Wirtschaft

NDH-Chef Odermatt: Die Häfen müssen weiter wachsen

Kommandowechsel bei den Neuss-Düsseldorfer Häfen


 

Die ersten fünf Monate im Chefsessel der Neuss Düsseldorfer Häfen liegen hinter ihm. Sascha Odermatt, der am 1. Mai die Nachfolge von Rainer Schäfer und Ulrich Gross antrat, kam nach knapp zehn Jahren vom Rheinhafen Krefeld wieder zurück nach Neuss. Hier hatte der Jurist mit Schweizer Pass drei Jahre lang als Justiziar gearbeitet, bevor er gemeinsam mit Elisabeth Lehnen den Krefelder Hafen in die schwarzen Zahlen führte und bedeutende Ansiedlungen realisieren konnte.

 

Sascha Odermatt ist neuer Geschäftsführer der Neuss-Düsseldorfer Häfen

 

Dem Ruf nach Neuss folgte Odermatt mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „In Krefeld konnte ich gemeinsam mit meiner Kollegin Aufbauarbeit leisten. Wo vor acht Jahren noch eine Brache war, haben sich Unternehmen angesiedelt, die dem Hafen auch langfristig gute Erlöse sichern. Auf der anderen Seite reizen mich jetzt die Herausforderungen, die die Standorte Neuss und Düsseldorf bereit halten. Eine solche Chance, sich beruflich weiter zu entwickeln, bekommt man nicht oft.“

Gross und Schäfer haben 14 Jahre lang als Geschäftsführer die Geschicke der Hafengesellschaft gelenkt und sind maßgeblich für den Erfolg der Neuss-Düsseldorfer Häfen verantwortlich. Unter ihrer Führung entwickelte sich der Verbund der Häfen zwischen Düsseldorf, Neuss und Köln zu einem der bedeutendsten Binnenhafenstandorte Europas.

Das Aufgabenfeld des neuen Geschäftsführers unterscheidet sich etwas von dem seiner Vorgänger. Durch die Ausgliederung operativer Bereiche erfuhr die NDH eine Umwandlung in eine Art Holding, die ihre Beteiligungen steuert. Dazu gehören der Rheinhafen Krefeld, das Containerterminal Neuss Trimodal und die Entwicklungsgesellschaft Reisholz. Teil des NDH-Portfolios ist auch das Joint Venture RheinCargo, in das die Bereiche Hafenlogistik und Schienengüterverkehr ausgegliedert wurden. Es entstand das größte private Eisenbahnunternehmen Deutschland.

„Die Anforderungen, die die Logistik an die Hafenstandorte stellt, werden immer vielfältiger. Da Häfen nicht unbegrenzt in die Fläche wachsen können, müssen sie effektiver werden, um die Mehrmengen abwickeln zu können. Strategische Beteili gungen können dabei helfen, logistische Abläufe zu optimieren“, ist sich Odermatt sicher. Dafür bieten sich weitere Kooperationen an.

Über die 2012 gegründete RheinCargo und die Beteilung der NDH am Rheinhafen Krefeld kooperieren zwischen Krefeld im Norden und Godorf im Süden acht Hafenstandorte. Der dadurch entstandene große Flächenhafen ermöglicht die strategische Ausrichtung jedes einzelnen Standortes auf sein Kerngeschäft.

Der Großteil aller Waren kommt über die Seehäfen nach NRW. Ohne die Binnenhäfen zwischen Duisburg und Bonn würden diese Verkehre über die Straße abgewickelt werden. Neben leistungsstarken Wasserwegen ist das regionale Schienennetz zwischen Moers im Norden, Stolberg im Westen und Bonn im Süden unverzichtbar. Streckenverkehre werden in die ARA-Häfen (Antwerpen, Rotterdam, Amsterdam) und bis Zeebrugge abgewickelt. Über Basel geht es in die Schweiz, auch nach Polen, Österreich und nach Tschechien.

„Wie leistungsstark der RheinCargo-Verbund ist, zeigen aktuelle Zahlen: Über alle Häfen und mit dem Krefelder Rheinhafen, der nicht zur RheinCargo-Gruppe aber zur NDH gehört, werden 45 Millionen Tonnen umgeschlagen, davon 25 Millionen Tonnen mit der Bahn und 20,4 Millionen wasserseitig“, verdeutlicht Odermatt.

Seit Jahren ist der Ausbau des Reisholzer Hafens zu einem modernen Logistikstandort im Gespräch. Zu diesem Zweck gründeten die Neuss Düsseldorfer Häfen und die IDR (Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz), eine hundertprozentige Tochter der Stadt Düsseldorf, eine Entwicklungsgesellschaft. Als großer gewerblicher Immobilien-Projektentwickler hat die IDR in Düsseldorf bereits zahlreiche Immobilien geplant, entwickelt und realisiert. Die lange in Aussicht gestellte Machbarkeitsstudie soll jetzt in Auftrag gegeben werden.

„Wir erwarten Aufschluss darüber, welche Flächen zur Verfügung stehen, wie sie logistisch eingebettet werden können und was die vorhandene Verkehrsinfrastruktur aufnehmen kann. Auch muss in Zusammenarbeit mit den Umweltbehörden die Bodenbelastung durch die industrielle Vornutzung untersucht werden“, erklärt Odermatt. Im Umgang mit der Bürgerbewegung, die sich gegen den Ausbau wehrt, verspricht der Hafenchef Transparenz.

Da es in Neuss und Düsseldorf nur noch wenige kleine Flächen gebe und auch in Krefeld die Flächenentwicklung größtenteils abgeschlossen sei, müsse Reisholz in naher Zukunft ausgebaut werden. Mit dem vorhandenen Gleisanschluss, der Wasserkante und weiteren Freiflächen sei Reisholz die ideale Ergänzung der Hafenlandschaft.

Große Flächen sind jedoch nicht die einzige Voraussetzung für die Ansiedlung von Unternehmen. Um im Gigabit-Zeitalter konkurrenzfähig zu sein, ist der Ausbau des Glasfasernetzes dringend erforderlich. „Im europäischen Vergleich liegen wir wirtschaftlich ganz vorne“, sagt Odermatt. Trotzdem sieht er die Entwicklung in Deutschland auch kritisch, da die Digitalisierung nicht auf der Höhe der Zeit ist. Ein Hoffnungsschimmer: Vodafone hat mit dem Aufbau eines leistungsstarken Glasfaser-Netzes im Neusser Hafen begonnen.

 

Artikel von www.top-magazin.de/neuss