Kultur

Im Rausch der Farben

Leon Löwentraut - ein Teenager mischt die Kunstwelt auf.


 

Top-Duesseldorf-Im-Rausch-der-Farben-02

Leon Löwentraut präsentiert im Herbst seine farbintensive expressive Kunst zum ersten Mal bei einer größeren Ausstellung in Düsseldorf.

„Ich lasse mich von den besten Künstlern inspirieren.“

Mit zwöf Jahren verkaufte Leon Löwentraut seine ersten Bilder – an den Wirt einer Pizzeria in seinem damaligen Wohnort Büttgen. Sieben Stück für zusammen 150 Euro. Eine ganze Weile schmückten sie die Wände des Don Medici. „Jetzt sind sie weg“, sagt der 19-Jährige. „Keine Ahnung, was aus ihnen wurde.“ Er lacht. „Sie abzugeben, wäre nicht sehr schlau gewesen. Die frühen Werke sind später immer die begehrtesten. Und mittlerweile sind meine Preise ja um einiges gestiegen.“ Was stark untertrieben ist. Wer einen Leon Löwentraut besitzen will, muss mehrere tausend Euro anlegen. In knapp sieben Jahren hat der junge Künstler einen atemberaubenden Sprung gemacht. Noch zu Schulzeiten führte ihn seine rasante Karriere um die halbe Welt. In Galerien der „Contemporary Pop Art“ reißt man sich um seine Bilder. Dem Debüt in München mit „Gefühle auf Leinwand“ (2013) folgten Einzelausstellungen in Hamburg, Singapur, London, Basel, New York und zuletzt Berlin – seit der Vernissage in Hamburg im August 2015 sind sämtliche Werke binnen weniger Minuten vergriffen!

Jetzt präsentiert Leon Löwentraut seine farbintensive expressive Kunst zum ersten Mal bei einer größeren Ausstellung in Düsseldorf: Am 29. September lädt die Geuer & Geuer Art GmbH zur Vernissage „Singles and Couples“ (Heinrich-Heine-Allee 19). In der Galerie liegen dann auch zwei Grafik-Editionen von Leon Löwentraut aus, die anlässlich der Fernseh-Dokumentation „Wunderkind der Kunst“ herausgegeben wurden (das Portrait von Wolfram Kons lief am 8. September bei n-tv). Löwentrauts Editionen sind handsigniert und limitiert wie die Mappen seiner Vorgänger Tony Cragg, A.R. Penck, Günther Uecker und Julian Schnabel. „Es ist mir eine wahnsinnige Ehre, mit diesen Künstlern von Weltrang in einer Reihe zu stehen“, sagt er. Noch ein zweites Mal ist er im Herbst in der Region präsent. Für eine Kunstauktion zugunsten der Kinder-Stiftung „Lesen bildet“ in der Sparkasse Neuss (8. Oktober, 17 bis 18 Uhr) stellt Leon Löwentraut eine seiner Editionen zur Verfügung, wie auch zwölf weitere Künstler, darunter Anatol Herzfeld, Heinz Mack, James Rizzi und Horst Wackerbarth.

Wunderkind. Dieses Etikett klebt an ihm wie Kaugummi. Die „Bild“, um griffige Schlagworte nie verlegen, taufte ihn gar „Bubicasso“, weil Picasso sein großes Vorbild ist. Und selbst der „Stern“ schwang sich reimend auf und titelte anlässlich der Hamburger Löwentraut-Ausstellung: „17 Jahr, Shootingstar.“ Der Vielgelobte kennt das alles, winkt gleichmütig ab und erweckt den Anschein, als bedeuteten ihm diese verbalen Schmeicheleien nicht allzu viel. Schnee von gestern. Leon Löwentraut stürmt mit Riesenschritten durchs Leben und hat nur eines im Fokus: seine Kunst. „Ich hätte nie gedacht, dass ich so schnell anerkannt werde und so viele Menschen mit meinen Bildern begeistern kann, sogar letztes Jahr in Asien“, beteuert er.

