Menschen

Josef Frings: Der rheinische Kardinal

In Neuss gibt es nur wenige Denkmäler, die an Persönlichkeiten früherer Zeiten erinnern, sagt Bernd Ramakers, Präsident der Josef Kardinal Frings-Gesellschaft. Um genau dies zu ändern, gründete sich vor zwanzig Jahren die Frings-Gesellschaft mit dem Ziel, dem Ehrenbürger der Stadt Neuss ein Denkmal in seiner Heimatstadt zu setzen.


Josef Kardinal Frings:
Seelsorger, Diplomat und Brückenbauer

Das Frings-Denkmal von Prof. Elmar Hillebrand an der Quirinus-Basilika ist ein Ergebnis dieser Bemühungen. „Doch uns wurde schnell klar, dass allein nicht genug ist, um das Andenken wach zu halten“. Nachdem dann auch die Südbrücke auf Initiative der Gesellschaft offiziell den Namen des Bischofs trägt, recherchierte Friedhelm Ruf zwei Jahre lang im Auftrag der Gesellschaft. Das Ergebnis ist ein über 500 Seiten umfassendes Buch über das Leben und Wirken des gebürtigen Neussers Josef Frings, das seit September 2015 in den Buchhandlungen ausliegt.

Alter Bischof mit modernen Erkenntnissen

Die erste Auflage war bereits nach wenigen Wochen vergriffen. Bücher über Frings gibt es einige, aber keins, in dem auch Neusser Zeitzeugen zu Wort kommen, die aufgrund ihres Alters natürlich immer seltener zu finden sind. „Das war für uns der Ansporn, uns der Sache möglichst zügig anzunehmen, um möglichst viele von Ihnen persönlich anzusprechen“, erklärt Ramakers. Das Werk zeige vor allem den Menschen, den Seelsorger und den Brückenbauer. 200 Seiten waren ursprünglich geplant, mehr als 500 sind es letztendlich geworden.


„Es gab zu vieles, was man nicht außer Acht lassen konnte.“ Bernd Ramakers ist der Ansicht, dass Frings‘ Thesen heute aktueller sind denn je.


Als 1955 der millionste Käfer vom Band rollte und zeitgleich die Babyquote sank, prägte Frings den Ausspruch: „Die Zukunft des Volkes hängt nicht von der Zahl der Kraftwagen ab, sondern von der Zahl der Kinderwagen.“

Fringsen gegen Hunger und Kälte

Josef Frings: Die Bischofsjahre des Kardinals, der in Neuss geboren und getauft wurde, reichten von den letzten Jahren des Nationalsozialismus bis zu den unruhigen Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Durch die Gründung der katholischen Hilfswerke „Misereor“ und „Adveniat“ wurde der Name des Kölner Kardinals in aller Welt bekannt.

Die Bischofsjahre des Kardinals, der in Neuss geboren und getauft wurde, reichten von den letzten Jahren des Nationalsozialismus bis zu den unruhigen Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Durch die Gründung der katholischen Hilfswerke „Misereor“ und „Adveniat“ wurde der Name des Kölner Kardinals in aller Welt bekannt.

Eine dieser Geschichten erzählt, wie der Kölner Erzbischof den Begriff „fringsen“ für „Mundraub begehen“ in der deutschen Sprache prägte. Die Bewohner in den ausgebombten Städten hatten kaum Essbares und erlebten noch dazu einen der kältesten Winter des 20. Jahrhunderts. Mehrere Hunderttausend holte der Tod. Angesichts dieses Elends hielt der Erzbischof seine berühmte Silvesterpredigt. Fortan hieß das Organisieren von Nahrung und Kohle „fringsen“.

„Wir werden so oft nach einem Auszug der Silvesterpredigt gefragt“, so Ramakers, der erfreut ist, dass der Predigttext jetzt im neuen Buch enthalten ist. Weil die erste Auflage des Buches bereits so schnell vergriffen war, hat der Bachem Verlag weitere Exemplare nachgedruckt. Das Buch ist zum Preis von je 29,90 Euro im Buchhandel erhältlich. „Den Schulen stellen wir je ein Exemplar kostenlos zur Verfügung, damit im Unterricht die Erinnerungen an das Leben und Wirken des Kardinals und Neusser Ehrenbürgers lebendig bleiben.

