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Neues von den Netzwerkern

Nach 18 Jahren zieht sich Axel Pollheim, Organisator von insgesamt 442 Veranstaltungen in der Region wie „Düsseldorf IN“ und „Ständehaus Treff“, aus der Verantwortung zurück. Journalist Jörg Philippi-Gerle tritt in seine Fußstapfen. Das Top Magazin führte ein entspanntes Gespräch mit beiden Networking-Profis über das Geheimnis des langjährigen Erfolges und ihre Pläne für die Zukunft.


Die bekanntesten Netzwerker Düsseldorfs in der Kuppel des Ständehauses: Axel Pollheim und Jörg Philippi-Gerle (v.l.)

Top Magazin: Herr Pollheim, Sie organisieren seit 18 Jahren mehre-re Netzwerkveranstaltungen in der Region wie „Düsseldorf IN“, „reden mit essen“ und „Was gibt‘s Neuss?“. Was wollen Sie mit diesen Events erreichen?

Axel Pollheim: Eigentlich fing es ja mit dem „Landhaus Treff“ am 30. November 1999 an. Zwei Monate vorher hatte ich als Pressesprecher bei Ideenkapital begonnen, ein Unternehmen der Ergo-Gruppe, das sich mit Immobilien beschäftigte. Und ich habe überlegt, wie man ein Unternenmen, das mit Steinen handelt, bekannter machen kann. Da war Oskar Lafontaine der ideale Premierengast als Gesprächspartner von Frank Plasberg.

Wie wird man professioneller Netzwerker?

Axel Pollheim: Eigentlich mehr oder weniger durch Zufall. Veranstaltungen habe ich auch schon früher organisiert, so zum Beispiel mehr als 25 Sportpressefeste in Köln. Vor dem Start von „Düsseldorf IN“ war eigentlich der Ärger, dass im Landhaus die Gäste sich etwas Wichtiges zu erzählen hatten, wenn gerade eine Angela Merkel oder ein Wolfgang Schäuble oben auf der Bühne saßen. Und da hatte ich die Idee: Mach doch mal eine Veranstaltung, wo es kein Programm gibt und keiner eine Rede hält. Die Gäste sind quasi selbst das Programm.

Welche Fähigkeiten sind unerlässlich?

Axel Pollheim: Meine langjährigen Tätigkeiten in verantwortlichen Positionen im Journalismus waren sicherlich nicht die schlechteste Voraussetzung. Man sollte gut moderieren und Personen zusammenführen können. Und – wenn es geht – Visionen haben. Auch wenn mein Ständehaus-Gast Helmut Schmidt einmal sagte: „Wer Visionen hat, der braucht nen Arzt.“ Der Rest ergibt sich von selbst.

 

Hochkarätige Gäste beim „Ständehaus Treff“: Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel stellte sich im Mai 2017 den Fragen von Michael Bröcker, Chefredakteur der Rheinischen Post.

Die Einladungen zu den Abenden sind in Düsseldorfs Gesellschaft heiß begehrt. Wie setzt sich die Gästeliste zusammen?

Axel Pollheim: Ich habe immer darauf geachtet, dass sich Meinungsbildner finden. Eigentlich setzt sich die Gästeliste aus zwei Teilen zusammen: Zum einen bekommen die Partnerfirmen für ihr finanzielles Engagement ein Kartenkontingent, dazu kommen dann die Gäste, die wir persönlich einladen. Und das mischt sich jedes Mal neu.

Was muss man tun, um eingeladen zu werden?

Axel Pollheim: Eigentlich nichts, denn es ist eine reine Einladungsveranstaltung. Oder man wird mit seinem Unternehmen Partner.

Warum gibt es Strafen für Gäste, die sich nicht ordentlich abmelden?

