Reise

Island – wenn du Naturwunder magst

Während wir gerade auf Temperaturrekordjagd sind, der Ventilator eifrig seine Kreise dreht und eine kalte Dusche auch nur eine kurzfristige Abkühlung bringt, da denke ich doch einfach mal zurück an Island. Meine Wetter-App hat Reykjavik noch im Speicher. Anfang Juni frische zwölf Grad zur Mittagszeit, immerhin sechs Sonnenstunden – obwohl die Sonne gerade gar nicht untergeht – es ist  Hochsommer auf der Insel kurz vor Grönland. Trotzdem poppt auch immer diese dicke Wolke mit dem Regensymbol auf. Ich sehe sie vor mir, die Isländer, die bei lauen Temperaturen und dem wechselhaften Wetter völlig ausflippen, kurzärmelig und in Minis die lebendige Laugavegur der Hauptstadt bis in die frühen Morgenstunden in Feierlaune durchströmen. Die Touristen fallen hier auf; das sind nämlich die, die fröstelnd und dick eingemummelt die Straßen queren.


 

Doch zurück auf Anfang. Am Airport von Keflavík stolpert man aus dem Flieger direkt in einen mega Duty-free-Shop, bevor es zum Gepäckband und zum Ausgang geht. Isländer decken sich hier erst mal vor allem mit Alkohol ein. Da die Abflugzeiten von Düsseldorf aktuell über Mitternacht gehen, ist man auch nach nur dreieinhalb Stunden Flugzeit doch etwas k.o. Die örtlichen Shuttlebusse bringen jeden Ankömmling sicher zum Hotel. Dank der Zeitverschiebung ist man morgens tatsächlich wieder parat und schafft sogar noch das leckere Frühstück.
Für Kurzbesucher auf dem Eiland lohnt sich die Tagestour „Golden Circle“. Geschichte, Geografie, Geologie, Zeitreise und Naturwunder – interessant und atemberaubend schön! Eine Insel, die sprichwörtlich immer in Bewegung ist.

 

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Þingvellir – Europas erste Thingstätte – hier trifft Europa auf Amerika

Der Nationalpark Þingvellir ist 2004 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen worden. Namensgeber war der Thingplatz auf dem Lögberg (Gesetzesberg) in der Nähe der Allmänner-Schlucht am Ufer des Þingvallavatn, dem größten Binnensee auf Island. Hier wurden bereits um 930 traditionelle Versammlungen „Althing“ abgehalten, Gesetze beschlossen und gerichtet. Damit haben die Isländer das älteste Parlament der Welt, neben Griechenland und dem Römischen Reich. Das Althing hatte bis zur Auflösung durch die Dänen im Jahre 1798 bestand. An jenem Ort wurde im Jahr 1000 die Annahme des Christentums beschlossen. Hier wurde am 17. Juni 1944 zudem die Republik Island ausgerufen.
Neben dieser geballten Ladung Geschichte überwältigt den Besucher die faszinierende Natur. Die Almannagjá (Allmänner-Schlucht) zieht sich kilometerlang am Ufer des Sees entlang. ­Dunkler Basalt, Verwerfungen und Gräben, imposante Felsspalten und Risse. Ein Labyrinth, mit Wasser gefüllte Pfützen, Bachläufe und kleinere Wasserfälle, Moospolster und riesige Felsbrocken. Hier sieht man Geografie, hier spürt man Geologie. An diesem Ort ist die Nahtstelle zweier Kontinentalplatten. Man steht quasi mit dem einen Bein in Europa und mit dem anderen in Amerika. Doch die Naht droht zu reißen! Das Auseinanderdriften der tektonischen Platten, der amerikanischen und der eurasischen, ist sichtbar. Und spürbar: Die Erde bebt auf Island regelmäßig. In den zurückliegenden 10.000 Jahren ist das Land beiderseits der Schlucht Almannagjá um 70 Meter auseinandergedriftet und der Talboden hat sich um rund 40 Meter gesenkt. Dieser Ort ist magisch. Er diente auch als Filmkulisse für „Game of Thrones“.

