Freizeit

Endlose Horizonte

Mehr als drei Monate hat Daniel Brinckmann im Rahmen von Reisereportage-Touren in Südafrika verbracht. Nachdem er beim letzten Aufenthalt zusätzlich als Gruppenreiseleiter vor Ort war, verrät unser Autor im Top Magazin seine Insider-Tipps für gelungene Safaris.


 

Das Südende Afrikas ist immer gut für eine Lektion in Demut: Ein Staatsgebiet von der zweifachen Größe Spaniens, das zwischen dem tropischen Ostende, zeitweise verschneiten Bergen und dem kühlen Westkap bittere Armut und Hightech vereint, lässt sich nicht einfach greifen oder gar in einer Tour bereisen. Neben Garden Route, Weingütern, Naturmonumenten und Sportangeboten sind es aber die weitläufigen Nationalparks, die seit den Tagen des Britischen Empire die meisten Besucher in ihren Bann ziehen. Wer einmal Buschromantik und Abendleuchten in der Savanne gekostet hat, sehnt sich meist dorthin zurück bis irgendwann das nächste Ticket in Richtung Johannesburg gebucht ist.

 

Kleingedrucktes

Wer aber zum ersten Mal plant auf die Pirsch nach den „Big Five“ (Löwe, Leopard, Nashorn, Elefant und Büffel) zu gehen, sollte vor der Buchung möglichst präzise wissen, was man (nicht) will. Mit rund 25 staatlichen Nationalparks und hunderten Tierreservaten im Privatbesitz fällt das Angebot riesig aus und nicht in allen Fällen ist das ersehnte Erfolg garantiert. Organisierte Gruppenreisen mit zweistelliger Teilnehmer-Zahl haben zwar den Vorteil, dass sich niemand mit Transfers und Autofahrten abmühen muss, doch Gruppenzwänge, wenig flexible Programme und die unterschiedliche Kondition der Teilnehmer können das Erlebnis Afrika leicht entzaubern.

Wortwörtlich am besten fährt man individuell – Verpflegung, Leihwagen und Benzin sind günstiger als hierzulande, das Straßennetz in den meisten Fällen (oft auch in Nationalparks) gut ausgebaut und einfach befahrbar. Selbst der Sicherheitsaspekt – für viele Interessierte die Achillesferse Südafrikas – fällt nicht sonderlich ins Gewicht, wenn man einige Faustregeln beachtet (siehe „Spielregeln“) und den Leihwagen unmittelbar am Flughafen Johannesburg in Empfang nimmt.

 

Afrika für Einsteiger

Weniger als eine Autostunde nördlich der Millionenstadt bildet die Cradle Moon Lakeside Safari Lodge die perfekte erste Etappe, um sich zwei, drei Tage lang zu akklimatisieren und die Vorfreude mit Buschflair und eindrucksvollen garantierten Tierbegegnungen aus nächster Nähe zu steigern ehe die Fahrt zum ersten „richtigen“ Nationalpark ansteht. In den 1960ern erwarb ein deutscher Auswanderer 1600 Hektar Farmland und überschüssigen Wildtier-Bestand auf und schuf so eine Oase, in der Zebras, Giraffen, Antilopen, Gazellen und andere Tiere unmittelbar zwischen den Rundhütten der Gäste umherstreifen und aus Pool und Rasen sprengern trinken. Spaziergänge im di rekten Umfeld der Anlage, die auch einen Stausee mit einschließt, gelten als verhältnismäßig sicher. Wer unbedingt abseits der Wege durchs Unterholz streifen will, sollte weite Hosen, über die Knöchel reichendes Schuhwerk und Sonnenbrille tragen. Radtouren, Angeln, Bootstouren und organisierte Jeep-Safaris mit Chancen auf Leoparden und Nashörner können ebenfalls gebucht werden.

