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Frauen im Chefsessel: Karin-Brigitte Göbel

„Gemischte Teams sind die erfolgreichsten“


Im Top-Interview erzählt Karin-Brigitte Göbel, die seit Anfang des Jahres an der Spitze der Stadtsparkasse Düsseldorf steht, was sie anders macht als ihre männlichen Kollegen und warum wir eine gesellschaftliche Diskussion über die Rollenverteilung brauchen.

 

Sie sind seit 1. Januar dieses Jahres die erste Frau überhaupt an der Spitze der Stadtsparkasse Düsseldorf seit der Gründung 1825. Wie hat sich durch die neue Position Ihr Leben verändert?

Es ist im Moment so spannend, denn endlich habe ich die Chance, was ich immer wollte, selbst etwas zu bewegen. Mein Ziel ist, die Stadtsparkasse Düsseldorf im Team mit dem Vorstand und allen Mitarbeitern – ausgehend vom Kunden – zum Erfolg für alle zu führen. Ich habe jetzt den Gestaltungsfreiraum, Entscheidungen inhaltlich zu prägen. Es ist zwar sehr arbeitsintensiv, aber umso interessanter geworden.

Welche drei wichtigsten Eigenschaften, die Sie mitbringen, haben Ihnen auf Ihrem Weg an die Spitze der größten Bank der Stadt geholfen?

Ich bin ein Teamplayer und jemand, auf den man sich zu hundert Prozent verlassen kann. Das, was ich sage, meine ich auch. Und ich habe grundsätzlich eine positive Lebenseinstellung, und ich kann Menschen begeistern, auch ungewöhnliche Wege mit mir zu gehen. Das ist unabdingbar, sonst könnte ich Veränderungen, wie ich sie jetzt auch hier plane, nicht umsetzen.

Was machen Sie anders als Ihre männlichen Kollegen?

Wer, wie ich, als Frau in diesem Job ist, agiert in einer männlich dominierten Welt. Meine besten Sparringspartner sind letztendlich sehr erfolgreiche Kollegen, die mich akzeptieren und die mit mir ihr Wissen teilen. Ich wollte aber nie so sein wie sie. Ich habe immer den Anspruch, meine Identität zu bewahren. Was ich anders mache? Ich bleibe immer das, was ich bin: eine Frau in diesem Team. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass gemischte Teams immer die erfolgreichsten sind.

Müssen Frauen heute im Berufsleben besonders gefördert werden?

Wenn Sie mich vor vier Jahren gefragt hätten, brauchen wir eine Frauenquote, hätte ich das verneint. Eine Frauenquote benachteiligt Frauen, weil sie letztendlich als Quotenfrau gleich einen Stempel haben. Fakt ist aber auch, dass wir zu wenige Frauen in den Führungsfunktionen haben, trotz aller Förderung. Es gibt einen Punkt in der Karriere, da geht es nicht mehr um Können und Wissen. Was wir erreichen müssen, ist eine Transparenz wie Netzwerke wirken. Diesbezüglich haben Frauen noch Nachholbedarf. Und auf der anderen Seite gibt es in Deutschland immer noch das gesellschaftliche Phänomen, dass erfolgreich erwerbstätige Mütter als Rabenmütter gelten. Das finden Sie so nicht in anderen europäischen Ländern. Dort wird die Leistung einer berufstätigen Frau und Mutter besser akzeptiert als bei uns. Wir brauchen eine gesellschaftliche Diskussion darüber, dass diese Rollenverteilung auch möglich ist, ohne dass man in eine bestimmte Ecke gestellt wird. Auch die Infrastruktur, was Kinderbetreuung betrifft, muss stimmen. Und wir müssen prüfen, ob unsere Arbeitszeitmodelle noch passend sind. Wenn Sie das unter Förderung verstehen, stimme ich zu. Wir brauchen mehr Möglichkeiten für Jobsharing oder mobiles Arbeiten. Es ließen sich mehr Frauen für Führungspositionen begeistern, wenn man nicht diese Präsenz von morgens bis abends erwartet.

