Kultur

Heart for Art

Kreativ und erfolgreich – es gibt so viele tolle Frauen in Düsseldorf, die mit Lust und Leidenschaft, Verstand und großen Visionen die Kunst-Szene der Stadt bewegen. Hier kommt die Fortsetzung der Geschichte aus der letzten Ausgabe des Top Magazins.


Sammlerin Julia Stoschek

 

Dr. Petra Schäpers, Auktionshaus Dorotheum

Die Düsseldorf-Repräsentantin des Wiener Auktionshauses Dorotheum wollte ursprünglich Modedesignerin werden. Doch dann erkannte Dr. Petra Schäpers selbstkritisch ihr mangelndes Zeichentalent und studierte stattdessen Kunstgeschichte, Romanistik und Archäologie. „Ein Bauchgefühl brachte mich zur italienischen Sprache. Seitdem hat mich das Land nie mehr losgelassen“, erzählt sie. Nach dem Studium bewarb sie sich an Museen, landete aber durch eine Fügung („Zufälle gibt es nicht!“) bei der Kölner Galerie Karsten Greve. Dort entstand auch ihre Leidenschaft für die Zeitgenössische Kunst, die sie heute beruflich ausleben kann. Petra Schäpers ist nicht nur Repräsentantin für das Dorotheum, sondern vor allem Expertin für Moderne und Zeitgenössische Kunst. „Der eigentliche Kunsthandel lag mir zunächst fern. Wenn man von der Uni kommt, träumt man ja von höheren Weihen“, sagt sie. „Aber ich merkte schnell, dass mich der Handel mit Kunst mehr interessiert als die Wissenschaft und dass er mir auch viel mehr Spaß macht“, erinnert sich Petra Schäpers. Die Vielfalt im Auktionshaus reizt sie nach 20 Jahren Berufserfahrung noch genauso wie am ersten Tag. „Ob ein Hauptwerk von Achenbach oder eine Jugendstilbrosche, es ist jedes Mal schön und spannend, diese Objekte in der Hand zu haben.“ Im Sommer, wenn im Dorotheum keine großen Auktionen durchgeführt werden, kümmert sie sich um die Akquise. Dabei zahlt sich ihre exzellente Vernetzung aus. „Schließlich ist es eine sehr persönliche Sache, wem man seinen Besitz anvertraut“, weiß sie. Das lebendige Umfeld des Auktionshauses gefällt ihr.

„Der Ursprung für die Kunststadt Düsseldorf ist die Akademie, ein inspirierender Schmelztiegel.“

 

Die Düsseldorfer Kunst-Szene ist sehr vielfältig

Isabelle von Rundstedt, Rundstedt Contemporary

Auch Isabelle von Rundstedt hat eine enge Verbindung zur Kunstakademie – den gemeinsam entwickelten „Kunstförderpreis“, der alle zwei Jahre vergeben wird, vorwiegend an Studenten. Das Projekt passt zu ihr. Die Kunsthistorikerin unterstützt junge Talente und eröffnet ihnen die Möglichkeit zu einer Ausstellung. Dafür hat sie in der Familienfirma von Rundstedt (Outplacement-Beratung, Headhunting) eine hauseigene Galerie aufgebaut, ermuntert durch die Worte ihres Schwiegervaters: „Wir haben so lange weiße Flure, wollen wir nicht ein paar Poster kaufen?“ Diese Schmalspur-Variante kam für sie nicht in Frage. „Dann lieber junge Kunst“, entschied sie. Seitdem konzipiert sie jährlich mindestens drei Einzel- oder Gruppenausstellungen, die nach Anmeldung jedem zugängig sind. An einschlägiger Erfahrung mangelt es Isabelle von Rundstedt nicht. Schon mit sieben durfte sie mit ihrer Mutter zur Tefaf nach Maastricht. Und von da an jedes Jahr. „Ich fand das spannend“, erzählt sie, „genau wie unsere Besuche in der Galerie im Ratinger Tor. Hete Hünermann war eine Freundin meiner Mutter.“ Isabelle spürte früh eine starke Liebe zur Kunst. „Zeichnen konnte ich nicht, aber ich besorgte mir Bilder und Bücher, die das ausdrückten, was in mir vorging.“ Auf dem Internat in England träumte sie von einer Karriere in der Hotellerie. Zunächst ging sie als Aupair nach Paris, ergatterte ein Praktikum beim renommierten Antiquitätenhändler Kugel und merkte: „Das ist ja noch viel schöner als ein Hotel!“ Sie studierte Kunstgeschichte, schnupperte bei „Sotheby‘s“ in London rein, machte ihren Bachelor und Master am Courtauld Institute of Art und schob ein Wirtschaftsstudium an der London School of Economics nach. Weitere Stationen in England: das Art Loss Register (eine Suchdatei für verschollene oder gestohlene Werke) und die Versicherung Axa Art. Danach wechselte sie als Assistentin in die Münchner Galerie Thomas und zog dann mit ihrem Mann nach Düsseldorf. „Wir sind nicht London, Paris oder Berlin, haben nicht das reisende Publikum der Metropolen“, sagt sie. „Aber es wird viel geboten, und mit den Neubesetzungen in den Museen kommt richtig Fahrt auf.“ Paris, das muss sie dann doch noch loswerden, habe sie am meisten inspiriert: „Das Licht! Die Sprache! Die Kultur! Das Essen!“ Isabelle von Rundstedt ist Mutter von drei Kindern und lebt in Meerbusch. Seit Juni betreut sie das Alte Küsterhaus in Büderich, organisiert auch dort Ausstellungen. Und hat noch mehr vor:

