Reise

Helsinki Sommer-Sonne-Regenzeit

Mal ehrlich, dieser Sommer war hierzulande nicht gerade die Wucht. Vielleicht ein Zeichen? Woanders ist Wetter schließlich auch nicht anders. Das war allerdings nicht meine Intention, Helsinki einen Besuch abzustatten. Vielmehr war es das Begehren unserer Art-Direktorin, die unbedingt mal was über diese finnische Metropole im Magazin setzen wollte.


Nachtpanorama der Altstadt in Helsinki, mit der Uspenski Orthodoxe Kathedrale.

Festung von Suomenlinna UNESCO-Weltkulturerbe.

Also auf nach Helsinki. Die langen hellen Sommernächte habe ich zwar verpasst, aber Ende August zählt ebenfalls zu den empfehlenswerten Reisezeiten und ist ja auch noch kein Winter. Mit Finnair fliegt es sich ab Düsseldorf zuverlässig in rund 2,5 Stunden in die finnische Hauptstadt. Traditionell legt man zwar eher mit dem Schiff an. Für diese Unternehmung reichte allerdings nicht das Zeitbudget. Mit dem Finnair Citybus ist man vom Airport in Vantaa binnen einer Stunde in der Stadt. Einige Hotels werden komfortabel direkt angefahren. Natürlich habe ich mir auch gleich ein solches bei der Reiseplanung reserviert. Als Fan von Roger Moore habe ich mich für einen Klassiker aus den Zwanzigern entschieden, das Solo Sokos Torni im Stadtteil Eteläinen Suurpiiri. Mit ein bisschen Glück und Überredungskunst wurde mir auch ein Zimmer im Jugendstil und in den oberen Etagen mit Ausblick angeboten.

Ein idealer Ausgangspunkt, um für einen Kurztrip die Highlights der Stadt zu erkunden, die jeder Reiseführer anpreist. Mit dem Doppeldeckerbus habe ich schon in einigen Teilen der Welt gute Erfahrung gemacht, also probiere ich ihn auch mal im Norden.
Für die nächsten 24 Stunden bin ich also Hop-On/Hop-Off on Tour und unternehme Sightseeing. An insgesamt 17 mehr oder weniger interessanten View-Punkten macht der Bus halt.

Helsinki zählt zu den jugendstilreichsten Metropolen in Nordeuropa. Zahlreiche Kirchen und Kathedralen haben hier ih-ren Platz und ihre Gläubigen gefunden. Beispielsweise die erst 1863 fertiggestellte Uspenski Orthodoxe Kathedrale. Sie thront erhaben auf dem Rundhöckerfels und bietet eine tolle Aussicht über den Hafen. Der russische Einfluss ist unverkennbar, wenngleich sie eher natürlich erscheint. Sie hat eine reich vergoldete Altarfront, ebenso wie ihre Zwiebeltürme.

Mein Reiseführer ermahnt mich, die Fähre vom Market Square in Helsinki nach Suomenlinna zu nehmen, um das UNESCO-Weltkulturerbe zu sehen. Gesagt, getan, auch im Regen. Es ist schon beeindruckend, wie viel Geschichte hier geschrieben wurde. Von 1748 bis 1808 dauerte die Schwedische Ära. Im Jahre 1750 wurde die Festung mit schwedischem Namen ‘Sveaborg‘ phonetisch zu ‘Viapori‘ auf Finnisch umbenannt. Nach 60 Jahren wurde die Festung von den russischen Truppen im russisch-schwedischen Krieg belagert. Fortan herrschten die Russen. Im Sommer 1906, inspiriert von revolutionären Unruhen in Russland, brach eine Meuterei in Viapori aus. Die Meuterer versuchten, die Festung unter ihre Kontrolle zu bringen, was aber scheiterte. Während des Ersten Weltkrieges (1914–1918) gehörte Viapori zu dem, was als Marine Festung von Peter dem Großen bekannt war, um die russische Hauptstadt St. Petersburg zu schützen. Mit der russischen Revolution und der Unabhängigkeit Finnlands wurde Viapori 1918 von der neu gegründeten finnischen Regierung übernommen und in Suomenlinna („Castle of Finland“) umbenannt. In meinem Reiseführer setze ich die Häkchen bei gesehen für Kings Gate (Königstor), Suomenlinna Kirche, Jetty Barracks und Great Courtyard (Großer Hof).

Zurück am Helsinki Market Square beginne ich mit der Entdeckung der landestypischen Kunst- und Designerstücke sowie der Esskultur. Beim Stöbern über den Flohmarkt, beispielsweise der Flohmarkt und die Markthalle Hietalahti oder Kaivarin Kanuuna. Kunst, Kitsch & Co. und einige Antiquitäten wollen gesucht und gefunden werden. Die Finnen trödeln eben gerne. Natürlich lasse ich auch Window-Shopping nicht aus. Schließlich will Frau sich ja auch ein Bild über die Mode in Skandinavien verschaffen.

Orgelpfeifen namens Sibelius

Sibelius-Denkmal in Helsinki, Finnland

Im Park Sibelius finden Musik- und Kunstliebhaber das meist fotografierte Objekt zu Ehren des großen Musikers Finnlands, Johann Sibelius. Die imposante Skulptur von Eila Hiltunen verkörpert eine riesige Orgel aus 580 Stahlrohren, die der Wind unter den rauschenden Birken zum Erklingen bringen soll. Der evangelische, weiße Dom im neoklassizistischen Stil nach Plänen des Architekten Carl Ludwig Engel erbaut, ist durch seine exponierte Lage auf einem Hügel weithin sichtbar und dominiert den davor liegenden Senatsplatz, der über eine große Freitreppe vom Dom aus zu erreichen ist. Sie beide bilden das Zentrum der finnischen Hauptstadt Helsinki in dessen Mitte ein Denkmal des Zaren Alexander II. steht. An der Südseite des Platzes residieren einige gut erhaltene Jugendstilhäuser, darunter auch das älteste Gebäude der Stadt, das Sederholm-Haus von 1757. Bei schönem Wetter sollte man unbedingt auch den kleinen historischen Esplanada-Park besuchen. Hier warten schöne Straßenkaffees und idyllische Biergärten sowie gehobene Restaurants auf ihre kulinarischen Besucher. Am Brunnen im Park hat eine Meerjungfrau namens Havis Amanda ihren Platz gefunden. Studenten erobern am 1. Mai eines jeden Jahres diesen Brunnen und krönen Havis Amanda. In den Sommermonaten locken zahlreiche Veranstaltungen, kleine Konzerte und Modenschauen die Besucher in den Park.


Rapu

Krebsfeste oder „kraftskiva“ waren eine ursprünglich schwedische Tradition, die die Finnen übernommen haben und jeden Sommer mit Rafinesse zelebrieren. Diese kleinen Süßwasserkrebse gelten als Gourmetgenuss und sind nicht ganz billig. Aus diesem Grund werden sie stilvoll verspeist. Anlässlich der Krebssaison, die zwischen dem 21. Juni und dem Frühherbst stattfindet, gibt man elegante, aufwendige Partys.

Artikel von www.top-magazin.de/niederrhein