Kultur

Mein erstes Schützenfest war eine erstaunliche Erfahrung!

Caroline Stolz wurde 1977 in Bonn geboren und studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum. Nach Tätigkeiten am Schauspiel Bonn, am Schauspielhaus Bochum und am Hessischen Staatstheater Wiesbaden war sie von 2014 bis 2017 künstlerische Direktorin für Oper und Schauspiel am Theater Pforzheim. In der Spielzeit 2017/2018 übernahm sie interimistisch die Schauspieldirektion am Theater Trier. Mit der Spielzeit 2019/2020 beginnt ihre Intendanz am Rheinischen Landestheater Neuss.


Interview mit Caroline Stolz, Intendantin des Rheinischen Landestheaters Neuss

 

Frau Stolz: Sie sind von Trier nach Neuss gewechselt. Mögen Sie alte Römerstädte?

Caroline Stolz: Ich habe auf alle Fälle nichts GEGEN alte Römerstädte!

Seit wann sind Sie in Neuss und was haben Sie hier bereits erlebt?

Wir sind Anfang November 2018 nach Neuss gezogen. Diesen August habe ich zum Beispiel mein erstes Schützenfest erlebt. Eine erstaunliche Erfahrung!

Sie haben sich für ein Landestheater ent­schieden. Wo sehen Sie die Chancen und die Risiken in ihrer persönlichen Karriere?

Ein Theater leiten zu dürfen ist immer eine Chance. Risiko ist, dass ich als Regisseurin an anderen, auch größeren Theatern, aus zeitlichen Gründen erstmal nicht inszenieren können werde. Da gilt es dennoch den Kontakt zu halten.

Erfolg bei der Theaterarbeit: Zählen da die Füße (sprich: Besucherzahl) oder gibt es andere Ebenen von Qualität?

Da wir Theater FÜR unser Publikum machen, ist die Besucherzahl selbstverständlich wichtig. Ich mache Theater nicht aus selbstreferentiellen Gründen. Oft jedoch hat die Besucherzahl (leider) nichts mit der Qualität auf der Bühne gemein.

Ist das Theater in einer solchen Stadt wie Neuss eher ein klassisches Bildungsinstitut oder Ort eines abendlichen Unterhaltspro­gramms?

Allein das gilt es noch herauszufinden! Ich denke: es ist eine Mischung aus beidem. Das Publikum ist divers.

Ist der Anspruch eines Theaters als ein Kom­munikationsort der Gesellschaft realistisch?

Selbstverständlich! Wo wenn nicht im Theater?!

Wie positionieren Sie das Theater zwischen Netflix und Co, um attraktiv für verschie­dene Altersgruppen zu sein?

Theater ist unmittelbar. Das ist die große Stärke und Einzigartigkeit dieses Metiers. Theater hat die Möglichkeit interaktiv mit seinen Zuschauern zu agieren. Es gilt Publikum aller Altersgruppen genau für diese Stärken zu sensibilisieren. Mit guten Stücken, phantasievollen Inszenierungen und einem breit aufgestelltem Programm in unserem TheaterAktiv-Bereich, der Zuschauer aller Altersklassen einlädt mit uns gemeinsam Theater zu machen.

Das ‚Streichholzschachteltheater‘ ist Ihre erste Inszenierung. Entzünden Sie damit symbolisch ein neues Streichholz für Neuss?

Nicht nur eins!

Sie haben sich mit ihrem Team die ‚Welt der Familie‘ als Spielzeitthema ausgesucht. Stehen persönliche Motive dahinter?

Unser Spielzeitmotto lautet „Was ist Familie?“. Persönliche Motive stehen nicht dahinter. Es ist spannend, diese Frage zu stellen, zu hinterfragen, programmatisch Stücke zu diesem Thema auszuwählen und gemeinsam mit unseren Zuschauern auf die Suche nach Antworten zu gehen.

Die Premierenankündigungen enthalten bei allen Stücken Altersangaben. Was be­zwecken Sie damit?

Die Altersangaben dienen der Orientierung für unsere Zuschauer.

Michael Frayn und Johann Wolfgang von Goethe innerhalb von einer Woche im Programm: Strategie oder gewagter Spagat?

Wir haben bei den disponierten Premieren der Spielzeit darauf geachtet, dass unserem Publikum inhaltlich eine breite Mischung angeboten wird. Das ist kein Spagat. Das sind zwei großartige Autoren mit ebensolchen Stücken.

Begeben wir uns künftig als Publikum in einen ‚tiefen, dunklen Wald‘, wenn wir das Rheinische Landestheater betreten?

Wenn Sie sich die Weihnachtsmärcheninszenierung in dieser Spielzeit ansehen: Ja!

Wie sehen Sie Ihr Ensemble?

Ich bin ein großer Fan von unserem Ensemble. Es besteht aus tollen Schauspielern und Puppenspielern und fantastischen Menschen! Die Kollegen sind alle sehr unterschiedlich und haben verschiedene Talente, die ich sehr bewundere.

Was wünschen Sie sich für Ihre erste Spiel­zeit in Neuss?

Das Publikum für unsere Arbeiten zu begeistern und weiterhin eine schöne Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeitern.

Frau Stolz, vielen Dank für das nette Ge­spräch, wir wünschen Ihnen viel Erfolg!

Artikel von www.top-magazin.de/neuss