Top-Duesseldorf-Im-Rausch-der-Farben-04

„Malen kann ich nur, wenn ich die richtige Power spüre.“

Sein Spaß am Malen begann früh und war da, so lange er sich zurückerinnern kann. Etwa sieben Jahre mag er gewesen sein, als seine Mutter, eine leidenschaftliche Hobbymalerin, sein Interesse weckte. Fortan wollte Leon nichts anderes machen. „Es gab keinen Plan B. Entweder Künstler oder Brücke“, sagt er. Heike Löwentraut war sich da erst nicht so sicher. „Leon hätte auch Sportler werden können“, glaubt sie. „Er hatte viele Talente, ob Schwimmen, Tennis oder Golf.“ Auf dem Aloisiuskolleg in Bad Godesberg stellte man dem Internatsschüler einen Raum zum Malen zur Verfügung. Obwohl er auf der Jesuitenschule „eine supertolle Zeit“ hatte und die Gemeinschaft genoss, fand er dort nicht die richtige Konzentration für seine Bilder. Er wechselte zum Georg-Büchner-Gymnasium Büttgen und war selig über sein erstes winziges Atelier im Düsseldorfer Kreativzentrum Boui-Boui. „Es passten gerade eine Matratze und zwei Leinwände rein“, sagt er. „Für mich war es trotzdem das perfekte Refugium. Niemand kannte meine Kunst, aber ich glaubte ganz fest an mich.“ Seine Idole waren seit jeher nur die Besten. „Picasso, Matisse, Warhol, Gauguin“, listet er auf. „Warum sollte ich mir weniger bedeutende Maler zum Vorbild nehmen, wenn ich mich an den Größten orientieren kann?“

Im Atelier konnte Leon Löwentraut seine Passion ausleben und seiner Kreativität freien Lauf lassen. Mit den ersten Verkäufen seiner Bilder stand ihm der Weg in die Kunstwelt offen. Die Eltern unterstützten den Tatendrang ihres einzigen Sohnes. Sein Vater Jörg Löwentraut übernahm das Management und sorgte umsichtig für ein wohldosiertes Angebot der Bilder. „Das ist noch gar nicht so lange her“, sagt er. „Die Nachfrage stieg rasant, alles entwickelte sich plötzlich sehr dynamisch.“ Hat man diesen Erfolg in derart jungen Jahren, werden die Medien hellhörig. Manchmal ist es auch umgekehrt: Wer in der Zeitung steht, erregt Aufmerksamkeit. Es kommt vor, dass Kritiker das clevere Marketing von Jörg Löwentraut anprangern. An seinem Sohn prallt das ab. „Würden meine Bilder nicht so vielen Leuten gefallen, wäre selbst die beste Vermarktung vergeblich“, kontert er. „Nichtsdestotrotz ist sie Bestandteil eines Unternehmens. So war es in der Kunst schon immer.“ Sein Vater beherrsche eben die Regeln des Marktes. „Das funktioniert in der Modewelt doch auch“, wirft Leon ein und zieht einen Vergleich: „Warum ist denn die Birkin Bag so gefragt? Doch nur, weil es lange Wartezeiten gibt und dadurch die Begehrlichkeit gesteigert wird.“

Top-Duesseldorf-Im-Rausch-der-Farben-05

Sein Handwerkszeug im Atelier: Pinsel aller Art, Farbtuben, Goldpartikel

Mit seinen Eltern wohnt Leon Löwentraut inzwischen in Meerbusch-Büderich. Im weitläufigen Untergeschoss hat er sein Atelier eingerichtet. „Künstler zu sein, ist mit viel Mühe, Arbeit und Fleiß verbunden“, sagt er. „An oberster Stelle steht der Fleiß. Aber nur, so lange die Kreativität erhalten bleibt. Ich muss nicht auf Teufel komm raus Bilder produzieren. Wenn ich spüre, dass mir die nötige Energie fehlt, pausiere ich. Das kann auch mal mehrere Tage dauern.“ Aber meist malt er wie im Rausch viele Stunden hintereinander durch, auch ganze Nächte lang. Manchmal bleibt er erst ein, zwei Stunden auf der Couch sitzen und lässt sich inspirieren. Was dabei nie fehlt, ist Musik jedweder Art. Gern auch Klassik, aber nicht nur. Das sei Stimmungssache, kommentiert er. Auf jeden Fall zieht er daraus eine starke Motivation und ist sogar überzeugt: „Ohne Musik würde meine Kunst in dieser Form nicht funktionieren.“ Irgendwann spürt er: „Der richtige Moment ist da. Alles, was ich fühle, muss jetzt raus.“ Leon Löwentraut skizziert mit Pastellkreide, trägt die Farben mit dem Pinsel auf oder drückt die Alutuben direkt auf bevorzugt großformatige Leinwände. Auch Spray dosen und raffiniert platzierte Goldpartikel setzt er ein. „Malen ist für mich wie eine tolle Party“, sagt er. „Ich muss Kunst in dem Moment erschaffen, in dem ich Power, Lust und Lebensfreude habe. Dann entlädt sich die ganze gestaute Energie und es kommt zu einer Explosion der Farben.“

Artikel von www.top-magazin.de/duesseldorf