 

Dem Abenteuer entgegen

Einmal ausgeruht und eingenordet, ist es an der Zeit herauszufinden, wieso der 1926 etablierte Kruger-Park neben Okavango- Delta (Botswana), Etosha (Namibia), Serengeti (Tansania) und Ngorogoro-Krater (Kenia) als Sahnestück unter den Wild life-Spots Afrikas gilt. Rund 500 Kilometer ostwärts und etwa sechs Stunden Fahrzeit durch Farmland und Ausläufer der zerklüfteten Drakensberge liegen zwischen der Lodge und den südlichen und westlichen Toren des größten Nationalparks Südafrikas. Mit sagenhaften 19.500 Quadratkilometern Fläche, einem dichten Netz von Flüssen und Strömen wie dem Sabie und Crocodile River ist der Park weitläufig genug um neben allen klassischen Bewohnern der Savanne auch große Herden von Elefanten und Büffeln zu ernähren. Mittelfristig soll der grenzüberschreitende Great Limpopo Transfrontier-Park im Länderdreieck Südafrika, Mosambik und Simbabwe 100.000 Quadratkilometer bedecken und so die alten Wanderrouten des Großwilds wieder her stellen. Aber selbst in den aktuellen Nationalparkgrenzen – 360 Kilometer von Nord nach Süd und 65 Kilometer von Ost nach West – setzt der „Kruger“ Planung voraus.

 

Gegenüber Selbstfahrertouren darf man sich bei Fahrten im Safari-Mobil nicht nur über eine erhöhte Position, Gitter anstelle von Fenstern (Fotos!) und Geländegängigkeit freuen, sondern auf die geschulten Adleraugen eines ortskundigen Guides verlassen, der zudem im Funk-Kontakt mit anderen Rangern steht. Zumindest für den ersten Tag keine schlechte Wahl – denn Tricks kann man sich schon abschauen. Wer auf eigene Faust mit der Landkarte in der Hand loszieht, sollte bedächtig fahren, mehrere anhaltende Autos als Glücksfall ver stehen (dann ist wortwörtlich etwas im Busch), die Fahrer entgegen kommender Safari-Mobile nach Wildwechsel fragen und vielleicht auch ganz unromantisch auf die App des Parks zurückgreifen, in der alle aktuellen Sichtungen mit Tier- Symbol und Ortsangabe per GPS dokumentiert werden. Besonders an den „Hides“, befestigten Verstecken mit 180-Grad-Visier, sind Geduld, Stille und schnelle Reaktionen gefragt. Ein ausgehungertes Löwen-Weibchen kann mehrere Stunden um ein Wasserloch mit Gazellen, Zebras und Gnus herumschleichen ehe es zu einem Angriff kommt und plötzlich die Hölle losbricht. Wer in diesen kurzen Sekunden aufs Handy schaut, hat verloren. Viele Ferngläser und lange Objektive sind ein guter Indikator um zu bleiben! Aussteigen darf man freilich nur an solchen gesicherten Orten oder an Picknick- und WC-Plätzen.

Wie überall ereignen sich die spektakulärsten Wildtier-Begegnungen und auch schönsten Lichtsituationen meist in den frühen Morgen- und Abend-Stunden. Entsprechend sollte man am besten schon vor Öffnung der Tore bei Sonnenuntergang anstehen, die Mittagshitze für einen Snack nutzen und den Park erst verlassen bevor nach Sonnenuntergang Bußgelder anfallen.

 

 

Offene Worte

Stichwort „Anstehen“: In einem legendären Park wie dem Kruger ist man selten allein – zu bestimmten Stoßzeiten, etwa rund um die klassischen Feiertage, kann es ernüchternd voll werden. An solchen Tagen konzentriert sich eine Blechlawine an den Orten der letzten Sichtungen. Zwar gibt es mit sieben dreitägigen Wanderrouten / „Wilderness Trails“ (natürlich mit Guide) und kleineren Lodges innerhalb des Parks auch Raum für Individualismus, doch sprechen 13 Großcamps für sich, die insgesamt mehr als 3.000 Gäste aufnehmen können und neben Restaurants und Tankstellen teils mit überflüssigem Firlefanz wie Golfplätzen ausgestattet sind. Trotz der nächtlichen Anfahrt empfiehlt sich deshalb eine familiäre Adresse wie die Bushwise Safari Lodge im frei zugänglichen Marloth Park mit ihren sechs Zimmern. Direkt am Elektrozaun vor dem Crocodile River am Kruger gelegen, hört man vom kleinen Pool und der Bar aus oft die Elefanten trompeten, Affen zetern, und in heißen Nächten leuchtet die Savanne im Minutentakt im Schein der Blitze auf. Keine schlechte Gelegenheit, die Eiswürfel im Gin Tonic aneinander rasseln zu lassen.

