Kultur

Sgt. Pepper’s Festival

Krefeld feierte 50. Geburtstag des legendären Beatles-Albums in der KuFa


Große Bühne für Sgt. Pepper’s

Es ist ein Meilenstein in der Musikgeschichte. Nicht nur das Klapp-Cover war im Jahre 1967 weltweit erstmalig zu sehen, auch wurden zum ersten Male Texte einem Rock-Album beigefügt – und musikalisch beschritten die „Fab Four“ ganz neue Wege. Die Rede ist von „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“, jenem Beatles-Album, das jetzt 50 Jahre alt wurde. Geehrt wurde das Jubiläum mit einem großen Festival in der Krefelder Kulturfabrik (KuFa) unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Frank Meyer. „Der Longplayer ist ein musikalisches Gesamtkunstwerk, die Beatles sind seit meiner Kindheit musikalische Helden für mich – ich gehöre zu denen, die von der Musik nicht genug bekommen können“, sagt Meyer, der 1967 noch gar nicht geboren war.

„Sgt. Pepper’s“ klingt orchestral Warum beeinflusst dieses fast surreal anmutende Beatles-Album, mit den vielen unterschiedlichen Menschen in bunten Flower-Power-Kostümen und Uniformen auf dem Cover, noch heute die Fans nachhaltig? „Die LP wurde erstmalig mit einer modernen Vierspurtechnik aufgenommen. Da waren ganz andere Klangwelten möglich – das machte ‚Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band‘ sehr orchestral“, weiß Wolfgang Renno, KuFa-Vorstandsmitglied und Mitorganisator des Festivals. Der hatte sich für seine Ansagen von der Bühne eine getönte Nickelbrille aufgesetzt – eine Reminiszenz an John Lennon, einer der beiden Hauptsongschreiber der Fab Four. „Außerdem ist dieses Werk songwriterisch ganz weit vorne für die Zeit gewesen, denn es hat Balladen, aber genauso rockige Kracher. Und natürlich ist darin auch die Handschrift des Produzenten George Martin, dem „fünften Beatle“, nachhaltig spürbar“, erklärt Wolfgang Renno.

Jan Ploenes, der Krefelder Beatle

Nun ist Krefeld nicht Liverpool, und die Beatles gastierten nie in der Seidenstadt. Dennoch waren rund 500 Besucher gekommen, die die drei Beatles-Coverbands beim Festival erleben wollten. Einen Krefelder Bezug zum Album erklärt Wolfgang Renno so: „Wir hatten ja Ende der 80er-Jahre bis in die 90er hinein eine sehr bekannte Coverband, die „Sgt. Peppers“, sagt der Musikliebhaber. Das war die Band des Krefelder Sängers und Gitarristen Jan Ploenes, der mit seinen Mitstreitern Beatles-Stücke mit großem Erfolg in eigener Bearbeitung interpretierte, später sogar deutschlandweit damit tourte. Dieser Jan Ploenes eröffnete mit seinem neuen Projekt „Road Jack“ auch das Festival, und besonders Stücke aus der Frühphase der „Pilzköpfe“ befinden sich in dem Repertoire der Band. Weiterhin spielen sie Songs von Chuck Berry und anderer Rock ‘n’ Roller, die von den „Pilzköpfen“ in deren Anfangszeit noch selbst gecovert wurden.

Ganz nah am Original

Danach heizten „With a little help“ mit Gitarrist Siggi Queck, ebenfalls Ideengeber des Festivals, dem Publikum richtig ein. Es ging mit den Musikern mehr in die bluesige Phase und bei dem Song „Road 66“ kam das Publikum auf Hochtouren. Die angesagteste Coverformation ,„The Beatles Revival Band“ aus Frankfurt, brachte danach das komplette „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“-Album in Originalkostümen eins zu eins auf die KuFa-Bühne – in allen Belangen sehr nah an ihren Idolen. Die Beatles Revival Band besteht bereits seit 1976, hat sich seitdem aber immer wieder verjüngt, und verwandelt seitdem jeden Auftrittsort in eine Art Hamburger „Starclub“, wo die Beatles in Deutschland berühmt wurden. So auch in der KuFa: Bei „With a little help from my friends“ hörte man das Publikum begeistert mitsingen, ebenso bei „When I’m sixtyfour“. Jung und Alt sangen und tanzten gemeinsam zu den Liedern, bis bei der abschließenden Ballade „A day in the life“ andächtige Ruhe einkehrte, die mit Feuerzeugen und Handys passend ausgeleuchtet wurde.

Festival zeigte seltene Exponate

Zum 50-jährigen Album-Jubiläum hatte Frank Hänschen eine beeindruckende Ausstellung entwickelt. Auf Staffeleien hatte der Sammler Originalcover plus Inlets sowie Hommagen an das Original, seltene Pressungen, Chartplatzierungen und Zeitungsausschnitte im Foyer der KuFa bereitgestellt. „Diese Ausstellung hatte ich vor ein paar Jahren schon in der Großmarktgalerie gezeigt, da wurde sie vom Publikum sehr gut angenommen“, sagt der 64-jährige Krefelder Sammler und Journalist. Neben Persiflagen auf das Original-Cover von den Bläck Fööss und Frank Zappa & the Mothers of Invention befand sich sogar ein Cover einer japanischen Band darunter, das die Figuren des Originals von hinten zeigt. „So oder so ähnlich müsste ja die Rückseite aussehen. Man sieht also, dass dieses Beatles-Album die Menschen bis heute beeinflusst“, sagt Frank Hänschen. Original-Cover der Krefelder Sgt. Pepper’s aus den 90ern befanden sich ein paar Meter weiter. Ein besonderes Schätzchen: eine LP, die von der Plattenfirma „Apple“ produziert wurde. „Zum Erscheinungszeitpunkt waren die Beatles ja noch beim Label „Parlophone“ unter Vertrag“, sagt Musikliebhaber Hänschen fachkundig. Besucher Andreas Focke, ehemaliger Betreiber der Krefelder „Beat-Bar“, war auch sehr angetan: „Ein schönes Festival für Krefeld, besonders die Ausstellung gefällt mir sehr gut.“ Zu dem gelungenen Festival in der KuFa gehörte auch ein Kurzfilm, in dem Krefelder Bürger ihre Erfahrungen mit dem Album schilderten. Dazu interpretierten junge Musikschüler Songs wie „Hey Jude“ und „Yesterday“.

Artikel von www.top-magazin.de/niederrhein