Kultur

Shakespeare in Reinkultur – Das Globe, wie wir es wollen und wie es uns gefällt!

Bunte Socken, ein Fahrrad vor einer Regenbogenwand, ein rasantes Erzähltempo und jede Menge Applaus: die Handlebards, eine Art reisende Schauspieltruppe mit Spezialisierung auf den Meisterbarden Shakespeare, brachte das Publikum im Neusser Globe zum Toben.


 

Und das hat einen Grund. Die vier Jungs, die die Geschichte von Viola und Sebastian, von Cesario und Malvolio auf die runde Holzbühne bringen, wissen was sie tun. Was das Publikum sieht ist Shakespeare pur. „Was ihr wollt“ ist ein typisches Verwechslungsdrama, mit Zwillingen und Rollentausch. Und zehn Charakteren, die teilweise gleichzeitig auf der Bühne stehen, obwohl alle von den vier Handlebards verkörpert werden. Naja, nicht ganz: Denn immer wieder muss das Publikum aushelfen und Rollen übernehmen.

 

…die Fahrradklingel als Markenzeichen…

Andere Rollen werden von rollentypischen Kleidungsstücken übernommen, die vom Schauspieler festgehalten werden. Der Schauspieler springt in den Charakter (und in die entsprechende Kleidung) hinein und hinaus, je nachdem, wo der aktive Part gerade gefordert ist. Dabei kommt das Markenzeichen der Handlebards zum Einsatz, die Fahrradklingel, die alle vier am Zeigefinger tragen. Und wenn einer der musikalischen Barden – denn singen können sie auch – die Rolle wechselt, wird das durch eindringliches Klingeln verdeulicht. Und trotz altertümlicher Sprache und Rollenverwirrung ist die Story dem deutschen Publikum jederzeit klar. Das ist Shakespeare in Reinkultur – große Lacher, echtes Drama, große Emotionen und wahre Liebe.

Dafür ist das Neusser Globe ganz offensichtlich gemacht. Es ist der offene, der nichtfrontale, der runde Charakter der Bühne, der dieser Shakespeare-Interpretation entgegenkommt, ja sie ermöglicht. Die Handlebards spielen üblicherweise gar nicht auf Bühnen, sie sind draußen unterwegs, spielen im Freien. Das Globe bietet dazu das ideale Komplementärangebot, es passt einfach. Man kann den Schauspielern anmerken, dass sie das auch so empfinden: Vor dem Stück schauen sie immer wieder hoch, bewundern die Bauweise – und sind am Ende überwältigt vom Klangvolumen, dass das begeisterte Publikum durch Klatschen und Stampfen in dem Resonanzkörper „Globe“ erzeugt.

 

Einzigartiges Ambiente

Kein Wunder, dass inzwischen auch andere die Atmosphäre des Globe zu schätzen gelernt haben, wie der Radiosender EinsLive, der dort zwei Jahre sein „1Live Oktoberfestival“ veranstaltete und Begeisterung bei den prominentem Künstlern wie etwa Beatsteaks, Marteria und Cro hervorrief.

Und eine Bemerkung muss am Ende dieses Textes noch sein: Wer in London an der Themse nach dem Original sucht, der wird sicher nicht enttäuscht. Täglich finden Stücke statt und vor dem Globe sitzt – mit etwas Glück – ein echter Dichter, der dem Passanten Gedichte anbietet. Aber es ist keine Landmarke wie das Neusser Globe, es ist schwer in der Bebauung drumherum zu erkennen. Das Neusser Globe steht nicht am Rhein, ist aber freistehend. Es bietet eine tolle Festivalatmosphäre, bei der man die lauen Sommernächten genießen kann. Die künstlerischen Darstellungen, verantwortet von Festivalleiter Dr. Rainer Wiertz gehen eine Symbiose mit der liebevollen Gestaltung des Außenbereichs unter der Leitung von Charlotte Kons ein. Das Ambiente lädt die Zuschauer zum gemütlichen Pausenpicknick und angenehmen Verweilen nach dem Stück ein. Es ist einfach einzigartig, unser Neusser Globe.

Artikel von www.top-magazin.de/neuss