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Magisches Dreieck der Gesundheitsversorgung

Dr. Nicolas Krämer (45) steht seit 2014 als Kaufmännischer Geschäftsführer an der Spitze des Neusser Lukaskrankenhauses. Im Interview spricht der in Hamburg aufgewachsene Frankfurter über die Fusion der kommunalen Kliniken im Kreis, die Lehren aus dem Cyberangriff auf das „Lukas“ von 2016 und sein Leben in Neuss.


 

Top Magazin: Herr Dr. Krämer, die Fusion des „Lukas“ mit den Kliniken in Dormagen und Grevenbroich ist beschlossen. Können Sie schon verraten, wie der Verbund heißen könnte?

Dr. Nikolas Krämer: Die Wahl des Familiennamens ist Aufgabe des politisch besetzten Lenkungsausschusses mit Vertretern beider Ehepartner. Man muss unterscheiden zwischen der Dach marke und der Standortmarke. Die Marke „Lukas“ ist eine starke „Marke“, die sich fest etabliert hat. Es ist mir ganz wich tig, dass diese starke Marke nicht untergeht, und deswegen werde ich mich für den Erhalt der Standortmarke „Lukas“ einsetzen. Viele Neusser sind in unserem Haus geboren und haben alleine dadurch eine ganz wichtige emotionale Verbindung zu uns. Das zeigt, wie viel die Dienstleistung, die wir anbieten, mit Vertrauen und Emotion zu tun hat, zumal ein Mensch, der ins Krankenhaus muss, sich in einer Ausnahmesituation befindet. Ich würde auch die Verwendung des Begriffs Klinikum begrüßen, weil wir einerseits ein Gesundheitsunternehmen sind und andererseits das Wort „Krankenhaus“ immer auch etwas Negatives be inhaltet.

Wie ist der weitere Zeitplan?

Unser Ziel ist, bis zum 31. August alle wesentlichen Entscheidungen umgesetzt zu haben. Dazu gehören die Geschäftsverteilung, die Festlegung der Führungsebenen und des Markennamens, die Definition einer medizinischen Struktur, die Entscheidung über den Hauptv er waltungssitz, ein Corporate Design und ein Kommunikationskonzept, die Iden tifizierung von Synergien in den Sekundär- und Tertiärbereichen und die entsprechende Meilensteinplanung. Zusammengefasst heißt es: Ärmel hochkrempeln und Gas geben.

Was bedeuten die wirtschaftlich unterschiedlichen Voraussetzungen der beiden Partner für die Fusion?

Wir werden uns gut ergänzen. Die Lukas GmbH ist einerseits renditestark, andererseits mit hohen Verbindlichkeiten ausgestattet. Die Rhein-Kreis Neuss Kliniken schreiben zwar rote Zahlen, sind aber praktisch schuldenfrei. Das Ver mögen der Rhein-Kreis Neuss Kliniken und die Ergebnisstärke der Lukas GmbH ergeben gemeinsam eine sehr gute Symbiose.

Wo sehen Sie die besten Möglichkeiten zur Erzielung der erhofften Synergien?

Für ein Krankenhaus steht die Medizin natürlich an erster Stelle. Deswegen liegen hier wohl auch die größten Potenziale, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein und so eine sehr gute und verbesserte medizinische Infrastruktur anbieten zu können. Der Trend geht zur Konzentration und Spezialisierung und weg von der sogenannten Bauchladen-Philosophie mit möglichst vielen medizinischen Angeboten. Wenn ich etwas häufig mache, dann mache ich es auch gut. Dadurch gilt wirklich „Quantität ist Qualität“, und das ist die wichtigste Synergie.

Die geplante Spezialisierung bereitet aber vielen Neussern die Sorge, dass im „Lukas“ nicht mehr alles behandelt werden kann…Eine Grund- und Regelversorgung wird es an jedem der drei Stand orte geben! Wir werden einen Großteil unserer Leistungsangebote halten und uns medizinisch sogar verbessern – im Sinne und zum Wohle des Patienten. Ich sehe in Neuss, Dormagen und Grevenbroich ein magisches Dreieck der Gesundheitsversorgung entstehen. Davon werden alle profitieren, weil wir ein Höchstmaß an medizinischer Qualität anbieten. Gemeinsam werden wir – auch mit Blick auf große Kliniken im Umland – noch stärker sein.