 

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Gullfoss – der Goldene Wasserfall

Der wohl bekannteste Wasserfall Islands liegt im Südwesten des Landes, in der Nähe der heißen Quellen und Geysire des Haukadalur.
Der Sage nach soll ein reicher Bauer seine Truhe mit Gold dem Wasserfall übergeben haben, um sicher zu gehen, dass niemand das Gold stiehlt. Tatsächlich könnte auch der Lichteinfall als Namensgeber dienen, denn je nach Sonnenstand schimmert der Wasserfall goldfarben. Über zwei gewaltige, fast im rechten Winkel aufeinander stehende Kaskaden stürzt das Wasser des Gletscherflusses Hvítá in eine 2,5 Kilometer lange und 70 Meter tiefe Schlucht. An warmen Sommertagen donnern pro Sekunde bis zu 1200 Kubikmeter Gletscherwasser in die Tiefe.

 

Der Kerið – ein Kratersee

Er ist der östlichste von fünf Kratern der zum postglazialen Grímsnes-Vulkanfeld gehörenden Kraterreihe Tjarnarhólar, die ihrerseits zum Eruptionsgürtel im Reykjanes–Langjökull–Gebiet zählen. Der etwa 5.000 bis 6.000 Jahre alte Kerið liegt in der Region Suðurland an der Straße von Selfoss ins Haukadalur. Ein kurzer Stopp und ein tolles Fotomotiv muss man mitnehmen. Das türkis/smaragdgrüne Wasser bildet einen wunderschönen Kontrast zu den braunroten Lavagesteinen der Kraterhänge. Man kann bis zum See hinabklettern und auch den Krater umrunden.

 

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Haukadelur – Geysire und heiße Quellen

Es brodelt, blubbert und spritzt gewaltig. Das Tal der Greifvögel, wie Haukadalur heißt, ist ein Hochtemperaturgebiet am Fuße des Berges Laugarfjall, unweit des aktiven Vulkansystems des Großen Geysirs. Heiße Quellen köcheln mit über 100 Grad Celsius und wenn der Druck zu groß wird, stoßen sie gewaltige Wassermengen in die Höhe. Für Touristen sind diese Springquellen ein grandioses Naturschauspiel. Die Einheimischen haben sich die Quellen zunutze gemacht und heizen damit nicht nur ihre Heime, sondern köcheln, backen und nutzen die Energie für vielerlei Dinge.

 

top-magazin-niederrhein-island-05Wenn es in Island regnet, dann geht der Isländer baden.

Und es regnet oft! Isländer lieben es, im Freien zu baden. Und das zu jeder Jahreszeit. Während wir uns hierzulande im Sommer im Freibad drängen und im Winter eventuell dem Hallenbad einen Besuch abstatten, ist es auf Island ganzjährig angenehm und selten überlaufen. Denn das Wasser ist warm. Thermalbäder stehen hoch im Kurs und jeder der auf Island weilt, sollte auch ein Bad nehmen. Dafür muss er auch nicht zwingend in die Blaue Lagune. Allein in Reykjavik gibt es mindestens vier große Thermalbäder mit reichlich Auswahl an Temperaturen. Nach dem Bad huscht man dampfend schnell in einen flauschigen Bademantel, während die Außentemperatur nur wenige Grad über Null anzeigt. Ideal für Frostbeulen!
top-magazin-niederrhein-island-06Wer mit mehr Zeit im Gepäck auf Island weilt, der sollte zudem auch Wandertouren buchen oder einen Ausritt auf dem Pferd unternehmen. Außerdem bietet Island vier Skigebiete, die gerade im Sommer für uns Mitteleuropäer einen coolen Spaß versprechen.
Die Isländer sind sehr gastfreundlich, ohne aufdringlich zu sein. Es ist angenehm, auf einer Insel zu weilen, die natürliche und kulinarische Highlights verspricht. Ein beinahe Nationalgericht gibt es auch hier: Was dem Holländer seine Frietjes, sind dem Isländer seine Hotdogs! – Die muss man unbedingt mal probieren!

 

 

Artikel von www.top-magazin.de/niederrhein