Axel Pollheim: Es gibt keinerlei Strafen. Wir haben für die Gäste, die wir einladen, ohne dass sie einen Cent dafür bezahlen, eigentlich nur zwei Regeln. Wer zusagt und ohne Absage nicht erscheint, erhält keine Einladung mehr. Es sei denn, er ist bereit, 50 Euro für einen guten Zweck zu spenden. Das gilt übrigens auch für diejenigen, die sich nach der Anmeldefrist noch verspätet anmelden wollen.

Sie kennen da kein Pardon, selbst OB Geisel soll schon in die Spenden-Kasse eingezahlt haben.

Axel Pollheim: Nein, wenn Thomas Geisel zusagt, dann kommt er auch – selbst wenn es manchmal 22.30 Uhr wird. Aber es gibt eine lustige Anekdote mit einem anderen hochrangigen Vertreter der Stadt: Seine Assistentin wollte den Herrn nach der Frist anmelden, 50 Euro wollte sie ihn aber nicht spenden lassen. Daraufhin habe ich ihm eine SMS geschickt und um Rückruf gebeten. Er meldete sich Minuten später aus Japan, ich habe ihm gesagt, dass mir seine Anwesenheit im Kesselhaus wichtig sei und ich für ihn die 50-Euro-Spende übernehmen würde. Darauf meinte er: „Das kommt überhaupt nicht infrage. Ich zahle natürlich selbst. Regel ist Regel.“

Wie unterscheidet sich „Düsseldorf IN“ vom „Ständehaus Treff“?

Axel Pollheim: Der „Ständehaus Treff“ ist unsere Parade-Veranstaltung mit in-teressanten Gästen auf dem Podium wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt, der künftige österreichische Kanzler Sebastian Kurz, aber auch Wirtschaftsführer wie Mercedes-Chef Dieter Zetsche oder VW-CEO Martin Winterkorn oder zuletzt Astronaut Alexander Gerst. Der Ablauf sieht wie folgt aus: Eine Stunde Gespräch mit RP-Chefredakteur Michael Bröcker – früher auch mit Frank Plasberg, Giovanni di Lorenzo oder Gabor Steingart – und das zwischen einem 3-Gänge-Menü. Es kommen hochkarätige Gäste aus ganz NRW. Bei den anderen ‚reinen’ Netzwerk-Veranstaltungen gibt es – wie schon gesagt – kein Programm.

Wie wird man Partner von solchen Veranstaltungen, die alle von der Rheinischen Post Mediengruppe ausgerichtet werden?

Axel Pollheim: Beim „Ständehaus Treff“ gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten. Unsere Hauptpartner engagieren sich immer für ein komplettes Jahr. Sie können eine Person an den Tisch des VIP-Gastes entsenden und dazu erhalten sie einen Tisch für elf Personen. Diejenigen Partner, die einen 9er-Tisch erwerben, können auch „Cherry-Picking“ machen – also sich jeweils erst entscheiden, wenn der Gast auf der Bühne feststeht.

Ende des Jahres übergeben Sie weite Teile Ihrer Aufgaben an Jörg Philippi-Gerle. Mit Wehmut oder mit Freude?

Axel Pollheim: Mit Freude. Das Team hat eine große Kompetenz und wird die Veran-staltungen mit Sicherheit auch unter seiner Verantwortung mit großem Sachverstand weiterführen. Wenn er es wünscht, stehe ich ihm auch in Zukunft gerne mit Rat und Tat zur Seite. Aber er hat den Hut auf! Übrigens: Beim „Ständehaus Treff“ werde ich auch in Zukunft als Einladender fungieren.

Warum ist er genau der Richtige für diese Position?

Axel Pollheim: Er kommt genau wie ich aus dem Journalismus, und wir denken beide in dieselbe Richtung, und schließ-lich habe ich ihn „ausgesucht“ und ihm diese spannende Aufgabe vor einem Jahr schmackhaft gemacht.


