Wirtschaft

Engagierte Genießer – Krefelder bilden neuen Vorstand der “Gesellschaft Verein”

Rainer Lohmann, Klaus Kalenberg und Dirk Matura bilden den neuen Vorstand der „Gesellschaft Verein“. Bei der ersten Mitgliederversammlung nach der Rettung der fast 200 Jahre alten Gesellschaft sollen die Weichen für Themen, Aktionen und Ziele gestellt werden.


Dirk Matura (Busch Immobilien GmbH), Rainer Lohmann (LOHMANN AND FRIENDS GmbH) und Klaus H. Kalenberg (GOEBELS Rechtsanwälte)

Nahezu 200 Jahre ist es her, dass sich in Krefeld die ­„Gesellschaft Verein“ gründete. Ihr Zweck: eine instituti­onelle „Heimat“ für Krefelder zu bieten, wo Persönlichkeiten und Engagierte aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft Themen und Ideen zum Wohle Krefelds diskutieren und vorantreiben. Natürlich nicht in staubtrockenen, dunklen Büros, sondern bei gutem Essen und schönen Getränken, bei ganz viel Genuss und Geselligkeit, so wie es über Jahrzente üblich war. Ob Politik oder Wirtschaft, Verwaltung oder Bildung, Kunst, Kirche oder Sportliches, was in der „ Gesellschaft Verein“ besprochen wurde, diente oftmals als Grundlage für wichtige lokale Entscheidungen. Rund 500 Krefelder waren zu Spitzenzeiten als Mitglieder der Gesellschaft an diesen Prozes­sen beteiligt. Im April 2017 war dieser Kreis auf weniger als 100 Mitglieder geschrumpft. Die Gesellschaft Verein stand vor dem Aus, die Liquidation war bereits vorbereitet. Ende Juni dann kam die Rettung: Die Mitgliederversammlung wählte die drei Krefelder Rainer Lohmann, Klaus Kalenberg und Dirk Matura zum neuen Vorstand.

Krefelder für Krefeld(er)

„Wir wollten nicht zulassen, dass die Gesellschaft verschwin­det, weil Krefeld sonst ein (weiteres) wichtiges Stück Stadtge­schichte und auch Stadtzukunft verlieren würde. Wir möchten eine Institution neu beleben, die viele positive Impulse für das gesellschaftliche und kulturelle Leben in unserer Stadt ge­ben kann“, sagen die Unternehmer Dirk Matura und Rainer Lohmann, die zusammen mit Rechtsan­walt und Steuerberater Klaus Kalenberg den neuen Vorstand der „Gesellschaft Verein“ bilden. Alle drei sind waschech­te Krefelder, alle drei sind angetreten, die „Gesellschaft Verein“ in die Zukunft zu führen. „Die Gesellschaft hat den Zweck, den Mitgliedern die Gelegenheit zu verschaffen, in geselligem Verkehr auf angenehme und nützliche Weise ihre freien Stunden zu verbringen”, zitiert Dirk Matura aus der Vereinssatzung von 1830, „und genau hier wollen wir wieder ansetzen: Wir wollen Menschen aus Krefeld gewinnen, die sich bei gutem Essen und hervorragenden Getränken austau­schen wollen, sich von Querdenkern und anderen Innovatoren inspirieren lassen und neue Initiativen für Krefeld entwickeln und umsetzen wollen.“

Erste Ideen für Projekte liegen bereits vor

Bei der nächsten Mitgliederversammlung der „Gesellschaft Verein“ wird der neue Vorstand einen Fünf-­Punkte­-Plan vorstellen. Ganz oben auf der Liste steht der Wunsch, zum 200­-jährigen Bestehen der Gesellschaft – also 2021 – eine große Jubiläumsfeier mit „Musik, Tanz und ganz viel Genuss“ auszu­richten. „An einem griffigeren Begriff für dieses Event arbeiten wir noch“, sagt Vorstandsvorsitzender Rainer Lohmann mit einem Augenzwinkern, „schließlich braucht unsere Gesell­schaft neben den treuen, langjährigen Mitgliedern auch neue Mitstreiter – junge und jüngere Menschen, die wir mit einer etwas moderneren Ansprache für den Verein gewinnen wollen.“