Auf welche Erfolge sind Sie besonders stolz?

Ich führe als erste Frau die Stadtsparkasse Düsseldorf und darf mich über das Vertrauen freuen, das man mir ausgesprochen hat. Dies hat mich sehr bewegt.

Welche geschäftlichen Ziele haben Sie sich für Ihre Zeit als Vorstandsvorsitzende gesetzt?

Wir haben uns gleich zu Beginn als Vorstand im Team zusammengesetzt, um unsere Ziele klar zu definieren und diese dann in einer Mitarbeiterveranstaltung kommuniziert. Wir möchten gerne wieder unter die zehn erfolgreichsten Großsparkassen Deutschlands kommen. Dazu gehören bestimmte Ertrags- und Kostenrelationen. Dieses Ziel kann man nur gemeinschaftlich erreichen. Wir wollen ein Unternehmen sein, in dem Mitarbeiter sich wohl fühlen und die Arbeitsplätze sicher sind, trotz aller nötigen Veränderungen – und so auch wieder junge engagierte Bewerber für dieses Unternehmen begeistern. Für mich persönlich habe ich mir vorgenommen, noch mehr talentierte Frauen in verantwortliche Positionen zu bringen.

Wie wollen Sie die Ertragssituation verändern?

Das Geschäftsmodell der Zukunft heißt „Einfach wir“. Das steht für: Gewohntes Denken durchbrechen und sich selbst in Frage stellen. Und – das ist mir ganz wichtig – vom Kunden her ganzheitlich denken und daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Was bedeutet das jetzt für die Stadtsparkasse Düsseldorf? Wir müssen genau hinhören, was der Kunde braucht, und dafür dann die richtigen Angebote finden. Ich stehe dafür, dass wir wieder mehr Geschäft machen, wir haben die Potenziale in dem fantastischen Markt Düsseldorf in der Vergangenheit nicht ausgeschöpft. Und das soll sich ändern!

Der Vorstand der Stadtsparkasse wird laut Gesetz vom Verwaltungsrat unter dem aktuellen Vorsitz von OB Thomas Geisel kontrolliert. Wie ist unter Ihrer Führung die Zusammenarbeit mit diesem Gremium, das ja auch sehr politisch besetzt ist?

Wir haben ein sehr gutes Miteinander gefunden, indem wir seit November letzten Jahres intensiv daran gearbeitet haben, einen Weg zu beschreiten, indem wir gesichtswahrend so zusammenkommen, dass jeder ein Stück weit gibt und nimmt. Aus dieser Haltung heraus haben wir dann schließlich viele strittige Punkte, die bis dahin öffentlich in der Presse diskutiert wurden, gelöst. Mir ist sehr daran gelegen, dass in unseren Gremien diskutierte Themen nicht nach außen getragen werden. In diesem konstruktiven Miteinander mit dem Verwaltungsrat hat sich die Situation extrem entspannt, so macht es Spaß zu arbeiten. Man ist nicht immer gleicher Meinung, aber das wäre auch unnatürlich.

Was sind unabdingbare Voraussetzungen für ein erfolgreiches Miteinander?

Vertrauen, eine offene Ansprache der Themen und eine gewisse Kompromissbereitschaft auf der Basis des Machbaren. Beide Seiten müssen sich bei einem Dissens ein Stück bewegen, aber es gibt für jeden Rahmenbedingungen, an die man sich halten muss. So ist der Vorstand der Stadtsparkasse Düsseldorf mit mir im Vorsitz natürlich dem Haus Stadtsparkasse verpflichtet, und ich habe damit gewisse Rollen zu erfüllen. Das heißt nicht, dass mir das Engagement für die Stadt nicht am Herzen liegt. Wenn Sie sehen, wo wir uns überall engagieren – angefangen bei der Kultur, aber auch für Soziales, für Sport, für Bildung. Wenn man das alles zusammen betrachtet, ist da für die Stadt ein schöner Dreiklang. Wenn es uns gut geht, geht es auch der Stadt gut. Das bedingt aber auch, dass die Kunden erfolgreich mit uns arbeiten, denn daraus generieren wir die Erträge. Wir können uns ja nicht wie eine Aktiengesellschaft Eigenkapital über die Börse holen. Die Stadtsparkasse Düsseldorf hat auch keine Möglichkeit durch Kapitalerhöhungen anderer Art. Wir können uns nur entwickeln und wachsen, wenn es uns gelingt, aus den Gewinnen Eigenkapital zu thesaurieren.

