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Mein Düsseldorf – Oberbilk

Manes Meckenstock zog vor fast 20 Jahren nach Oberbilk und hat diesen Stadtteil im Laufe der Zeit schätzen und lieben gelernt. Es ist die bunte Mischung, die das Quartier für ihn so spannend macht. Mit dem Top Magazin bummelte der Kabarettist „dörch sin Veedel“.


Donnerstags ist Wochenmarkt auf dem Lessingplatz: Als Heimat-Hirsch kaufe ich hier gerne regionale Produkte von rheinischen Bauern – und ne kleene Verzäll is uch immer drin.

 

Als ich vor 20 Jahren nach Oberbilk zog, erntete ich das volle Spektrum: von hilflosem Kichern bis mitleidigem Kopfschütteln. Und es fielen sofort vier Schlagwörter: Asi, Ausländer, Heino und Puff. Alle stimmen: Hier leben viele sozial schwache Menschen, der Ausländeranteil liegt bei 35 Prozent, Heino ist hier geboren und den Puff kennt jeder, der mit dem Zug nach Düsseldorf fährt. Mir war es egal: Ich wollte in der Nähe des Hauptbahnhofes wohnen, mein Auto abschaffen und ruhig wohnen. Als ich mein Haus im Hinterhof sah, wusste ich: Das ist es! Es war Liebe auf den ersten Blick. Und ich lebe gerne hier. Oberbilk ist ehrlich und einfach – kein Bussi-Bussi, kein Chichi. Man kann morgens ungekämmt zum Bäcker oder in Jogging-Hose zur Sparkasse gehen. Einen Blumen-, Käse- oder Weinladen sucht man vergeblich. Stattdessen Dönerhütten, Nagelstudios und Lebensmittelhändler mit frischem Angebot – und so kommen für das günstige Thunfisch-Steak oder Kalbsfilet sogar die schicken Damen mit Kaschmirpullöverchen aus Oberkassel in die Lessingstraße. Weil die Mieten (noch) bezahlbar sind, gibt es hier noch schräge Läden: wie einen für Vinylplatten, einen für Modell-Eisenbahnen oder wie das alternative Niemandsland mit bioveganem Mittagstisch und Umsonstladen. Künstler haben hier ihre Ateliers in den Hinterhöfen, wie zum Beispiel der Bildhauer Bert Gerresheim auf der Hüttenstraße. Oberbilk ist sich trotz aller Veränderungsversuche stets treu geblieben: ob U-Bahn-Bau, das Verwaltungsviertel hinter dem Hauptbahnhof oder die Bundesgartenschau – was immer sich die Planer ausdenken, die Bewohner nehmen es fast schon gleichgültig hin. Vom Amtsgericht auf der Werdener Straße, ein erlesen hässliches Verwaltungsgebäude, hatte sich die Stadt eine Anhebung des Niveaus im Viertel erhofft: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Neugestaltung des Oberbilker Marktes irritierte viele Anwohner – mein Gemüsehändler brachte es auf den Punkt: „Beirut ist schlimmer!“

Das Viertel hat auch eine Kö, nämlich die „Kö“lner Straße. Hier hat sich die Stadt erst an deren Neugestaltung gemacht, als die U-Bahn-Bauarbeiten schon längst abgeschlossen waren. Trotzdem ist es eine lebendige und laute Einkaufsmeile geblieben, in der man einfach und preiswert alles für den täglichen Bedarf bekommt, nur nichts Besonderes. Läuft man über diese Kö, wird einem bewusst, dass 150 verschiedene Nationen in diesem Stadtteil leben. Und die trifft man alle am Wochenende bei schönem Wetter im Südpark wieder, wo auf den großen Wiesen gegrillt, gespielt, getrommelt oder gedöst wird – eine wunderschöne Grünanlage, die lebt. Und genau das macht Oberbilk für mich so spannend: Es ist lebendig, quirlig, so herzerfrischend schräg. Normal und langweilig kann jeder.