Das Bestreben der „Gesellschaft Verein“, an Krefelds Zukunft zu arbeiten, zeigen zwei weitere Beispiele: „Wir möchten gerne das Thema Digitalisierung in der Wirtschaft, Bildung und weitere Lebensbereiche voranbringen. Freies Wifi für Krefeld, ein digitales Bürgerbüro, eine Park­App – all dies sind Themen, die in Krefeld bereits Fürsprecher haben. Wir als Gesellschaft Verein können und möchten daran mitgestalten. Auch die Themen E­-Mobility­-Konzept, Gastronomie­-Angebot, Sauberkeit oder eine Krefelder Seidenbörse sind spannend“, nennt Dirk Matura Stichworte.


„Wir wollten nicht zulassen, dass die Gesellschaft aus der Öffentlichkeit verschwindet.“
Dirk Matura, Geschäftsführer der Busch Immobilien GmbH

Genuss und Geselligkeit gehören zum Markenkern

Wichtig bei alledem ist, betont Vorstandskollege Klaus Kalenberg, dass der von 1821 stammende Ursprungszweck der Gesellschaft beibehalten werde, so wie er über Jahre von dem langjährigen Vorsitzenden Kurt Kähler praktiziert worden ist. Die (neue) „Gesellschaft Verein“ will und soll kein Polit­ oder Wirtschafts-­Debattier-­Club sein, sondern „eine Einrichtung, bei der Menschen unterschiedlicher Profes­sion und unterschiedlicher Herkunft, die Chance haben, sich für unsere Stadt auf vielfältigste Weise zu engagieren. Das dies stets im Rahmen von Genuss und Geselligkeit stattfindet, gehört quasi zum Markenkern unserer Gesellschaft.“

Folglich wird sich die Gesellschaft auch fürs gute Speisen und Trinken in Krefeld engagieren. „Uns schwebt vor, die monatli­chen Treffen jeweils in einer anderen Lokalität abzuhalten, um tiefer in das Thema Krefelder Gastronomie und Gastlichkeit einzutauchen, Erfahrungen auszutauschen und neue Ideen zu entwickeln“, sagt Rainer Lohmann, und Dirk Matura ergänzt: „Krefeld würde es gut zu Gesicht stehen, wieder einen Sterne­koch zu haben. Wir sind guter Dinge, dass wir einen solchen – wenn eine geeignete Location zur Verfügung steht – in Krefeld etablieren können.“

Oberbürgermeister Frank Meyer ist Ehrenmitglied

Beim Thema Mitglieder-­Rekrutierung verbindet der neue Vorstand ebenfalls Tradition mit Modernem: „Um das soziale und kulturelle Leben in Krefeld zu fördern und die Stadt für Bür­ger und Gäste noch lebens­ und liebenswerter zu machen, braucht es auch neue Köpfe mit neuen Ideen und neuem Elan.“ Einer hat schon zugesagt, die „Gesellschaft Verein“ zu unterstützen: Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer nahm die Idee, kraft sei­nes Amtes Ehrenmitglied der Gesellschaft zu werden, freudig an.

Es wird spannend, zu beobachten und zu begleiten, wie sich die „Gesellschaft Verein“ nach beinahe 200 Jahren neu erfin­den und gleichzeitig seine Wurzeln behüten wird. Die Botschaft nach innen und außen scheint zu sein: „Tradition heißt nicht Asche verwahren, sondern eine Flamme am Brennen halten.” Ein Satz, den der französische Reformer und Historiker Jean Jaurès vor etwa 100 Jahren geprägt hat.

Artikel von www.top-magazin.de/niederrhein