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Frauen agieren oft zu bescheiden

Die dermatologischen Produkte von Galderma sind weltweit erhältlich in über 80 Ländern. Marion Bock ist als Geschäftsführerin verantwortlich für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Im Top Interview schwärmt sie von den neuen kreativen Büroräumen im Le Flux, im Quartier Central, und erklärt, warum sie von der Frauenquote nichts hält.


Marion Bock, Geschäftsführerin Galderma Deutschland

 

Top Magazin: Sie sind seit 2013 Geschäftsführerin der Galderma Laboratorium GmbH in Düsseldorf, einem der führenden Hersteller dermatologisch wirksamer Präparate in Deutschland. Was reizt Sie an Ihrer Aufgabe?

Marion Bock: Es ist vor allem die Vielfalt, die mich reizt. Wir können in der Hautpflege und der Behandlung von Hauterkrankungen alles anbieten, was die Menschen  – vom Kleinkind bis zum Senior – brauchen: vom Consumer-Bereich über ästhetische Präparate bis zu verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Dabei habe ich mit verschiedenen Fachgruppen zu tun, vom Konsumenten und Patienten, über Apotheker bis zu Dermatologen, das macht meine Aufgabe wahnsinnig spannend.

Das Unternehmen hat gerade kreative Büroräume im Le Flux im Quartier Central bezogen. Was zeichnet das neue Office aus?

Le Flux ist eine französische Umschreibung für „alles ist im Fluss“. Und das streben wir auch an: Agilität. Klassische Pharmaunternehmen wie wir sind doch eher seriös und konservativ geprägt. Der Umzug sollte frischen Wind bringen, die Teams aufbrechen. Die neue Open-Space-Kultur und ein innovatives Meeting-Ambiente fördern den kreativen Austausch. Thinktanks bieten Rückzugsmöglichkeiten, wenn man in Ruhe arbeiten will. Das alles in hellen, frischen Farben. Der Umzug hat sich absolut gelohnt, wir sind sehr happy hier.

Welches sind die drei wichtigsten Eigenschaften, die für eine Frau in Führungspositionen unabdingbar sind?

Da mache ich grundsätzlich keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Unabdingbar sind die drei V. Da wäre zum einen die Vorbildfunktion. Es ist vielleicht nicht jedem so bewusst, welche Wirkung man eigentlich als Führungskraft hat. Wie man sich bewegt, wie man schaut, was man sagt – alles wird kritisch unter die Lupe genommen. Als Manager sollte man immer Gelassenheit und Zuversicht ausstrahlen. Verantwortung übernehmen, ist auch ganz wichtig. Es gibt immer gute Gründe, warum etwas schiefläuft, aber vor der Verantwortung darf man sich nicht drücken. Und gegenseitiges Vertrauen – einerseits in die Fähigkeiten der Mitarbeiter und viceversa. Die Mitarbeiter müssen sich auch auf die Geschäftsleitung verlassen können. Wenn die Vertrauensbasis stimmt, dann ist auch die Arbeitsatmosphäre offen und produktiv.

Können Sie gut delegieren?

Auf jeden Fall. Ich bin jemand, der Aufgaben gut abgeben kann. Nur wenn etwas nicht klappt und meine Unterstützung nötig ist, möchte ich gerne frühzeitig informiert werden, nicht erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Ich selbst bin auch gewachsen an großen Aufgaben.

Auf welche Erfolge sind Sie besonders stolz?

Stolz ist nicht das richtige Wort, ich würde es eher zufrieden nennen. Die Geschäftsentwicklung der Galderma in meinem Verantwortungsbereich Deutschland, Österreich und Schweiz ist sehr positiv. Wir befinden uns in einem hart umkämpften Markt und bewegen uns unter den Top-Five-Playern in der Dermatologie. Wir haben nicht die Mittel eines Pharma-Großkonzerns, aber dafür schlagen wir uns recht gut. Wir sind in einigen Teilbereichen Marktführer.  Was uns auch freut: Die  Mitarbeiter-Fluktuation ist innerhalb des Konzerns eine der niedrigsten weltweit.

Was ist derzeit die größte Herausforderung?

Es gibt eigentlich permanent Herausforderungen. Wir bewegen uns sowohl bei den Consumer Goods als auch im Arzneimittelbereich auf hart umkämpften Märkten, mit sehr vielen lokalen und internationalen Mitbewerbern. Da ist es wichtig, sich auf die Marken zu fokussieren, mit denen man sich klar von der Konkurrenz abgrenzen kann. Hinzu kommt, dass in unserem Konzern immer viel in Bewegung ist, es wird entweder gekauft, fusioniert und dann integriert und auch wieder abgestoßen. Da ist Flexibilität gefragt.

