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Frauen im Chefsessel

Britta Kutz ist als General Manager des InterContinental Düsseldorf an der Kö die einzige Frau in der Stadt an der Spitze eines 5-Sterne-Hotels. Im Top-Interview erzählt sie, was sie an ihrer Aufgabe fasziniert und warum sie Spaß bei der Arbeit für immens wichtig hält.


„In einer positiven Umgebung gibt jeder sein Bestes“

Britta Kutz, Generalmanagerin des InterContinental Düsseldorf an der Kö

In Düsseldorf gibt es fünf Luxus- Hotels mit fünf Sternen. Als General Manager des InterContinental Düsseldorf sind Sie in diesem Kreis die einzige Frau an der Spitze. Wie fühlen Sie sich in der Boy-Group?

Super! Die Kollegen von der Kö sind ja von ihrer Persönlichkeit her alle sehr charmant und haben direkt nach meiner Ankunft vor einem Jahr in Düsseldorf mit Pralinen, Blumen und handgeschriebenen Kärtchen mein Herz gewonnen. Als Frau ist man immer so ein bisschen der Paradiesvogel in der Herren-Gruppe, aber meistens hat das doch eher positive Effekte – man fällt mehr auf und die Aufmerksamkeit kann man gut nutzen. Es macht wirklich Spaß so zu arbeiten, und wir unterstützen uns gegenseitig. Wenn wir zum Beispiel unsere Häuser auf internationalen Messen vetreten, werben wir auch immer vereint für den Standort Düsseldorf.

Was hat Sie an der Position in Düsseldorf gereizt?

Auf der einen Seite die Möglichkeit, nach fünf Jahren in Asien, zuletzt in Indonesien, wieder nach Europa zu kommen. Unsere damals siebenjährige Tochter Jana hatte bis dahin noch nie bewusst Jahreszeiten erlebt. Sie kannte zum Beispiel keinen echten Weihnachtsbaum, in Asien sind die meistens aus Plastik. Aber neben den privaten Aspekten gab es natürlich auch berufliche Gründe. Ich war in Asien als General Manager sehr erfolgreich, mein Führungsstil hat dort hervorragend funktioniert, schließlich wollte ich mich dann auch gerne in Europa testen. Ein weiterer Aspekt: Meine vorherigen Hotels mussten sich am Markt noch etablieren. Das sind andere Herausforderungen. Das InterContinental Düsseldorf existiert seit 14 Jahren und ist schon sehr erfolgreich, und trotzdem gibt es immer noch Optimierungspotenzial. Das hat mich sehr gereizt.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Sehr authentisch, ich halte nicht viel von dem Motto „Ein Vorgesetzter sollte immer unberechenbar bleiben!“. Alle Kollegen, die gemeinsam mit mir auf ein Ziel hinarbeiten, sollen verstehen, warum wir das tun und welchen Beitrag sie dazu leisten können. Und sie wissen sehr genau, welche Erwartungshaltung ich habe. Ich führe gerne im Team und bin eine Vorge-setzte, die inspirieren möchte. Spaß bei der Arbeit halte ich für immens wichtig, bei uns wird sehr viel gelacht. In einer positiven Umgebung gibt jeder sein Bestes. Natürlich können Fehler passieren – aber bitte nur einmal. Und dann muss man daraus lernen!

 

Idyllisch gelegen am Kö-Graben: das InterContinental Düsseldorf

 

Angefangen haben Sie als Auszubildende zur Hotelfachfrau im Hyatt Regency in Köln. Wie kam es dazu?

Ich war als Kind mit meinen Eltern im Urlaub in Cannes und dort waren wir Kaffee-trinken im damaligen Carlton – heute ist es ein InterContinental – an dem legendären Boulevard Croisette. Ich fand das Flair faszinierend und wollte unbedingt wissen, was hinter den Kulissen passiert. In einem Schulpraktikum im Hotel habe ich schließlich Betten bezogen und Gläser poliert  – und fand es immer noch toll. Man hat viel mit Menschen zu tun, das gefällt mir heute noch. Ein weiterer Aspekt war, dass ich später gerne auch mal im Ausland arbeiten wollte. Unter diesem Gesichtspunkt habe ich mich im Hyatt beworben – und ich bin dann auch eingestellt worden.

Ist das immer noch ein typischer Karriereweg?

Als Einstieg würde ich das jedem empfehlen,  auch die Kombination aus Studium und Arbeit als dualer Ausbildungsweg ist sinnvoll. Eben alles, was einen Einblick in die Arbeitsabläufe in einem Hotel ermöglicht. Ich profitiere heute noch so oft davon, dass ich weiß, wie es eigentlich geht – sei es in der Küche, bei der Zimmerreinigung oder am Empfang. Später im Management kann man Probleme besser einschätzen und dann auch lösen, wenn es einem gelingt, schnell die Ursache dafür zu finden. Dabei hilft Praxis-Erfahrung ungemein. Dafür muss man sich dann natürlich betriebswirtschaftliche Kenntnisse, die für den Management-Bereich wichtig sind, zusätzlich separat aneignen.

Welches sind die drei wichtigsten Eigenschaften, die für eine Frau in der Hotelbranche in Führungspositionen unabdingbar sind?

Grundsätzlich eigentlich genau dieselben wie für einen Mann auch: Freude am Umgang mit Menschen, das halte ich für eine Grundvoraussetzung. Und Flexibilität in jeder Hinsicht, zeitlich, mental und regional – schließlich wechselt man des Öfteren den Arbeitsplatz und eventuell auch das Land. Ebenso ist die Fähigkeit, andere für seine Ziele zu begeistern, unabdingbar, damit das Team mitzieht. Als Frau muss man vielleicht zusätzlich auch noch sehr gut organisiert sein, wenn man Beruf und Familie unter einen Hut bekommen möchte und trotzdem Karriere machen will.