„Ich werde mir den lang gehegten Wunsch meiner Promotion erfüllen.“

 

Kulturförderung der besonderen Art

Der Name Julia Stoschek entfacht Strahlkraft weit über Düsseldorf hinaus. Mit ihrer 2007 gegründeten „Julia Stoschek Collection“ für Video- und Medienkunst erregte sie bundesweit Aufsehen. Im Fokus standen dabei immer auch ihre Herkunft aus einer begüterten Industriellen-Familie und ihre auffallende Erscheinung  – kein Artikel, der ihre Schneewittchen-Schönheit nicht hervorhob. So mancher mag ihr ehrgeiziges Projekt anfangs als Hobby einer reichen Tochter eingestuft haben. Alles Schnee von gestern. Julia Stoschek hat sich in der Kunstwelt mit Spürsinn und hoher Energie behauptet, nicht umsonst wird sie von Freunden „der Vulkan“ genannt. Was mit „Number One“ begann, lässt sich heute mit 15 Ausstellungen und acht internationalen Kooperationen bilanzieren. 100.000 Besucher strömten bisher in die Oberkasseler Schanzenstraße und hoffen, die private „Julia Stoschek Collection“ möge ihre Heimstatt auf Dauer behalten. Denn inzwischen mischt die engagierte Visionärin die Berliner Szene mit einer zweiten Galerie auf und wird in der Hauptstadt auf Händen getragen. Ihre Liebe zum Rhein und zu ihrem phantastischen Ausstellungshaus hat Julia Stoschek stets betont. Doch gelegentlich sickert durch, dass sie sich in den zehn Jahren etwas mehr Unterstützung von der Stadt erhofft hätte, wo sie doch mit ihrer Sammlung eine besondere Art der Kulturförderung betreiben würde. Die aktuelle Düsseldorfer Jubiläumsschau „Generation Loss“ kuratierte der britische Künstler Ed Atkins (bis 29. Juli, sonntags 11 bis 18 Uhr, Eintritt frei).

„Auf relativ kleinem Raum wird in Düsseldorf eine enorme Vielfalt geboten.“

 