Niedergelassene Ärzte befürchten allerdings künftig eine Bevorzugung von finanziell lukrativeren Behandlungen…

Eine selektive Patientenbetreuung haben wir nie vorgenommen, und das wird es auch im neuen kommunalen Krankenhausverbund nicht geben. An unserem Prinzip, dass wir im Rahmen der kommunalen Daseinsfürsorge alles anbieten und alle, die sich in unsere Obhut begeben, untersuchen und behandeln, wird sich nichts ändern. Gerade deshalb wollten wir die Trägerschaft in kommunaler Hand belassen und keine Privatisierung.

In der Wirtschaft bedeuten Fusionen oft Stellenabbau. Sind am „Lukas“ Arbeitsplätze in Gefahr?

Wir haben als „Lukas“ und auch im Verbund nicht vor, Arbeitsplätze abzubauen. Durch Synergien braucht man zwar nicht überall die doppelte Mitarbeiterzahl, aber ein Arbeitsplatz im „Lukas“ war, ist und bleibt sicher. Wenn allerdings Stellen altersbedingt oder aus anderen Gründen frei werden, könnten sie nicht wieder neu besetzt werden. Betriebsbe dingte Kündigungen jedoch sind eindeutig ausgeschlossen.

Mit Familienzimmern für Fußball-Fans der Bundesligisten Borussia Mönchengladbach und Fortuna Düsseldorf ist Ihrem Haus schon vor einiger Zeit ein PR-Coup gelungen. Welche Bedeutung wird Marketing für den neuen Klinik verbund haben?

Gute Medizin braucht Marketing, das keine Reklame oder Marktschreierei ist. Marketing wird auch künftig eine große Rolle spielen müssen, denn es bringt uns ja nichts, wenn wir Top-Angebote haben und niemand davon erfährt. In diesem Zusammenhang spreche ich gerne auch von den Patienten als Kunden: Der Patient ist wörtlich übersetzt derjenige, der etwas er leidet, aber der Kunde ist König.

2016 stand das „Lukas“ wegen einer Cyberattacke bundesweit im öffentlichen Fokus. Welche Konsequenzen und Lehren haben Sie daraus gezogen?

Wir haben den Faktor Mensch in den Fokus gerückt, der in der IT-Sicherheit eine sehr große Rolle spielt, zum Beispiel mit einer internen Achtsamkeits-Kampagne.. Wir haben aber auch technische Maßnahmen ergriffen wie das Sandbox system, einen virtuellen Sandkasten, in dem verdächtige E-Mails geprüft und gegebenenfalls entschärft werden. Insgesamt haben wir durch hohe Investitionen unglaublich nachgerüstet und aus einer vermeintlichen Schwäche eine besondere Stärke gemacht. Dafür sind wir schon mehrfach ausgezeichnet worden. Dennoch wird es eine 100-prozentige Immunität gegen Com puterviren niemals geben. Kommen wir abschließend auch zu Ihrer Person: Ihr Beruf hat Sie 2014 nach Neuss geführt.

Sind Sie inzwischen angekommen?

Für mich als Hamburger Jung ist Wasser wichtig. Neuss liegt am Rhein, das hat bei der Entwöhnung von Alster und Elbe sehr geholfen. Wir sind als Familie in Neuss längst heimisch geworden und glücklich. Ich fühle mich in Neuss sehr, sehr wohl – besser geht es gar nicht. Wir haben viele Freunde gewonnen, und ich bin durch Mitgliedschaften in der Bürgergesellschaft oder im Lions Club gut vernetzt.

Das größte Neusser Netzwerk ist das Schützenwesen. Sind Sie da auch engagiert?

Ja, natürlich. Seit ich 2015 das erste Mal als Gastmarschierer im Grenadierzug „Sportfreunde“ mitgemacht habe, bin ich dabei. Das gehört dazu, und das ist auch gut so.

Jüngst hat sich ja auch am „Lukas“ ein Schützenzug gegründet. Wie wirkt das Ihrer Meinung nach außen und auch nach innen?

Ich wünsche unserem Jägerzug „Lukasianer“ alles erdenklich Gute für das erste „Frei weg“. Wunderbar, dass die Jungs den Lukasgeist auch in das Schützenwesen einfließen lassen. Die Initiative zeigt ja auch den Zusammenhalt in der Kollegenschaft und die Identifikation unserer Mitarbeiter mit diesem Haus. Wir sind eben eine „Lukas-Familie“.

Artikel von www.top-magazin.de/neuss