Lifestyle

Gewerbepark mit urbanem Charme

Das Spektrum des Areals Böhler ist enorm – es reicht von kleinen Handwerksbetrieben und Manufakturen über ein hochmodernes 3-D-Druckverfahren bis zur begehrten Event-Location.


Mit der Verarbeitung von Stahl fing alles an. Der Werkstoff spielt hier noch immer eine Rolle, nur die einstigen Hochöfen sind verschwunden.

 

Wenn über das Areal Böhler berichtet wird, geschieht das häufig im Zusammenhang mit spektakulären Veranstaltungen für ein großes Publikum. Trend-Messen wie „Gallery Shoes“, „VeggieWorld“, „Eat & Style“, „Cyclingworld“ und seit 2017 das auf Anhieb erfolgreiche Kunstforum „Art Düsseldorf“ haben sich unter den denkmalgeschützten Dächern der alten Industriehallen einen perfekten Rahmen ausgeguckt. Zu den begehrten Modeschauen von Breuninger bei der „Fashion Platform“ und den monatlichen Treffen „Düsseldorf IN“ strömen regelmäßig prominente Gäste aus Showbusiness, Wirtschaft und Gesellschaft.

Bei so viel öffentlicher Aufmerksamkeit kommt die eigentliche Bedeutung des Areals Böhler bisweilen etwas zu kurz. „Wir sind nicht in erster Linie eine Partylocation, sondern ein gut funktionierender Gewerbepark“, stellt Patric Gellenbeck klar. Mit knapp 180 Mietern seien die Nutzflächen von 133.000 Quadratmetern derzeit zu 100 Prozent ausgebucht, berichtet der Manager für Events, Vertrieb und Marketing. Er verweist auf das breite Spektrum, das dem Gelände an der Stadtgrenze von Düsseldorf und Meerbusch urbanes Leben verleiht. Kleine Handwerksbetriebe, Künstlerateliers und Holzmanufakturen besetzen hier ebenso ihre maßgeschneiderte Nische wie große Unternehmen – etwa ein Unternehmen für die Werkstoffprüfung für die Flugzeug- und Automobilindustrie oder das Fitnessstudio „Athletenschmiede“, wo auch Fortuna-Kicker trainieren.

 

Die imposanten Hallen werden mit ihrem industriemusealem Flair gern für Großveranstaltungen und Messen genutzt.

 

Eine besondere Bedeutung fällt dem hochmodernen 3-D-Druckcenter zu. Dort werde mit Pulver aus Edelstählen gearbeitet, erzählt Patric Gellenbeck: „Der Werkstoff Stahl spielt immer noch eine große Rolle, nur hat er sich von der Produktion zur Verarbeitung und Bearbeitung gewandelt. Ohne die früheren Hochöfen wird er hier bearbeitet, beschichtet und gehärtet.“ Ein Brückenschlag zu den Anfängen des heutigen Areals, die über mehr als 100 Jahre zurückreichen. 1915 begann die Firma Böhler damit, Stahl zu kochen. Mit dem Ende der Produktion in den 90er Jahren überlegte man, ob die Hallen abgerissen oder umgewidmet werden sollten. Zum Glück blieben sie erhalten und wurden einer Gewerbevermietung zugeführt. Als Erster zog 1999 der Großcaterer Broich ein. „Ab der Jahrtausendwende wehte ein frischer Wind durch die alten Gebäude“, sagt Patric Gellenbeck. „Nach und nach wurden sie restauriert und auf zeitgemäße Anforderungen ausgerichtet. Aber so behutsam, dass ihr Charme nicht verloren ging.“

 

Wer Industriekultur mit authentischer Atmosphäre zu schätzen weiß, fühlt sich auf dem Areal Böhler bestens aufgehoben.

 

Der jetzige Eigentümer des Areals, der österreichische Stahl- und Industriegüterkonzern Voestalpine (mit weltweit 40.000 Mitarbeitern und neuen Technologien im Fokus), kaufte die einstige Marke Böhler-Uddeholm auf, behielt den Namen Böhler trotzdem bei – aus Respekt vor der langen Historie. Die Voestalpine Edelstahl Deutschland GmbH belegt rund die Hälfte der Flächen und vermarktet das gesamte 230.000 Quadratmeter große Grundstück. Ins Team von Standortleiter Herbert von Seezen sind zwölf Mitarbeiter eingebunden: Architekten, Bauleiter, Eventmanager, Administration, Netzwerktechnik. Die Anmutung eines sterilen Technologieparks konnte man dank der umsichtigen Mischung der Mieter vermeiden. „Es kommt ganz entscheidend darauf an, dass sie stimmt“, sagt Patric Gellenbeck. „Nur Künstlerateliers und kleine Läden auf dem Gelände zu betreiben, würde der Wirtschaftlichkeit nicht gerade dienen.“

 

Im Portfolio des Areals Böhler befinden sich sechs unterschiedliche, mit modernster Technik ausgestattete Locations.

 

Mit der Erfolgsgeschichte des Gewerbeparks und dem beeindruckend gelungenen Strukturwandel geht auch die rasante Entwicklung des Stadtteils Heerdt einher. Mag sein, dass hier das Areal Böhler eine Art Pionier war und einen bedeutenden Anschub leistete. „Eine spannende Ecke, in der sich sehr viel tut“, bestätigt der Eventmanager. Mit ihrem Bestand an alten Industriestätten legen Heerdt und Lörick enorm zu. Große Unternehmen wie Telekom und Huawei haben sich niedergelassen, ganze Neubausiedlungen entstehen. „Bei so viel Dynamik sind wir manchmal ganz froh, dass unser Areal von einer Mauer umgeben ist. Wir fühlen uns hier wie in unserer eigenen kleinen Stadt.“ In der freilich oft genug rege Betriebsamkeit herrscht. Mit einem Portfolio von sechs technisch perfekt ausgestatteten Hallen bietet das Areal Böhler flexible Nutzungsmöglichkeiten für vielerlei Veranstaltungen. Wer Industriekultur mit authentischer Atmosphäre zu schätzen weiß, fühlt sich hier bestens aufgehoben. Außer von Messeveranstaltern werden die Locations für medizinische und andere Fachkongresse gebucht, für Produkt-Präsentation und Firmenfeiern. Am weitläufigsten ist mit 8.000 Quadratmetern Fläche die von Tageslicht erhellte Alte Schmiedehalle, sie schmückt der Beiname „Queen der Großveranstaltungen“. Tatsächlich können hier 3.900 Menschen zusammenkommen. Es folgen die Kaltstahlhallen (3.200 Quadratmeter) und die Alte Federnfabrik (1.600 Quadratmeter in der Halle, 1.800 im Außenbereich). Atmosphärisch traumhaft präsentiert sich das Alte Kesselhaus mit seiner Industriekulisse und dem attraktiven Slogan „Tafelsilber und Kristallgläser“. Und dann sind da noch die Glühofenhalle, das Alte Schwimmbad und die Halle am Wasserturm, in deren industriemusealem Ambiente Paare gerne Hochzeit feiern. Der denkmalgeschützte Turm ist ein Markenzeichen des Geländes, genau wie der hoch aufragende schlanke Turm mit dem bei Nacht weithin leuchtenden Schriftzug „Areal Böhler“.

Artikel von www.top-magazin.de/duesseldorf