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Lebensart

Der lange Weg des Weihnachtsbaums

Spurensuche vom eigenen Wohnzimmer bis zum Kölner Zoo


Jedes Jahr bringt ein neuer Weihnachtsbaum festlichen Glanz in die deutschen Wohnzimmer – und jedes Jahr muss er wieder entsorgt werden. Aber wo kommen die Bäume eigentlich her und was passiert mit den alten Tannenbäumen? Erst einmal eine Einordnung: Auch wenn das bekannte Volkslied die grünen Blätter des Tannenbaums besingt, handelt es sich nicht immer um eine „Tanne“.

Seit vielen Jahren ist zwar die Nordmann-Tanne, eine skandinavische immergrüne Nadelbaum-Art, der beliebteste Weihnachtsbaum. Ebenfalls beliebt ist aber der umgangssprachlich Blau-Fichte genannte amerikanische Nadelbaum, der aus den Rocky Mountains im Westen der Vereinigten Staaten stammt – „die stechen allerdings – das tut die Nordmann-Tanne nicht“, erklärt Robert Selders, Geschäftsführer der Meerbuscher Garten Selders GmbH, die Beliebtheit des echten „Tannen baums“. Garten Selders produziert eigene Weihnachts bäume, ausschließlich Nordmann-Tannen – und zwar hier vor Ort, in Meerbusch selber. Die ersten Nordmann-Tannen aus eigener Produktion stehen nach zehn Jahren Wachsen dieses Jahr bereit, in einer stattlichen Höhe von bis zu zweieinhalb Metern.

Den restlichen Bedarf deckt Garten Selders dann mit Bäumen aus dem Sauerland – bis zu sechs Meter hoch sind die frisch geschlagenen Bäume, die Selders auf Wunsch auch aufstellt und dekoriert. „Alles aus einer Hand“ ist das Motto, das Geschäftsführer Selders hier ausgibt. Das Selbstaussuchen und „Selbstabsägen“ bei Selders machen Firmen und Familien zum ganz eigenen kleinen Event – denn Glühwein und Waffeln gibt es im Geschäft auch, und die Bäume wachsen nur wenige hundert Meter entfernt. „Frischer geht es nun wirklich nicht mehr“, betont Selders und versichert, dass die Bäume fast bis Karneval ihre Nadeln behalten.

Auf dem neuen Vorplatz von IKEA Kaarst, der sogenannten Plaza, bietet der schwedische Möbelhändler seine Bäume an. Auch IKEA verweist auf eine eigene Produktion – die Bäume stammen aus dem Spessart an der bayrisch-hessischen Grenze. Der dortige Betrieb hat 1920 mit dem Handel von Tannenreisig und Weihnachtsbäumen begonnen, da die schwachen Böden des Spessarts kaum anderen Ertrag brachten.

Der geschmückte Nadelbaum gehört inzwischen seit dem 19. Jahrhundert zur deutschen Weihnachtstradition und hat sich von hier aus über die ganze Welt verbreitet. Auf dem Neusser Markt steht der riesige städtische Weihnachtsbaum schon seit Mitte November. Und zum ersten Mal bringt die Zukunftsinitiative Innenstadt Neuss (ZIN) in diesem Jahr die grünen Gesellen in die Innenstadt – 130 Tannen hat sie aufgestellt! Alle Innenstadt-Quartiere beteiligen sich daran und viele Händler und Hausbesitzer haben „ihren“ Baum als Baumpaten geschmückt, wie bspw. der Quirinus-Kindergarten die Bäume der Münsterstraße oder die Spardabank.

So viel zum Thema Herkunft und Verwendung. Bei der Entsorgung wird es dann etwas unromantischer. Bei uns im Kreis gibt es ja keinen Zoo mit Elefanten. In Städten mit Zoo wie etwa in Köln wurden nicht verkaufte Weihnachtsbäume schon mal den dort ansässigen Dickhäutern zum Spielen überlassen – zumindest er-zählt sich das der Volksmund.

Aber selbst dann können nur einige wenige Weihnachtsbäume auf diese Weise verwertet werden. Bleibt also die Frage nach dem Verbleib der ausgedienten, ehemaligen Prachtstücke, die den weihnachtlichen Glanz in unsere Wohnzimmer gebracht haben. Am Ende ist es ganz einfach und banal, was mit ihnen geschieht – für die Entsorgungsbetriebe sind Weihnachtsbäume Grünabfall: Je nach Kommune werden sie der Kompostierung zugeführt und zu wertvollem Kompost verarbeitet oder im Rahmen einer thermischen Verwertung zur Energieerzeugung verwendet – in klaren Worten: Sie werden verbrannt. Insgesamt sind es in Deutschland rund 25 Millionen Weihnachtsbäume, die jährlich entsorgt werden müssen, schätzt der zuständige Entsorgungsfachverband BDE.

„In der Stadt Neuss wird die Anzahl der eingesammelten Nadelbäume nicht erfasst – wohl aber die Menge. Im Schnitt liegt diese im Rahmen der Tannenbaumabfuhr bei rund 125 Tonnen jährlich“, sagt Jürgen Scheer, Pressesprecher der Stadtwerke Neuss. Da kommt also eine ganze Menge zusammen.

In Neuss werden die Bäume in Neuss durch das städtische Unternehmen Abfall- und Wertstofflogistik Neuss GmbH (AWL) entsorgt. Sie werden in der ersten Woche nach Dreikönige abgeholt, am Tag der grauen Tonne. Achtung – die Bäume sollten abgeschmückt sein. Denn für die Bäume geht es dann zum Kompostwerk „Blauer Stein“ nach Korschenbroich, und der Kompost sollte doch sauber bleiben! Dafür fallen in Neuss keine Entsorgungs-gebühren an – genau wie bspw. auch in Dormagen oder Grevenbroich.

Auch wenn es schade ist, dass der Weihnachtsbaum so eine begrenzte „Lebenszeit“ im eigenen Wohnzimmer hat – er spendet doch Behaglichkeit und ohne ihn ist eine schöne Bescherung kaum vorstellbar. Lebende Weihnachtsbäume, die nach dem Fest im Garten weiterwachsen dürfen, konnten sich bisher leider nicht durchsetzen.

Artikel von www.top-magazin.de/neuss