Tom Bender, Geschäftsführer der Rheinischen Post, ist unter anderem verantwortlich für die Marketing bereiche des Unternehmens:

 

„Nie war der persönliche Austausch so wertvoll wie im eher unpersönlichen digitalen Zeitalter.“


Herr Philippi-Gerle, Sie übernehmen eine große Verantwortung. Was haben Sie sich vorgenommen?

Jörg Philippi-Gerle: Zunächst einmal ist es wichtig, dass wir beim „Ständehaus Treff“ das hohe Niveau halten. Axel Pollheim hat die Messlatte ganz schön hochgelegt! Ich bin aber sehr optimistisch, dass wir es mit dem tollen Team, der Mediengruppe und überdies mit seiner Hilfe hinbekommen, auch in den nächsten Jahren immer wieder neue Highlights zu bieten.

Wie informieren Sie sich?

Jörg Philippi-Gerle: Lesen, reden, zuhören! Meine Informationen beziehe ich natürlich auch über die Zeitungen, Internet-Portale, Magazine und über die anderen Angebote der Rheinischen Post Mediengruppe sowie über die gesamte Presselandschaft in Düsseldorf und Umgebung. Ganz wichtig sind auch die persönlichen Kontakte, die ich immer und gerne auf unseren Veranstaltungen schließe.

Liegt Ihnen Smalltalk?

Jörg Philippi-Gerle: Ich bin in der glücklichen Lage, meinen Lebensunterhalt durch Netzwerken zu bestreiten. Small talk ist dafür in aller Regel der Einstieg. Viele wichtige Geschäftskontakte beginnen damit, dass man sich über das Wetter unterhält oder sich gemeinsam über den Tabellenplatz der Fortuna freut. Smalltalk ist außerdem alles andere als small, sondern eine große Aufgabe, wenn man ihn aufmerksam und freundlich betreibt. Bei unseren Netzwerk-Veranstaltungen beobachte ich immer wieder, dass die Smartphones mal Pause haben – das empfinden viele Menschen auch als Luxus.

Was zeichnet aus Ihrer Sicht einen guten Netzwerker aus?

Jörg Philippi-Gerle: Man sollte die Menschen schon mögen! Mit offenen Augen und ohne Scheu auf sie zugehen, ist mehr als ratsam. Man sollte Zeit mitbringen und ein offenes Ohr haben und – ganz wichtig – auch eine Prise gute Umgangsformen und Begeisterungsfähigkeit. Sonst bleibt alles nur oberflächliches Blabla.

Ändert sich etwas am Portfolio der Netzwerkveranstaltungen?

Jörg Philippi-Gerle: Wir werden sicherlich die eine oder andere neue Veranstaltung starten. Konkret werden wir im Frühjahr 2018 in Mönchengladbach mit einem Netzwerk-Treff „MG ist IN“ beginnen. Wir wollen auch die Trends dieser faszinierenden Region abbilden und zeigen, was sich tut  – etwa im Bereich Genuss, Ausgehen, Start-up-Kultur. Wer bei uns war, soll am nächsten Tag etwas zu erzählen haben.

Herr Pollheim, was machen Sie nach der letzten Veranstaltung in diesem Jahr im Dezember?

Axel Pollheim: Ich werde erst einmal einen Gang runterschalten. Es genießen, zum ersten Mal seit 50 Jahren im Berufsleben über meine Zeit frei entscheiden zu können. Meine Golfschläger haben einige Traumplätze in der Welt noch nicht gesehen – und meine Frau und ich werden sicherlich viel reisen.

Gibt es neue Pläne?

Axel Pollheim: Ja natürlich. Nur Ruhestand würde wohl nicht zu mir passen. Die Geschäftsführung der Rheinischen Post möchte mich gerne als Berater an ihrer Seite wissen, und ich habe mir vorgenommen, die Bürgerstiftung und das Regenbogenland aktiv zu unterstützen. Mal schauen, woran ich noch alles Spaß habe. Sicherlich auch am Konzept für die eine oder andere neue Veranstaltung…

Artikel von www.top-magazin.de/duesseldorf