Wie gehen Sie mit Kritik um?

Kritik muss immer sachlich formuliert sein, darf nie persönlich und emotional werden, das ist die Grundvoraussetzung. Dann kann ich sehr gut damit umgehen. Das fordere ich ein und versuche es aber auch selbst so umzusetzen. Konstruktive Kritik kann einen nur weiterbringen und öffnet den Blickwinkel. Aber positives Feedback halte ich für mindestens genauso wichtig.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Unser Führungsstil generell hier im Unternehmen und dadurch auch meiner ist kollegial mit klaren Zielvorgaben. Meine Devise ist: K.I.S.S – keep it simple and short. Sei klar in dem, was Du sagen möchtest. Erzähl nicht lange, was schief gelaufen ist, sondern erkläre kurz das Problem und biete eine Lösung. Das Ganze auf der Basis gegenseitiger Wertschätzung.

Was tun Sie für Frauen im Management?

Ich sehe persönlich keinen Bedarf, zwischen Frauen und Männern zu unterscheiden und halte auch nichts von der Frauenquote.  Wenn Leistung, Skills und Sozialkompetenz stimmen, hat jeder die Chance, Top-Positionen zu erreichen. In unserem Unternehmen sind 63 Prozent der Mitarbeiter weiblich, davon sind 26 Prozent in Führungspositionen. Ich halte Visibilität im Unternehmen für sehr wichtig. Ich stelle immer wieder fest, dass Frauen sich zum Beispiel bei Präsentationen gerne zurückhalten und Männern den Vortritt lassen. Nur, wenn man sich zeigt, wird man auch wahrgenommen.

Haben Sie im Laufe Ihres Berufslebens festgestellt, dass Frauen über besondere Stärken und Schwächen verfügen?

Frauen können gut zuhören, das ist eine große Stärke. Die Schwäche ist, wie gerade schon erwähnt, dass sie oft zu bescheiden agieren.

Was geben Sie Berufseinsteigerinnen mit auf den Weg?

Klare Ziele zu haben ist gut, aber man muss auch offen für die Opportunitäten sein. Authentisch zu sein ist wichtig, genauso wie die Fähigkeiten, für die man steht, auch einzubringen. Und sich unbedingt melden, wenn es um Sonderprojekte geht. Im Leben muss man Herausforderungen annehmen, auch wenn man sie sich nicht wirklich zutraut, so können sich neue Karrieremöglichkeiten ergeben.

Wie entspannen Sie am besten nach einer arbeitsreichen Woche?

Schön essen gehen – dabei kann ich herrlich entspannen. Düsseldorf bietet eine große Auswahl an Restaurants, mein Mann und ich probieren immer wieder gerne was Neues aus. Ich mag grundsätzlich Begegnungen mit Menschen, auch außerhalb meines Berufes, zum Beispiel auf Events, das kann ungemein bereichern.

Womit kann man Ihnen eine Freude machen?

Auch wenn ich beruflich viel unterwegs bin, liebe ich Kurztrips. Ein Wochenende am Meer, in einer interessanten Stadt oder in einem Hotel mit einem schönen SPA – da freue ich mich immer drüber.

Wenn Sie so gerne verreisen – gibt es diesbezüglich noch einen Traum, den Sie sich gerne erfüllen würden?

Ich würde sehr gerne mal wieder Urlaub in der Karibik oder auf den Malediven machen, mit viel Sonne, in schöner Natur, mit lieben und entspannten Menschen, ganz casual. Und ohne Handy! So lange ich beruflich so engagiert bin, ist das leider noch nicht möglich, ich muss in meiner Position aktuell auch im Urlaub erreichbar sein.

In welcher Stadt würden Sie gerne alt werden?

Ich bin beruflich schon viel rumgekommen, ich habe in London gelebt, in Paris eine Filiale aufgebaut, Ost-Europa fünf Jahre lang betreut und war durch diverse Dienstreisen häufig in den Benelux-Ländern und Japan unterwegs. Mein Mann und ich fühlen uns aktuell in Düsseldorf sehr wohl. Ich schätze die Offenheit hier, die Kompaktheit, die Herzlichkeit der Menschen. Nichtsdestotrotz schlägt mein Herz für meine Heimat München: Die bayerische Gelassenheit, die Berge, die Seen, die Nähe zu Italien – das ist unschlagbar. Aber man ist ja schnell mit dem Flieger oder dem Zug da.

 

 

Marion Bock im Gesprach mit Ulrike ter Glane (Top Magazin)
Artikel von www.top-magazin.de/duesseldorf