Sie sind Mutter einer achtjährigen Tochter. Wie haben Sie das geregelt?

Ich habe drei Monate nach der Geburt wieder angefangen zu arbeiten. Dabei hatte ich natürlich auch das Glück, dass mein Mann, den ich übrigens im Hotel in Frankfurt kennengelernt habe, wo er in der technischen Abteilung arbeitete, mitgezogen hat. Wir waren uns damals einig, dass er beruflich runterschraubt. Wir kommen mit diesem Arrangement bestens klar, aber das gilt natürlich nicht für jeden.

Wie wichtig ist Networking für die Karriere?

Ohne Networking funktioniert es nicht. Das bezieht sich auf Verbindungen innerhalb der Firma genauso wie auf externe. In Düsseldorf sind gesellschaftliche Kon-takte extrem wichtig, was auch gut so ist. Als General Manager eines Hotels an der Kö ist man involviert in die Stadtentwicklung und ins Stadtmarketing, was ich sehr positiv finde. Man muss den Austausch suchen, weil man schließlich mit einem Hotel in dieser präsenten Lage die Stadt mitprägt. Und wenn ich lokal etwas vor Ort bewirken möchte, siehe unser Engage-ment gemeinsam mit der BürgerStiftung, muss ich mich vernetzen. Egal, ob es auf einer Abendveranstaltung ist oder ob ich gezielt den Kontakt suche und mich aktiv mit einer Person zum Gespräch verabre-de – Networking heißt für mich daher vor allem, offen sein für Neues!

Was ist derzeit die größte Herausforderung?

Immer auf dem neuesten technischen Stand zu sein. Die Digitalisierung macht auch vor einem Hotel nicht Halt und wir müssen den modernen Anforderungen der Gäste entsprechen. Wir stellen zum Beispiel gerade um von Pay-TV, welches kaum noch genutzt wird, auf aktuellere Movie-Channels und Online-Streaming. Früher brauchte man eine große DVD-Bibliothek, heute ist es für den Gast wichtig, dass er sein iPhone mit dem Fernseher verbinden kann. Das Hotel ist jetzt 14 Jahre alt, da stellt sich die Frage: Wie muss ich die Zimmer gestalten, damit der Gast sich wohl fühlt. Das Thema gehen wir aktuell gerade an. Im nächsten Jahr wollen wir die Zimmer komplett überholen, sie bekommen ein neues frisches Design. Wir müssen permanent mit der Zeit gehen.

 

Britta Kutz im Gespräch mit Ulrike ter Glane (Top Magazin, v.l.)

 

Welchen Gast würden Sie gerne mal an der Kö empfangen?

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Ständehaus-Treff hier war, hätte ich sie gerne eine Nacht bei uns im Hotel gehabt. Einfach, um sie mal kennenzulernen. Ich finde es  – unabhängig von meiner politischen Orientierung  – bewundernswert, wie sie sich als Frau in einer so männlich geprägten Umgebung wie der Politik jahrelang behauptet. Auch international. Davor habe ich höchsten Respekt. Leider hat sie nach der Veranstaltung nicht in Düsseldorf übernachtet.

Bleibt bei allen Aktivitäten noch Zeit fürs Privatleben?

Natürlich, aber man muss sich selbst aktiv darum kümmern. Ich könnte jedes Wochenende im Hotel sein, wenn ich das wollte, es würde mir sogar noch Spaß machen. Wenn ich Zeit habe, verbringe ich diese gerne mit unserer Tochter, lese auch mal in Ruhe ein Buch oder koche. Wir gehen sehr gerne mit unserem Hund, einem Rhodesian Ridgeback, im Grafen-berger Wald spazieren. Demnächst ziehen wir nach Wittlaer, dann wird es wohl eher der Rhein.

Wenn Sie selbst im Urlaub in einem anderen Hotel übernachten, worauf legen Sie Wert?

Im Urlaub übernachte ich ehrlich gesagt eher ungern in anderen Hotels, bei Business-Trips hingegen schon. Wenn ich in einem Hotel bin, dann ist das für mich eher Arbeit. Dann rattert es die ganz Zeit im Kopf, ich vergleiche, ich lasse mich inspirieren. Für einen längeren Urlaub mieten wir lieber ein Haus. Da kann ich mich dann richtig erholen. Aber wenn ich im Hotel übernachte, lege ich vor allem Wert auf Sauberkeit. Bett und Badezimmer müssen tipptopp sein, sonst muss nachgebessert werden. Und persönliche Ansprache, sprich guten Service, finde ich immens wichtig.

General Manager eines Hotels wechseln etwa alle fünf Jahre den Wohnort. Sie haben bislang in Hamburg, Frankfurt, Köln, London, Singapur, Hua Hin (Thailand) und Bandung (Indonesien) gelebt. Was bedeutet das Wort Heimat für Sie?

Ich könnte es mir einfach machen und sagen, Heimat ist da, wo das Herz ist. Aber natürlich ist Heimat auch da, wo man groß geworden ist. Wenn ich nach Deutschland komme, habe ich direkt das Gefühl, daheim zu sein. Ob es das Klima ist, die Infrastruktur, der Wald, das Essen, der Karneval – das alles bedeutet für mich Heimat.

In welcher Stadt möchten Sie gerne alt werden?

Ich möchte hauptsächlich glücklich und gesund alt werden! Gerne in Deutschland, was den Ort betrifft, bin ich noch flexibel. Wenn man viel im Ausland ist, weiß man zu schätzen, wie gut es uns hier geht. Gerade im Alter!

Artikel von www.top-magazin.de/duesseldorf