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Yvonne Willicks’s unverhoffte Fernsehkarriere

Obwohl sie in Hamburg und Köln wohnt, hängt ihr Herz noch immer am Niederrhein und seinen Bewohnern. Genauer gesagt, an ihrer Heimatstadt Kamp-Lintfort, der Grenze zum Ruhrgebiet.


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Yvonne Willicks über ihren Werdegang und den niederrheinischen Pragmatismus

„Ich habe weder die Depression des Niederrheiners, der durchaus schon mal zur Schwermut neigt, noch das total Poltrige vom Ruhrpottler. Ich habe von beiden das Beste: die Lebensfreude und den Pragmatismus – und zudem noch die typisch niederrheinische Gabe, zu allem etwas zu sagen zu haben“, erklärt Yvonne Willicks.

Die Fähigkeit, Geschichten erzählen und sich mit Professoren genauso erfrischend unterhalten zu können wie mit Bergmännern, kommt offensichtlich an, denn als Sendergesicht ist sie immer öfter im Programm des WDR Fernsehens zu sehen.

Dabei war ihre Fernsehkarriere alles andere als geplant: Yvonne Willicks war mit ihrem Mann zum Studium nach Aachen gezogen, wollte Sozialpädagogin werden. Doch dann wurde sie schwanger und bekam ihr erstes Kind. Ihr Mann schloss das Studium ab und bekam einen Job bei den Hamburger Elektrizitätswerken, heute Vattenfall, wo er noch immer tätig ist. Also zog die junge Familie um.


„Die ersten zehn Jahre waren eine harte Zeit, ich hatte sehr viel Heimweh. Und wenn man vom kleinen Niederrhein kommt, erscheint einem die große Weltstadt Hamburg unfassbar“, erinnert sich Yvonne Willicks.


Irgendwann, sie hatte mittlerweile das dritte Kind bekommen, meldete sich der niederrheinische Pragmatismus zurück. Das Studium in Aachen abzuschließen, bekam sie neben der familiären Belastung nicht hin, dachte sich aber: „Du musst eine Ausbildung haben und kannst nicht nur von deinem Kerl abhängig sein. Wenn der irgendwann mal die Flausen im Kopf kriegt, dann sitzt Du da, mit drei kleinen Kindern.“

Die Superhausfrau

Zweimal die Woche besuchte Yvonne Willicks abends einen Prüfungsvorbereitungslehrgang zur Hauswirtschafterin, der ihr so gut gefiel, dass sie die Meisterschule direkt oben drauf setzte. Anschließend bildete sie selber in dem Beruf aus, Erwachsenenbildung war auch die Motivation für ihr Studium gewesen. Zusätzlich engagierte sie sich bei der Verbraucherzentrale Hamburg und beim damaligen Deutschen Hausfrauen-Bund.


„Und immer wenn es einen Gammelfleischskandal gab oder die Einkochsaison eröffnet wurde, fragten die Sender und Produktionsfirmen bei den Verbänden nach Experten. ‚Yvonne, mach Du das mal!‘ hieß es dann immer.“


Irgendwann rief eine Produktionsfirma an und fragte explizit nach ihr. Sie müsse nach Berlin kommen. Die bekennende Närrin nähte gerade Karnevalskostüme und wollte eigentlich nicht. Sie fuhr dann doch und stellte vor Ort fest, dass sie im Casting für „Die Superhausfrau“ (RTL2) gelandet war, bekam den Job und arbeitete sich über „AllesTester im Einsatz“ und „Yvonne Willicks räumt auf“ (Sat.1) bis zum WDR vor, wo sie die „Servicezeit“ und „Yvonne Willicks – Der Große Haushaltscheck“ moderiert. „So eine gewisse Rampensaumentalität habe ich immer schon gehabt, das braucht man sowohl beim Unterrichten, als auch beim Moderieren“, gesteht die 43-Jährige.


„Ich freue mich jeden Tag, dass ich das machen darf.“


Rampensaumentalität

Yvonne Willicks hatte das Glück, zu einer Zeit zum WDR zu kommen, wo nicht mehr der Sender die Marke war, sondern auf Gesichter gesetzt wurde. Das merkt sie deutlich, wenn sie durch die Straßen geht und die Leute sagen „Da kommt der WDR.“ Ihre Töchter, die, inzwischen 21 und 18 Jahre alt, in Köln studieren, finden den Bekanntheitsgrad ihrer Mutter eher unspektakulär bis nervig. Ihr Mann hingegen ist, nach anfänglichen Bedenken, stolz auf seine populäre Frau. Er hält unter der Woche in Hamburg die Stellung mit dem Jüngsten, der 17 Jahre alt ist. Sie schafft es nur an den Wochenenden nach Hamburg, denn Drehtage mit bis zu 14 Stunden sind keine Seltenheit. Trotzdem macht der Vollzeitmoderatorin ihr Beruf große Freude und sie kann in ihrem Werdegang auch eine wichtige Lektion für ihre Kinder entdecken:


„Ich habe diese Karriere nicht geplant. So können die Kinder sehen, dass man auch auf krummen Wegen etwas erreichen kann. Wie mein Schwiegervater immer sagte: Du kannst auch Straßenkehrer werden, du musst nur der Beste sein.“


Foto: WDR/Herby Sachs

Artikel von www.top-magazin.de/niederrhein