Freizeit

Tiger im Tank

Die Tigers gelten als Vorzeigemannschaft der TG Neuss. Pünktlich zum Saisonstart 2018/2019 bekommen die Zweitliga-Basketballerinnen Unterstützung von zwei neuen Spielerinnen aus den USA – und auch einen neuen Trainer gibt es obendrein.


 

Klaus Ehren ist die Ruhe in Person. Anderen Vereins- Geschäftsführern wäre sicher eine ge wisse Nervosität anzumerken, wenn zugleich zwei Neuzugänge wichtige Positionen innerhalb einer prestigeträchtigen Mannschaft bekleiden und dazu auch noch ein neuer Trainer die Geschicke lenkt. Nach mehr als sechs Jahren ist Janina Pils, die das Team in den Playoffs der vergangenen Saison begleitet hat, freiwillig auf Grund ihres anstehenden Referendariats ausgeschieden. Doch bekommt ihr Nachfolger, der Belgier Antoine Braibant, vorab ein gutes Zeugnis ausgestellt, dass Hoffnung macht. So zeigte sich die frühere Erstligistin Franziska Worthmann (33) als beste Spielerin der vergangenen Saison so überzeugt vom neuen Coach, dass sie Abwerbe- Versuchen eine Absage erteilte. Ein denkbar großes Kompliment.

 

„Kein Breitensport ohne Spitzensport!“

 

Für die beiden ausgeschiedenen Amerikanerinnen Briana Williams und Julia Duggan kommen zwei neue Landsfrauen – sonst bleibt innerhalb des Kaders alles beim Alten. Die beiden neuen Damen aus den Vereinigten Staaten sind Henrietta Wells – ihren 1,85 Meter Körperhöhe entsprechend zukünftig im Center für die Verteidigung zuständig – und Natalie Bastian, die als Point Guard den Angriff organisieren wird. Und das vermutlich mit dem notwendigen Biss. Denn genau darin liegt der Grund, wieso zwei US- Amerikanerinnen durch zwei US- Amerikanerinnen ausgetauscht werden: „Die Spielerinnen aus den USA gehen körperlich etwas härter zur Sache als die deutschen und sind oft die jenigen, die richtig Power machen“, erklärt Klaus Ehren und be stätigt, dass man sich davon durchaus eine gewisse Vorbildfunktion verspricht. Mit Talenten allein könne man auf dem Platz halt nicht auf Dauer bestehen. Entsprechend genau hat man sich die neuen Spielerinnen in einschlägigen Portalen auch an geschaut. Speziell hoch gewachsene und dabei auch bezahlbare Center sind eher die Ausnahme als die Regel. Wie gut sich die beiden Neuzugänge mit ihren Teamkolleginnen ergänzen, kann vor Redaktionsschluss freilich niemand beurteilen, doch am 8. September wird es ernst, wenn in Luxemburg mit dem Internationalen Turnier Alain Marchetti die erste Bewährungsprobe ansteht. Bis dahin werden die Beiden ein straffes Programm absolvieren: Unmittelbar nach ihrer Ankunft am 1. September stehen neben dem vier Mal wöchen tlichen Balltraining auch Fototermine, Ath letik- und Koordinationstraining, Fitness-Tests, Mannschaftsb esprechungen und Video- Analysen an. Unter vier- bis fünfhundert Ballwürfen pro Vor mittag werden die importierten Fachkräfte kaum wegkommen, dabei werden sie, wie der Rest der Mannschaft auch, vom Physio-Team der Neusser-Reha be treut. Auch beim Nachwuchstraining der recht erfolgreichen Junior Tigers werden die Damen tat kräftig anpacken.

Weiterhin können die Tigers zwei hoch interessante Zugänge aus Deutschland verkünden: mit Leonie Prudent und Britta Worms haben zwei ehemalige Erstliga- Spielerinnen für die kommende Saison zugesagt und werden das Team als „Forward“ und „Center“ unterstützen. Motiviert ist man jedenfalls bis unter die Haarspitzen – schließlich haben die Tigers eine durchaus tur bu lente Historie: In der Mitte der 1990er spielte die TG Neuss vorübergehend in der ersten Liga, ehe der Ab stieg in die dritte folgte und man sich schlussendlich unter Trainer Mathias Gierth wieder in die zweite zu rück kämpfen konnte. Einen Zwang, unbedingt in die erste Bundesliga aufs teig en zu müssen, empfindet Klaus Ehren aber nicht, wie er sagt: „Besser in der zweiten Liga oben mitspielen als in der ersten verhauen zu werden.“

Um ein Wunder auf dem Court zu vollbringen, fehlt es – das darf und muss eben auch gesagt werden – an der passenden Infrastruktur. Es gäbe in Neuss keine Halle, die die Vor gaben erfüllt, um den Aufstieg zu schaffen, so der Geschäftsführer. Und die An mietung einer Trainingshalle außerhalb der Stadtgrenze sei einfach nicht finanzierbar. In Sachen Neusser Sport zentrum, dessen Planung bis aufs Jahr 1989 zurückgehen, sei man aber „nah dran.“

 

Bei insgesamt rund 6.000 Mitgliedern sind bei der TG Neuss 250 Trainer tätig, darunter acht Hauptamtliche und seit dem 1. September auch ein FSJler. „Ohne Hauptamtliche würde so ein Verein heute gar nicht exis tieren können“, bekräftigt Ehren. „Grundsätzlich sehen wir uns auch eher als Sport-Dienstleister denn als typischer Verein.“ Vom positiven Image-Faktor der TG Tigers profitiert am Ende der ganze Verein (die Tischtennis-Spieler sind gerade in die Regionalliga aufgestiegen).

„Ohne Spitzensport würde diese Menge Breitensport einfach nicht funktionieren.“

Tipp: Wer die TG Neuss Tigers bei einem Heimspiel erleben möchte, sollte sich das Heimspiel gegen die Krofdorf Knights am 3. Oktober im Kalender vormerken (mit Meet & Greet).

Artikel von www.top-magazin.de/neuss