 

 

 

 

„Als ich dieses Häuschen im Hinterhof gesehen habe, wusste ich sofort – hier will ich leben: eine ruhige und grüne Oase mitten im Zentrum.“

 

 

 

 

„Oberbilker Bürger und Sponsoren gönnten sich dieses Denkmal vor der Josefkirche: ein Monument des Bildhauers Bert Gerresheim, um die wechselvolle Geschichte des Stadtteils darzustellen.“

 

 

 

 

„Ein Kurzurlaub in Vietnam geht immer: Wirtin Tram vom Chi-Bay auf der Oberbilker Allee macht es mit viel Herzlichkeit und hervorragender authentischer Küche möglich.“

 

 

 

„Runterkommen leicht gemacht: Der Volksgarten wurde 1987 im Rahmen der Bundesgartenschau auf 70 Hektar erweitert und zum riesigen Südpark umgestaltet – der grüne Gegenpol zum dicht besiedelten Stadtteil.“

 

 

 

 

„Konkurrenz belebt das Geschäft: Auf der einen Seite der Lessingstraße Metzgermeister Uwe König mit seinen deutschen Produkten, auf der gegenüberliegenden Seite sein marokkanischer Kollege. Tradition und Moderne – beides auf höchstem Niveau.“

 

 

 

 

 

 

„Der Bahndamm-Puff: der erste Eindruck von Düsseldorf, wenn man mit dem Zug aus dem Süden zum Hauptbahnhof fährt. Die Mitarbeiterinnen präsentieren ihre verpackte Ware in rotbeleuchteten, nummerierten Fenstern. Ein echter Hingucker! “

 

 

 

 

„Das Byblos ist für mich das beste libanesische Restaurant der Stadt. Von der Atmosphäre bis hin zum Essen – hier stimmt einfach alles. 1001 Nacht an einem einzigen Abend.“

 

 

 

 

„Badr Haddad und sein Grilladine am Dreiecksplätzchen. Hier kann man Marokko von seiner lukullischen Seite kennenlernen: lecker, bezahlbar und ohne Alkohol. Maghreb von der angenehmsten Seite!“

 

 

 

 

„Tüll-Träume und Krinolinen-Kleider auf der Kölner Straße. Mit dieser Gala-Garderobe entzückt Bajrami die meisten Mädels: von der arabischen Braut bis zur Oberbilker Schützenkönigin.“

 

 

 

 

 

 

„MonDieu auf der Eisenstraße macht großen Spaß: Olivia Zelosko verleiht mit Farbe und Pfiff alten Trödelschätzchen neuen Glanz. Kreativer geht’s nicht mehr – größte Empfehlung!!!“

 

 

 

 

 

 

„Seit 1902 und vier Generationen gilt Schäfer Einrichtungen auf der Kölner Straße zu Recht als der Fachbetrieb für exklusives Wohnen in Düsseldorf. Mit Herz, Hirn und Handwerk setzt das Team jegliche Wünsche um. Ein fühlbares Fest für die Sinne. Einlass nur nach Terminvereinbarung!“

 

 

 

 


Manes Meckenstock wurde am 13. Mai 1961 in Düsseldorf geboren und wuchs in Flingern auf. Nach dem Abitur studierte er Verwaltungsrecht und arbeitete anschließend als Frisör und Maskenbildner. Ein Haarkunde empfahl ihn 1990 wegen seiner prägnanten Stimme an den Hörfunk. Der große Erfolg seiner satirischen Kolumne „Kapaftisch!“

bei Antenne Düsseldorf führte zu einem ersten Engagement im Düsseldorfer Kom(m)ödchen. Dort sah ihn Bettina Böttinger und verpflichtete ihn zum WDR. Bundesweit bekannt wurde Meckenstock durch die WDR-Unterhaltungssendung „Zimmer frei“. 15 Jahre lang führte er als Außenreporter durch die Wohnzimmer der prominenten Gäste. 2011 wechselte Meckenstock zum Regionalsender center.tv Düsseldorf, wo er bis zu dessen Schließung im Dezember 2017 ein monatliches Sendeformat bekam: „Manes up Jück“. Seine Hörfunksendung „Kuckuck“ bei Antenne Düsseldorf moderiert er weiterhin einmal monatlich. 2005 eröffnete er das Gasthaus Meckenstocks mit angeschlossener Kleinkunstbühne: das Haus der Freude. 2015 zog Meckenstock sich aus der Gastronomie zurück und tritt seitdem als Unterhaltungskünstler auf den Aida-Kreuzfahrtschiffen auf. 2004 gründete Meckenstock den gemeinnützigen Kulturförderverein „Himmel & Ähd e.V.“, – für den er Veranstaltungen anbietet. Seit 2005 organisiert und moderiert er Benefiz-Versteigerungen für verschiedene Vereine, seit 2010 einen Weihnachtsmarkt, dessen Erlöse an gemeinnützige Institutionen gehen. Für sein soziales Engagement bekam Meckenstock im November von OB Thomas Geisel den Martinstaler der Landeshauptstadt verliehen.

Artikel von www.top-magazin.de/duesseldorf