Freizeit

Summ, summ, summ, Bienchen summ herum! – Imkern für das Ökosystem – ein nachhaltiges Hobby für jedermann?

Klimawandel, weltweites Artensterben, Versorgungsunsicherheiten angesichts der wachsenden Weltbevölkerung: Das sind große Bedrohungen, deren Auswirkungen der Einzelne kaum absehen kann, über die aber seit Jahren zunehmend berichtet wird.


 

Was kann der Einzelne dagegen tun? Sicher nicht den gesamten Klimawandel oder das Artensterben aufhalten. Aber eben doch im Kleinen, im Lokalen der Nachhaltigkeit Vorschub leisten. Lokal einkaufen, kurze Wege zum Supermarkt – vielleicht eher mit dem Fahrrad als mit dem Kfz – sind erste Schritte. Aber wie wäre es denn damit, auch selber zu produzieren?
Dafür braucht man noch nicht einmal einen „grünen Daumen“. Einen Garten, Schrebergarten oder Balkon allerdings schon. Und am besten auch eine Schutzkleidung und die Bereitschaft, sich mit etwas Neuem zu beschäftigen und dafür Zeit aufzuwenden.

Bienen bestäuben Blüten und produzieren Honig. Das weiß wohl jedes Grundschulkind. Aber dass ein Großteil der Bienenvölker von Hobby-Imkern gehalten wird, und dass im Prinzip jeder Imker werden kann – das sickert erst seit kurzem in das Bewusstsein der breiten Bevölkerung. Und dass der Großteil der Nutz- und Wildpflanzen von der Westlichen Honigbiene bestäubt wird und sie dadurch ein unentbehrlicher Bestandteil des Ökosystems ist, wird ebenfalls immer mehr Menschen bewusst.

Auch Gerd Röpke, der im Hauptberuf das Düsseldorfer Sushi-Taxi ManThei Sushibar betreibt, kam über das Thema „Bienensterben“ zum Imkern: „Im Zuge des Bienensterbens haben wir vor zwei Jahren überlegt, was wir machen können. Wir wollten jedoch nicht den Honigertrag in den Vordergrund stellen, sondern „die Bienen Bienen sein lassen“ – daher haben wir eine Bienenkiste bestellt.“ Folgerichtig verschenkt er seinen Honig dann auch an Freunde, anstatt ihn zu verkaufen.

 

„Urban Beekeeping“ ist ein echter Trend

Nein, wir vom Top Magazin sind keine Liebhaber englischer Trendausdrücke. Aber dieser Anglizismus zeigt, wie sehr der Trend – nicht nur in Deutschland – inzwischen angekommen ist. Imkervereine betonen, dass es wichtig ist sich verantwortungsvoll mit dem Thema „Bienenhaltung“ auseinanderzusetzen. Denn die Bienen sind zu bestimmten Zeiten im Jahr auf ihren Imker angewiesen – insbesondere beim Überwintern. Zudem macht die Varroamilbe den Honigbienen das Leben schwer. Und wer will schon gerne ein Volk von bis zu 45.000 Tieren enttäuschen? Laut Röpke hält sich der Zeitaufwand dennoch in Grenzen: „Vier bis sechs Stunden maximal in der Woche.“ Also: Es reicht sicher nicht, alleine diesen Artikel zu lesen. Wer Imker werden will, nimmt am besten Kontakt zu einem lokalen Imkerverein auf und lässt sich informieren. Eine erste Recherche zeigt, dass das Vereinsleben bei uns im Rhein-Kreis durchaus vielfältig ist: So gibt es etwa den „Imkerverein Neuss“, den „Imkerverein Nievenheim und Umgebung“, das „Kaarster Bienenwerk“ oder den „Imker- und Bienenzuchtverein Bayer Dormagen“.

Und übrigens, gefährlich sind die Bienen nicht. Dazu ein O-Ton von Imker Röpke: „Wir haben mittlerweile drei Völker im Garten. Bienen interessiert kein Frühstückstisch, nur Blumen mit Pollen.“ Und gestochen wurde er tatsächlich nur einmal.

Und inzwischen haben bei uns auch große Unternehmen den Trend erkannt: So nutzen seit kurzem die Stadtwerke Neuss den Wasserturm im Neusser Rosengarten zum Imkern. Hier fliegen jetzt 30.000 Bienen in zwei Stöcken ein und aus, die in der Umgebung den Blütennektar sammeln und zu Honig verarbeiten. Stadtwerke-Wasserexperte Stefan Alef sagt dazu: „Der Grund, warum wir uns als Stadtwerke für den Schutz der Bienen einsetzen, hat sicher nicht in erster Linie etwas mit dem Honig zu tun. Vielmehr möchten wir uns damit an der Initiative „Unternehmen biologische Vielfalt 2020“ beteiligen. Denn was dem Schutz der Bienen gut tut, tut auch dem Schutz der Gewässer gut. Jetzt haben wir gemeinsam die Chance, als Wasserversorger und Imker, in Bildungsprojekten auf das Zusammenspiel von Natur-, Wasser- und Artenschutz hinzuweisen.“

 

Imkern ist ein Handwerk

Beim ersten Einstieg helfen ein paar grundsätzliche Überlegungen:

  • Das Rechtliche und die menschliche Umgebung klären
  • Gute Nachbarschaft: Sprechen sie mit Nachbarn und Vermietern. Dabei geht es nicht unbedingt um die Rechtslage, sondern um die Akzeptanz – die schon im Vorhinein gesichert werden sollte.
  • Versichern: Prüfen Sie, ob die Bienenhaltung durch die eigene Privathaftpflicht abgedeckt ist.
  • Imkerkurs: Schlau machen hilft – ob bei bekannten Imkern oder in einem entsprechenden Kurs.
  • Standortwahl: z. B. Garten, Balkon oder Dach. Wichtig: Es darf nicht zu schattig sein! Ideal wäre eine Umgebung mit hoher Blütenvielfalt.
  • Haltemethode: Es gibt die konventionelle und die ökologische Methode. Die ökologische Methode zeichnet sich –kurz zusammengefasst – aus durch das Überwintern auf eigenem Honig (also nur das Ernten des Überschusses, es bleibt Honig im Stock), durch das Zulassen von Naturwabenbau (und nicht das Einsetzen von vorgefertigten Wachsplatten) sowie durch das Erlauben einer eigenen, natürlichen Selektion der Königinnen.
  • Behausung: Die nennt man auch „Bienenbeute“. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten – die Entscheidung sollte vor allem vom Standort und den Bedürfnissen des Imkers bestimmt werden.
  • Imkerausrüstung: Dazu gehören vor allem Stockmeißel, Schleier, Handschuhen, Besen und Smoker – einfach mal googeln, was das jeweils ist. Auch hier berät Sie der Imkerverein.

 

Das eigene Bienenvolk finden

Bienen kaufen: Das ist natürlich das Spannendste an der ganzen Sache. Doch woher bekommt man Bienen eigentlich? Naja, auch hier empfiehlt sich die Beratung durch den Imkerverein. Im Sinne der Nachhaltigkeit wäre es natürlich schön, wenn die Bienen aus der eigenen Region kommen – dann sind sie zumindest schon an das lokale Klima angepasst. Ideal ist ein Naturschwarm – einer, der bereits bereit zum Weiterziehen war und vom Imker in der Nähe „eingefangen“ wurde. Vielleicht gibt es im lokalen Imkerverein einen Naturschwarm, der abgegeben wird. Im Internet kann man Bienen auch bestellen.

 

Wildbienen unterstützen

Achtung: Imkern ist kein Allheilmittel gegen Insektensterben. Honigbienen sind Haustiere. Sie sind vom Menschen gezüchtet und echte Hochleistungssportler. Experten sagen: Noch wichtiger für das funktionierende Ökosystem sind Wildbienen, die einen viel geringeren Flugradius haben – 150 Meter, verglichen mit den drei bis vier, teilweise mehr Kilometern der gezüchteten Honigbiene. Damit haben sie schnell das Nachsehen, wenn es sehr viele Bienenstöcke in der Umgebung gibt.

Wildbienen leben meist als Solitäre, also nicht im Schwarm. Sie kann man mit einfachen Maßnahmen unterstützen. Dazu gehört das Stehenlassen von Blütenstreifen – ob im eigenen Garten, oder als Landwirt auf der Ackerfläche. Weitere Maßnahmen sind so einfach wie effektiv: Eher sparsam mähen. Unterschlupf für den Winter bieten, also Stauden und Holzstapel stehen lassen, auf die ausreichend Sonne scheint oder Nisthilfen in Richtung Süden oder Südosten anbringen. Grundsätzlich auf Pestizide verzichten. Und natürlich das Wachsenlassen von bienenfreundlichen Pflanzen wie Kornblumen, Salbei, Lavendel oder Blaukissen, aber auch von blühendem Lauch, Zwiebeln, Rosen- und Grünkohl.

 

Fazit: Bienen helfen ist einfach

Der eigene Garten oder Balkon ist eine tolle Möglichkeit, um im Kleinen etwas gegen das Insektensterben zu tun. Wer mehr tun möchte, kann tatsächlich Imker werden: Das ist recht einfach möglich, sollte aber wohl überlegt sein. Mit Sicherheit ist es ein erfüllendes Hobby, das aber eben auch Verantwortung mit sich bringt. Wer sich jetzt mehr mit Bienen beschäftigen will, sollte den Imkerverein „um die Ecke“ kontaktieren oder erst einmal selber weiter recherchieren.

 


 

Links und Suchtipps

Gute Überblicksseite zum Einstieg: www.stadtbienen.org
Ganz offiziell: www.deutscherimkerbund.de
Infos rund um die Biene: www.bee-careful.de
(Initiative des Marmeladenherstellers Schwartauer Werke)
Gemeinnützige Initiative rund um die Bienenhaltung: www.bienenkiste.de
Google-Suche: „NABU TV Insektenhotel bauen“
Auswahl lokaler Imkervereine: Imkerverein Neuss, Imkerverein Nievenheim und Umgebung, Kaarster Bienenwerk, Imker- und Bienenzuchtverein Bayer Dormagen

Artikel von www.top-magazin.de/neuss