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„Ich stehe dafür, dass wir wieder mehr Geschäft machen. Wir haben die Potenziale in dem fantastischen Markt Düsseldorf in der Vergangenheit nicht ausgeschöpft. Und das soll sich ändern!“

 

Sie haben gemeinsam mit Ihrem Mann Paramsothy Thamotharampillai-Göbel die Patenschaften für sieben Kinder übernommen?

Stimmt, für zwei Kinder meiner Schwester, die anderen sind Kinder von Freunden und Studienkollegen. Der Älteste ist selbst schon Vater. Alle sind regelmäßig bei uns. Dank der sozialen Netzwerke ist es heute ja sehr einfach, den Kontakt zu halten. Des Weiteren kümmern mein Mann und ich uns noch um zwei indische Kinder, die wir über das Projekt Nandri Kinderhilfe gefunden haben. Sie leben in Südostindien, wo wir uns um die Ausbildung der Kleinen kümmern. Wir holen die Kinder aus der Ziegelindustrie und bieten ihnen Schulunterricht und Verpflegung.

Die Kultur Asiens interessiert Sie sehr, wie kommt das?

Über meinen Mann. Man kann nicht mit einem Asiaten – er kommt aus Malaysia, hat aber indische Wurzeln – verheiratet sein, wenn man kein Interesse an der Landeskultur hat. Die Art, ihren Glauben zu leben, die Farben, die Natur – das hat mich immer schon interessiert. Neben allen Unzulänglichkeiten und der Armut erlebt man dort etwas, was mich nie losgelassen hat: Die Menschen müssen mit ganz wenig auskommen, aber sie haben eine natürliche Würde. Sie strahlen eine Ausgeglichenheit aus, was bei uns, aus meiner ganz persönlichen Betrachtung, verloren gegangen ist. Man hat dort eine andere Grundhaltung und kann sich an vielen Dingen noch erfreuen, die hier als selbstverständlich angesehen werden. Es hilft mir auch immer eine Bodenhaftung zu bewahren, denn die Welt, die meinen Alltag ausmacht, ist nur ein kleiner Teil vom Ganzen.

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„Ich bin ein Teamplayer und jemand, auf den man sich zu hundert Prozent verlassen kann.“

Wie gehen Sie mit Niederlagen um?

Es gibt nicht nur schöne Tage! Ich habe einen Leitspruch, der mich dann sehr gut begleitet: ‚Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut ist, ist das Ende noch nicht erreicht’. Mit dieser Devise bin ich schon durch so manche Stürme gekommen. Ich habe ein fantastisches Team, dort wird dann beraten: Was ist falsch gelaufen und wie können wir das künftig verhindern.

Wie können Sie am besten entspannen?

Ulrike ter Glane (Top Magazin) im Gespräch mit Karin-Brigitte Göbel

Ulrike ter Glane (Top Magazin) im Gespräch mit Karin-Brigitte Göbel

Ich habe im Moment eine Aufgabe, die ich trotz aller Komplexität nicht als stressig im engeren Sinne empfinde. Sie macht mir Spaß. Manchmal bleibt jedoch zu wenig Zeit für Dinge, die ich sonst noch gerne mache. Mit meiner Funktion ist aber auch ganz viel Schönes verbunden: Konzerte, Kulturveranstaltungen, Lesungen. Da ist auch ein Teil Entspannung dabei. Und dass ich die Bodenhaftung nicht verliere, dafür sorgen schon mein Mann und meine Familie im weiteren Sinne. Dabei spielen meine Patenkinder eine große Rolle.

Artikel von www.top-magazin.de/duesseldorf