarten sowie Videokamera und eine Film- und Fotoausrüstung, denn Tobias hält seine Reise in Bild und Ton fest, richtet sogar einen eigenen Channel auf Youtube ein, wo man ihn über Monate hinweg verfolgen kann.

So gut sein Geländewagen ausgerüstet ist, so wenig weiß Tobias über die Länder, die er in Afrika erkundet. „Ich wollte mir unbeeinflusst eine eigene Meinung über Land und Leute bilden. Herausfinden, was es bedeutet, einfach geschehen zu lassen, was geschieht. Eine Unternehmung ohne Netz und doppelten Boden“, sagt er. Und genau dies bekommt man in dem Dokumentationsfilm „Ein Viertel der Welt“ zu sehen, den er zusammen mit Uwe Papenroth und Lars Brauer aus Krefeld realisiert hat. Co-Produzent und Marketingmann Uwe Papenroth, Cineast und langjähriger Programmplaner des SWK Open-Air-Kinos in Krefeld, unternimmt selbst gerne abenteuerliche Reisen in exotische Regionen. Lars Brauer, ein Freund von Tobias Köhn, hat Film studiert und half wesentlich bei der technischen Umsetzung der Doku.

 

 

Suche nach Mut, Talenten und Stärken

Auch wenn Afrika Unmengen von wilden Tieren, atemberaubenden Landschaften und abgelegenen Dörfern mit „Menschen, die in einer vollkommen anderen Welt leben“ bietet – die Doku ist alles andere als eine (touristische) Bilder-Safari. Vielmehr ist das unbekannte Afrika eine Metapher für die Fragen, die der Film zum Thema macht: Wie bekämpfe ich meine Ängste wirkungsvoll und nachhaltig? Wie finde ich meine Talente und Stärken? Wie finde ich den Mut, meinen eigenen Weg einzuschlagen und das zu tun, was für mich wichtig und richtig ist?

„Eine Reise ist immer eine Reise zu sich selbst … und davon erzählt mein Film“, sagt Tobias. Für das Doku-Projekt Geldgeber zu finden, räumt Uwe Papenroth ein, sei nicht ganz einfach gewesen. Crowd-Funding habe überhaupt nicht funktioniert. „Deswegen sind wir umso dankbarer, dass uns doch noch ein paar große Namen unterstützt haben, darunter die Sparkasse und Volksbank aus Krefeld, die SWK, Tölke & Fischer und die Kempener Lichtspiele. Letzteres bedeutet auch, dass wir den Film zusätzlich in Geldern, Kleve und Mönchengladbach zeigen können. Weitere Open-Air-Kinos in Deutschland sind angefragt oder können sich bei uns melden“, erklärt er.

 

 

Eine Inspiration für die Zuschauer

Tobias Köhn hatte Autopannen, wo man keine Pannen haben möchte, da im Umkreis von 100 Kilometern oder mehr keine Werkstatt, keine Hilfe ist. Er ist mit Polizisten durch Townships mit extremer Kriminalität, Drogen und Armut gegangen, wo man eigentlich nicht hindurchgeht. Er musste sich mit Händen und Füßen mit Menschen verständigen, wo nicht mal einfachstes Englisch helfen konnte. Tobias Köhns Botschaft: „Ich möchte mit meinem Film eine Inspiration für andere Menschen sein. Er transportiert ein paar ganz grundlegende, einfache Dinge, die ich in Afrika gelernt habe. Erstens: Mach dir keinen Kopf und habe keine Angst, was passieren könnte. Wenn das Problem da ist, wirst du wissen oder schnell herausfinden, was zu tun ist. Höre auf dein Gespür und vertraue deinem Können! Die Zeit hat ihr eigenes Tempo. Vertraue dem Schicksal – alles wird sich fügen.“

 


 

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Artikel von www.top-magazin.de/niederrhein