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Duft statt Diesel

Sie gilt als Spezialistin, die Marken aufpoliert und beherzt entscheidet. Tina Müller, die neue Vorstandsvorsitzende von Douglas.


Sie ist zurück in Düsseldorf: Tina Müller

 

Sie ist schnell, unkonventionell und diszipliniert, ehrgeizig, und sie ist bekannt für ihre ungewöhnlichen Ideen. Die geniale Kampagne „Umparken im Kopf“, die es schaffte, das Image der Marke Opel zu drehen, geht auch auf ihr Konto. Nun denkt Tina Müller selbst neu und drückt als Vorstandsvorsitzende von Douglas – in Deutschland Nummer eins unter den Parfümerieketten – kräftig aufs Gas. Duft statt Diesel, Lippenstift statt Einparkhilfe. „Es war die Aufgabe, die mich gereizt hat“, sagt die neue Chefin in der obersten Etage der Konzernzentrale in Flingern. Denn Douglas soll nach der Übernahme durch CVC Capital Partners strategisch neu ausgerichtet werden, um vor allem die Digitalisierung voranzutreiben.

Aus der selbstbewussten „Shampoo-Prinzessin“ der deutschen Wirtschaft – wie Tina Müller genannt wurde – wird nun die Königin. Sie gilt als Spezialistin, die Marken aufpoliert und beherzt entscheidet. Alles kann schöner werden – auch die Wartezeit in der Bahn – jedenfalls, wenn es nach Müllers ehrgeizigen Plänen geht. Eine Kooperation mit der Deutschen Bahn soll die Marke vorantreiben. „Weil viele Frauen mit dem Zug von Hamburg nach Berlin oder von Frankfurt nach Düsseldorf unterwegs sind, haben wir bei der Deutschen Bahn angefragt, ob es nicht möglich ist, auch einen Beauty-Waggon einzurichten, wo man während der Fahrt eine Maniküre bucht oder ein neues Make-up bekommt“, sagte die 49-Jährige im Interview mit der Rheinischen Post. Denkbar wäre für Müller auch eine Kooperation mit Lufthansa, um in Wartelounges mehr Zeit für Beauty zu gewähren.

Bei männlichen Kunden sieht die Managerin deutliches Wachstumspotenzial: „Aus meiner Sicht gehören Schönheit und mentale Stärke eng zusammen. Das ist der Hebel, an dem wir in der Kommunikation ansetzen. Frauen schätzen gepflegte Männer sehr.“

Tina Müller ist froh, zurück am Rhein zu sein. Hier kennt sie Land und Leute und in Düsseldorf leben langjährige Freunde der Managerin.

Vor ihrem Abstecher in die Autobranche hatte die mehrfach ausgezeichnete Marketing-Expertin das weltweite Haargeschäft und das internationale Gesichts- und Mundpflegegeschäft des Konsumgüter-Herstellers Henkel verantwortet. Mit Themen wie „Herausforderung“, „Integrität“ oder „Führungsstil“ kennt sich Tina Müller also bestens aus. Was sind denn ihre Tipps für erfolgreiches Agieren im Job? „Man sollte sich im Unternehmen klar und offen positionieren, auf Ernährung und Bewegung achten und ,echte’ Pausen machen – also einfach mal nichts tun.“

Der neue Job verspricht eines garantiert – wenig Freizeit. Wie sieht es mit der Work-Life-Balance aus? Die ist für die Top-Managerin mit den dunklen Locken und den rot geschminkten Lippen kein Thema, sie trennt nicht zwischen Arbeit und Leben. Vielmehr sagt sie: „Work ist auch life.“

Mit Tina Müller, die bei Opel Großes erreicht hat, bekommt Douglas, der Anbieter für Beauty- und Kosmetikprodukte mit mehr als 20.000 Mitarbeitern und rund 2400 Parfümerien in 19 europäischen Ländern, nicht nur eine Kennerin der Beauty-Branche und Expertin im Hinblick auf die strategische Weiterentwicklung und Digitalisierung von bekannten Marken, sondern eine Macherin. So hatte sie sich damals, als ihr Wechsel zu Opel vor vier Jahren für Furore sorgte, zuvor inkognito von Händlern derart ausgiebig beraten lassen, bis diese genervt fragten, was sie eigentlich wolle.

Weil jetzt der Handel absolutes Neuland für die Managerin ist, war sie bereits vor ihrem Antritt als Vorsitzende der Geschäftsführung in einer Douglas-Parfümerie als Verkäuferin im Einsatz. Damit ging endlich auch ein Traum in Erfüllung. Denn wie die in Bad Neuenahr geborene Managerin einmal erzählt hat, wollte sie schon immer verkaufen. Als Kind hatte sie einen Kaufladen mit Registrierkasse, und wenn ihr Vater abends heim kam, musste er bei ihr einkaufen, bevor es Abendessen gab.

Sie hat zwar nicht wirklich damit gerechnet, erneut in Düsseldorf zu landen, aber sie ist froh, zurück am Rhein zu sein. Hier kennt sie Land und Leute, hier leben langjährige Freunde. Kaum im Job, nutzte sie gleich das von den Unternehmerinnen Natalie Heydarian, Sabine Lindner und Petra Schlieter-Gropp initiierte Netzwerk-Treffen „Woman-Like“ für einen ersten öffentlichen Auftritt. „Es ist herrlich, wieder im Rheinland zu sein“, schwärmte sie.

Tina Müller ist nahbar, direkt und authentisch, kann aber ziemlich anstrengend sein. Sie gilt als impulsiv, temperamentvoll und mag keine kleinsten gemeinsamen Nenner. Die rheinische Mentalität, diese Mischung aus Sensibilität und Stärke, gehört zu ihrer DNA. Vorbehalte steckt sie mit dem ihr eigenen Selbstbewusstsein weg – und mit zunehmender Gelassenheit. Nicht jeder müsse einverstanden sein mit dem was sie tut. Sie hat die Erfahrung gemacht: „Anerkennung und Respekt verdient man sich durch gute Ergebnisse und baut so auch Vorurteile ab.“

Was macht Frau Müller, wenn sie nicht arbeitet? „Ich spiele gerne Tennis und freue mich auf mein erstes Match in Düsseldorf.“ Außerdem ist sie ein großer Fan von Beautybehandlungen, vor allem von Körpermassagen. „Dabei kann ich wunderbar entspannen und in kurzer Zeit meinen Akku wieder aufladen.“

Artikel von www.top-magazin.de/duesseldorf