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TG Neuss Tigers vor zehnter Zweitliga-Saison: Mit Spaß zurück nach oben

Bei den Basketballerinnen der TG Neuss herrscht vor ihrer zehnten Saison in der Zweiten Bundesliga ungewohnte Aufbruchstimmung. Zwar gehören die Tigers längst zum Establishment des Unterhauses, doch angesichts des ausgesprochen ernüchternden Verlaufes der vergangenen Spielzeit brennt das Team geradezu auf eine Rehabilitierung.


 

Bei den Basketballerinnen der TG Neuss herrscht vor ihrer zehnten Saison in der Zweiten Bundesliga ungewohnte Aufbruchstimmung. Zwar gehören die Tigers längst zum Establishment des Unterhauses, doch angesichts des ausgesprochen ernüchternden Verlaufes der vergangenen Spielzeit brennt das Team geradezu auf eine Rehabilitierung.

„Nachdem das letzte Jahr für uns nicht so gut gelaufen ist“, sagt TG-Geschäftsführer Klaus Ehren mit Blick auf die unbefriedigende Zuschauerrolle seiner Mannschaft bei den Play-offs in der Vorsaison, „wollen wir wieder oben mitspielen. Wir möchten auch wieder in die Play-offs einziehen.“ Längst sind die Verunsicherung und Zweifel während der Krisenphase im zurückliegenden Winter wieder einem gesunden Selbstbewusstsein und einer gehörigen Portion Optimismus gewichen. Schon die Endphase der zurückliegenden Saison mit fünf Siegen in Folge unter Interimstrainerin und Abteilungsleiterin Angela Krings deutete an, dass in der Mannschaft erheblich mehr Potenzial als nur für den letztlich mäßigen Platz sechs vorhanden ist.

Vor allem bestätigte der prompte Aufschwung nach der Trennung vom glücklosen Chefcoach Antoine Braibant die Bedeutung einer harmonischen Atmosphäre für die Neusser Korbjägerinnen: „Der Spaß ist wieder in der Halle zurück“, meinte Krings bereits nach dem Saisonende vielsagend.

Die Lehren aus jenen Wochen spiegeln sich auch in den Planungen für die neue Saison. Der grundsätzlich konkurrenzfähige und mit zahlreichen Eigengewächsen gespickte Kader ist weitgehend unverändert geblieben. Besonders hat sich der neue Trainer John F. Bruhnke schon im Verlauf der Vorbereitung wie von Krings und Ehren erhofft als fähiger Kommunikator erwiesen.
Der Coach, den Krings bereits vor Braibants Verpflichtung als möglichen Kandidaten auf den Trainer-Posten auf dem Radar gehabt hatte, gilt als ausgesprochener Mann vom Fach. Zu Bruhnkes Referenzen gehören eine fünfjährige Tätigkeit beim früheren Damen-Bundesligisten New Baskets Oberhausen inklusive einer Auszeichnung als „Trainer des Jahres 2005“ sowie ein Engagement von rund vier Jahren als Assistenz-Coach bei der deutschen Damen-Nationalmannschaft. Der verpasste Klassenerhalt mit dem SC Bayer 05 Uerdingen in der abgelaufenen Saison der 2. Regionalliga tat dem Vertrauen der TG-Verantwortlichen in den 55-Jährigen denn auch keinen Abbruch. „Ich wollte einen Trainer finden, der die Szene kennt, und er kennt die Szene“, begründete Krings nach Bruhnkes Vertragsunterschrift ihre Wahl.

 

 

Offenkundig stellte der Krefelder auch gleich einen guten Draht zu seinen neuen Spielerinnen her. „Angela Krings hat bisher nur Positives gehört. Er hat eine gute Ansprache, kommt gut an und führt auch viele Einzelgespräche“, berichtet Ehren über die bisherigen Eindrücke im TG-Lager von dem Sportlehrer.

Doch außer atmosphärisch soll Bruhnkes Handschrift bei den Tigers künftig auch auf dem Parkett erkennbar sein. „Unser neuer Trainer legt viel Wert auf den Bereich Athletik. Ich denke, dass unser Spiel dadurch körperbetonter wird, nachdem wir zuvor ja doch recht ruhig und zurückhaltend waren. Unsere Spielerinnen sind zwar schnell, aber manchmal fehlte bei uns der körperliche Einsatz unter dem Korb. Wir werden sicher intensiver versuchen, uns durchzusetzen.“

Aus Ehrens Sicht passt Bruhnkes Verständnis von Basketball geradezu maßgeschneidert zur Neusser Personalpolitik: „Besonders unsere jungen Spielerinnen brauchen mehr Athletik, um sich bei den Erwachsenen behaupten zu können.“ Tatsächlich befinden sich an der Schnittstelle von Jugendbereich und Erwachsenen gleich einige TG-Asse. Carlotta Ellenrieder, Jana und Lea Schnelle, Lana Spießbach, Leonie Oost und Neuzugang Marja Wucherer, die Nichte von Ex-Nationalspieler Dennis Wucherer, bilden gleich ein ganzes Sextett von U20-Spielerinnen.

Verstärkung für die Tigers, deren tragende Säulen weiterhin die Routiniers Jana Heinrich, Franziska Worthmann und Britta Worms bilden, kommt wieder aus Nordamerika. Nachdem die Rückkehr von US-Spielerin Briana Williams nach einem Jahr in Opladen bereits schon lange festgestanden hatte, nutzten die Neusser wenige Wochen vor Saisonbeginn eine günstige Gelegenheit zur zusätzlichen Verpflichtung der Kanadierin Jill Stratton. Das Duo ersetzt Dara Taylor und Natalie Bastian. Ehrens Meinung nach ist der Kader zur Auswetzung des Vorjahresergebnisses stark genug: „Wir sind schon mit deutschen Spielerinnen so gut besetzt, dass wir eigentlich keine zweite Spielerin aus Nordamerika hätten holen brauchen, um oben mitspielen zu können. Aber falls Verletzungen passieren sollten, ist unser Kader nun auch breit genug, um das auffangen zu können.“ Das große Aufgebot ist außerdem eine Reaktion des Vereins darauf, dass Shooting Guard Leonie Prudent aus beruflichen Gründen nicht regelmäßig zur Verfügung stehen kann und Nachwuchsspielerin Larissa Felten aufgrund ihres Studiums pausiert.

Die Ambitionen der TG zur Anknüpfung an die Top-5-Ergebnisse in den vier Jahren vor der gebrauchten Saison 2018/19 will Ehren allerdings nicht falsch interpretiert sehen: Der Wiederaufstieg in die erste Bundesliga ist für eines der strahlkräftigsten Aushängeschilder des Neusser Sports weiterhin kein Thema. „Uns fehlen die Rahmenbedingungen für die erste Liga“, sagt der TG-Geschäftsführer und weiß die Spielerinnen hinter sich: „Wir werden uns sportlich nicht zurückhalten, aber allen ist bewusst, dass wir mit dem Kader keine Chance in der ersten Liga hätten und uns im Falle eines Aufstiegs personell komplett neu orientieren müssten. Das wollen wir aber nicht, weil so viele Spielerinnen aus Neuss kommen und auch einen Bezug zu Neuss haben. Bei anderen Vereinen, die teilweise sogar mit vier US-Amerikanerinnen antreten, steht eine ganz andere Philosophie dahinter. Wir fahren aber auch mit unserer Haltung sehr gut.“

Artikel von www.top-magazin.de/neuss