Zwischenzeitlich haben sich sogar schon Hochschulen und Institute bei uns gemeldet und um einem Vortrag über Frings gebeten“, so Ramakers.

Frings und Ratzinger stoßen Reform-Paket an

Dass Kardinal Frings eine wesentlich größere Rolle in der Kirche einnimmt als der Seelsorger und Brückenbauer, zeigt ein weiteres Kapitel, dass sich mit seiner Rolle im 2. Vatikanischen Konzil (1962-1965) beschäftigt, in dessen Verlauf er sich als Wortführer mit gestochen scharfen lateinischen Reden hervortat und eine tragende Rolle einnimmt. „Frings sorgte maßgeblich dafür, dass den Bischöfen mehr Mitspracherecht zukam, und brachte sich auch inhaltlich als bedeutender Mitgestalter des Konzils ein“, so Ramakers. An Frings Seite war der junge Professor Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., der die Texte für die Reden und Beiträge dem schon fast erblindeten Kardinal zulieferte.

Vorwort von Woelki

Das Vorwort zu dem umfassenden Werk schrieb Rainer Maria Kardinal Woelki, der nach Frings der zweite Kölner auf dem Bischofsstuhl ist. Beide stammen aus dem Rheinland und so hielt Woelki bei seiner Amtseinführung in Köln nicht nur den Petrusstab, sondern auch den Bischofsstab von Josef Kardinal Frings. „Das will mehr sein, als eine bloße Verneigung vor Josef Frings. Sein Stab gibt vor allem Auskunft über die Sendung und Aufgabe eines Bischofs“ sagte Erzbischof Kardinal Wölki bei seiner Antrittsrede.

Dass Frings nicht nur ein frommer, sondern auch ein herzlich-rheinischer Mensch war, zeigt eine Anekdote, nach der sein Sekretär ihn beim Schwimmen fragt, warum er nicht schneller schwimme und Frings antwortet:


„Wenn ich mich schneller bewege, schwimmen wir im Weihwasser!“


Sammlung im Museum

Auch wenn das Buch sicherlich einer der Höhepunkt der jüngsten Arbeiten der Kardinal Frings-Gesellschaft ist, geht es schon im Oktober weiter. Dann fahren Mitglieder und Interessenten nach Rom. Bei der Buchpräsentation im Neusser Zeughaus hatte der Kabarettist und „Berufsrheinländer“ Konrad Beikircher die Heiligsprechung von Josef Kardinal Frings gefordert. Wie der Römer Cato mit seinem immer wiederholten Satz, dass Karthago zerstört werden müsse, werde er, Beikircher, stets fordern, dass Kardinal Frings heiliggesprochen werden müsse. „Das ist ein langwieriger Prozess, aber wir wollen uns zumindest schon einmal kundig machen.“ Bis es soweit ist, stehen noch weitere Ideen auf dem Plan.

„Der Name Frings soll in Neuss nicht verblassen“

Das Neusser Grenadierkorps hat beschlossen, eine Kardinal Frings-Fahne fertigen zu lassen, die am 21. August im Rahmen des Promenadenfestes eingeweiht wird und dem Bischof einen festen Platz im Neusser Brauchtum einräumen soll. „Vorstellbar ist beispielsweise auch eine Sammlung von Erinnerungsstücken, die wir gerne im Museum ausstellen möchten. Wer das liest, ist herzlich eingeladen, uns Fundstücke und Hinterlassenschaften zu bringen. Wenn wir eine hübsche Sammlung zusammentragen, werden wir uns um eine ordentliche Präsentation bemühen“, so Ramakers. Denn eins steht fest: Der Name Josef Frings soll in Neuss auch in Zukunft nicht verblassen.

Eine lieb gewonnene Tradition in Neuss. Jedes Jahr fährt der amtierende Schützenkönig mit den Mitgliedern der Josef Kardinal Frings-Gesellschaft zum Grab des Neusser Bischofs.

Eine lieb gewonnene Tradition in Neuss. Jedes Jahr fährt der amtierende Schützenkönig mit den Mitgliedern der Josef Kardinal Frings-Gesellschaft zum Grab des Neusser Bischofs.

Artikel von www.top-magazin.de/neuss