 

Kleiner Name – große Alternative

Weniger frequentiert, aber mindestens ebenso malerisch und reich an Wildlife ist der 400 Kilometer weiter südlich gelegene älteste Nationalpark des Landes, Hluhluwe-Imfolozi (sprich: Schluschluwe). Auf halbem Weg zwischen Durban und der Grenze zu Mosambik, ist der 960 Quadratkilometer große Park nicht nur überschaubarer und damit für Selbstfahrer leichter zu erkunden als der Kruger. Er ist mit seiner Hügellandschaft auch abwechslungsreicher als die weiten aber auf Dauer eintönigen Savannen, und aufgrund der Nähe zum Meer etwas grüner. Aufgrund seiner zentralen Lage empfiehlt sich hier tatsächlich das weitläufige Hilltop Camp inmitten des Parks, welches verschiedene Unterkünfte für alle Geldbeutel parat hält. Mit den wenige Autostunden entfernten Saint Lucia Wetlands lädt obendrein ein Labyrinth aus Sümpfen, Flüssen und Seen zu entspannten Flussdampfert ouren ein, während denen Kolonien von Nilpferden, Krokodilen und eine reiche Vogelwelt zum Standardprogramm zählen. Die perfekte Gelegenheit, Lücken im Wild life-Logbuch zu füllen. Einige Worte noch zur Saison: Safaris am Ende der Trockenzeit im späten Winter (August bis September) sind oft ergiebiger weil das Unterholz verdorrt und weniger dicht ist und sich die Tiere auf die Flüsse und die beständig zurückgehenden Wasserstellen konzentrieren. Auch die Straßen sind mit einem regulären Leihwagen leichter passierbar. Der Haken: Die Öffnungszeiten an den Parkeingängen und den Camps innerhalb der Parks orientieren sich an Sonnenauf- und -untergang. Aber so ist das halt im Leben – man kann nicht alles haben…

 

Kamera-Equipment

Empfehlung: zwei Kameras griffbereit halten, von den eine mit Standard-Zoomobjektiv (z.B. 18-150mm) und eine mit Telezoom zwischen 150-400mm/länger und/oder Konverter) ausgestattet ist. Für Landschaftsaufnahmen kann man immer zum Fisheye/Superweitwinkel greifen, Makro- Linsen werden selten zum Einsatz kommen, Stativ und Fernbedienung für Langzeitbelichtungen. Actioncam (GoPro) an der Scheibe montieren und bei Bedarf losfilmen. Ersatz-Akkus und -Speicherkarten nicht vergessen.

 


 

Südafrika-Knigge:

  • Regeln der Nationalpark-Verwaltungen befolgen –beim Verlassen des Wagens außerhalb ausgewiesener Orte drohen empfindliche Strafen und Lebensgefahr.
  • Auto während der Fahrt verriegelt lassen und bei vermeintlichen Unfällen oder Pannen NICHT anhalten.
  • Keine Überlandfahrten nach Sonnenuntergang (Viehherden und Wildwechsel).
  • Besonders nach Einbruch der Dunkelheit unbelebte Orte (auch Aussichtspunkte und Strände) meiden.
  • Wertsachen wie Schmuck und Kameras innerhalb der Städte nicht zur Schau stellen und nicht offen im Wagen liegen lassen (leeres Handschuhfach öffnen).
Artikel von www.top-magazin.de/neuss