Klein, aber fein: das KIT

Gertrud Peters, KIT

Selber Kunst zu machen, interessierte Gertrud Peters nie. Wohl aber der Blick, mit dem Künstler die Welt betrachten. Die Gelegenheit dazu ergab sich für die Mönchengladbacherin sehr früh  – durch Freunde an der Düsseldorfer Akademie. „Diese nicht alltäglichen und der bürgerlichen Norm nicht immer entsprechenden Menschen faszinierten mich seit jeher“, sagt sie. Später konnte sie ihre Eindrücke in einer Kölner Galerie vertiefen, die damals Künstler wie Katharina Fritsch und Andreas Gursky vertrat. Gertrud Peters (die früher zeitweise als Journalistin für die Rheinische Post arbeitete) blieb der Szene, die sie begeisterte, immer treu. Heute leitet sie den Ausstellungsraum KIT. Die drei Buchstaben stehen für „Kunst im Tunnel“, was wörtlich zu nehmen ist. Nach dem Bau der Rheinpromenade blieb ein unterirdischer Raum übrig, den die Stadt 2007 umgestaltete und seitdem für Ausstellungen nutzt. Darüber befindet sich das KIT Café & Bar. Gertrud Peters betreut das KIT seit Anbeginn, ist verwalterisch mit der Kunsthalle verquickt, kann aber eigenständig inhaltliche Schwerpunkte setzen. „Junge Künstler zu fördern und ihnen den Weg zu ebnen, ist meine größte Leidenschaft“, erzählt sie. „Dafür brenne ich.“ Oft kämen sie hier zum ersten Mal mit einer Institution in Berührung und müssten lernen, einen Katalog zu erstellen. „Der ist gerade am Anfang sehr wichtig“, betont Gertrud Peters. „Wir haben da gute Arbeit geleistet, die auch Früchte trägt.“ Das KIT ist zwar klein, aber international recht bekannt. Es wurde sogar im „New York Magazine“ vorgestellt. „Erst kürzlich drehte ein koreanisches Fernsehteam einen Film über uns“, berichtet Gertrud Peters, die etwa vier Ausstellungen im Jahr organisiert und dabei enge Beziehungen zur Kunstakademie pflegt. Derzeit läuft „Honey“ von Natalie Häusler, angesiedelt zwischen Sprache und bildender Kunst. Basis ist ein französisches episches Prosagedicht über einen Traum, der in einem geheimen Lustgarten spielt. Mit der Düsseldorfer Kulturszene ist Gertrud Peters zufrieden, kleine Warnung inklusive.

„Wir müssen aufpassen, dass wir keine Sportstadt werden, sondern weiterhin Kunststadt bleiben.“

 

Erfolg als Vermittlerin von Kunst

 

Anka Grosser arbeitet im Museum Folkwang in Essen und lebt in Düsseldorf.

Arbeiten in Essen, leben in Düsseldorf, aber immer ganz nah an der Kunst. Anka Grosser ist Kommunikations- und Marketingleiterin im Museum Folkwang, verantwortet alle Maßnahmen und Strategien in diesem Bereich und kümmert sich um das Sponsoring. Mit ihrem Mann Prof. Christoph Meyer, dem Intendanten der Rheinoper, wohnt sie in Oberkassel und ist über Künstlerfreunde bestens vernetzt in der hiesigen Szene. „Ein derart großartiges Pflaster, wo auf engem Raum so viele etablierte und junge Künstler zu finden sind, muss man wirklich suchen“, sagt sie. „Düsseldorf ist offen, organisch, lebendig, dazu überschaubar und nahbar. Im Zusammenspiel mit den umliegenden Städten ergibt sich eine einzigartige Museums-Landschaft, in die wir eintauchen, so oft wir können.“ Die Folkwang-Sammlung sei Weltklasse und einer der schönsten Plätze überhaupt. Anka Grosser versteht sich als Vermittlerin von Kunst. Im Zuge der Öffnung des Hauses und seiner Verankerung in der Stadtgesellschaft versucht sie mit viel Enthusiasmus neue Partner zu gewinnen. „Mein Wabennetz arbeitet sternförmig, die Zukunft gehört der Kooperation“, sagt sie. „Ein Thema hat mich dabei immer bewegt – wie verbinde ich die beiden Welten Kultur und Wirtschaft? Sie sind nur vordergründig gegensätzlich. Für mich liegen sie dicht beieinander und befruchten sich gegenseitig.“ Auf diesem Gebiet verfügt Anka Grosser über das nötige Rüstzeug und eine breite Erfahrung. Sieben Jahre arbeitete sie für die Großbank Credit Suisse in Zürich, betreute auch hier das Sponsoring, organisierte internationale Projekte mit Partnern wie dem Bolschoi-Ballett oder den Salzburger Festspielen und fand die Verquickung mit der Kultur ungeheuer spannend. Davor absolvierte sie eine Reihe unterschiedlicher beruflicher Stationen. Die Hamburgerin hatte Publizistik und Germanistik in Berlin studiert, war Kultur-Journalistin beim Deutschland-Radio, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit an der Komischen Oper und später Geschäftsführerin bei einer PR-Agentur. „Eine bereichernde Zeit“, sagt sie rückblickend. „Zur Musik kamen Kunst, Architektur, Design und Literatur.“ In der Schweiz studierte sie später ein zweites Mal und machte an der ETH Zürich ihren „Master of Advanced Studies in Management, New Technology and Economics“.

 

 

 

 

Artikel von www.top-magazin.de/duesseldorf