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Galerie Paffrath: Fest in Familienhand

Die Galerie Paffrath auf der Königsallee blickt als eines der wenigen Häuser im deutschen Kunsthandel auf eine Tradition von 150 Jahren zurück.


 

Hans Paffrath, der Ur-Urenkel des Gründers, führt seit drei Jahrzehnten das Geschäft mit der Kunst.

 

An den 100. Geburtstag mit vielen Gästen im feinsten Zwirn kann er sich noch gut erinnern. Damals war Hans Paffrath acht Jahre jung und die Galerie feierte ihr großes Jubiläum. Inzwischen ist aus dem kleinen Jungen einer der erfolgreichsten Kunsthändler Deutschlands – wenn nicht gar Europas – geworden. Das traditionsreiche Unternehmen mitten auf der Kö, seit eh und je fest in Familienhand, wird in diesen Tagen 150 Jahre alt und wirkt kein bisschen angestaubt. Im Gegenteil – was unter dem Schlagwort „Brand-Extension“ bei Werbern und Marketingexperten gang und gäbe ist, treibt auch den inzwischen 58-jährigen Spezialisten für die Düsseldorfer Malerschule und die frühe Moderne um: Neben den Achenbachs und Corinths, den Bildern von Mönsted, Liebermann und Nolde erweitert Paffrath das Angebot immer stärker auch im Bereich der zeitgenössischen Kunst. Darunter finden sich Aquarelle von Günther Uecker, Skulpturen von Tony Cragg, farbstarke Arbeiten von Jules Cavaillès oder Jean Edelmann (1916-2008). „Inzwischen bieten wir zwei Jahrhunderte unter einem Dach an“, sagt Hans Paffrath. Bereits vor zwei Jahren hat er auf dem Kunstmarkt mit seinem neuen Geschäftsmodell „Triple A“ Furore gemacht. Das höchste Bewertungskriterium der Ratingagenturen für Staatsanleihen überträgt er seitdem auf sein Kunstangebot und seinen Service: „AAA art“. Die drei großen A stehen für die drei Säulen Vertrauen, Qualität und Transparenz, die jedem Geschäft zugrunde liegt.

 

So sah die Kö und die Fassade der Kunsthandlung im Jahre 1932 aus.

So sah die Kö und die Fassade der Kunsthandlung im Jahre 1932 aus.

Parallel zur Stammgalerie an der Königsallee betreibt Paffrath zudem eine Online-Plattform. Schon jetzt verkauft er 35 Prozent aller Gemälde in alle Welt. Darüber hinaus will er so die vor Ort oft beobachtete Schwellenangst abbauen. Wer sich in der Galerie nicht traut, nach einem Preisnachlass zu fragen, kann ein virtuelles Gebot abgeben, wenn er nicht gleich die Buttons „Kaufen“ oder „Reservieren“ drücken möchte. Dieses Gebot ist anders als im Auktionshaus aber nicht verbindlich. Es soll Hans Paffrath die Chance eröffnen, mit dem potenziellen Kunden in Dialog zu treten, über den Preis zu reden oder über Inzahlungnahme anderer Bilder. „In den letzten 30 Jahren haben wir mehr als 8000 Gemälde ohne eine einzige Reklamation verkauft. Das bedeutet, im Durchschnitt wechselt pro Tag ein Bild den Besitzer“, bilanziert der Kunsthändler mit unverhohlenem Stolz. So wie in seinen Anfängen bewegt er auch heute gerne Bilder: Kaufen und Verkaufen – das ist seine Leidenschaft. Er ist oft unterwegs. Doch anders als früher, als er ständig auf Reisen war und sich stets die Arbeiten im Original anschaute, hat das Internet auch sein Business verändert. Aber kann man denn die Echtheit eines Clarenbachs oder Münters nur per Foto erkennen? Paffrath lacht. „Das zeichnet den guten Kunsthändler aus. Ich brauche das Original in aller Regel nicht zu sehen, weil ich den Künstler und seine Kunst so gut kenne“, erklärt er und hat mehr als akademisches Wissen vorzuweisen.

 

Die Herzkammer der Galerie an der Königsallee ist der denkmalgeschützte Oberlichtsaal mit dem Canapé mitten im Raum.

Die Herzkammer der Galerie an der Königsallee ist der denkmalgeschützte Oberlichtsaal mit dem Canapé mitten im Raum.

Für den heute 58-jährigen Vater von drei Kindern war es immer klar, dass er die Nachfolge im Familienunternehmen antritt. „Ich bin da hineingewachsen. Bei uns waren oft Künstler zu Gast, und wir sind mit den Meistern des 19. Jahrhunderts groß geworden.“ Sein Bruder Georg gilt seit Jahrzehnten als einer der anerkanntesten Restauratoren. Die Überarbeitung jedes Gemäldes geht durch seine Hände. Stets ist er darauf bedacht, dass ein altes Bild sein Gesicht bewahrt und nicht durch Restaurierung ruiniert wird. „Georg hat einen Röntgenblick, er ist mein wichtigster Berater“, sagt Hans Paffrath.

 

Wer übrigens etwas über die Gründungsgeschichte der Galerie Paffrath erfahren will, muss an Orten suchen, die auf den ersten Blick wenig mit Kunst zu tun haben: in Spediteurrechnungen des Düsseldorfer Malkastenvereins aus den Jahren um 1860. Dort ist nachzulesen, wie ein Schreinermeister Johannes Baptiste Paffrath als Wegbereiter Düsseldorfer Künstler tätig wurde. Er fertigte für ihre in Amerika hoch begehrten Werke Transportkisten an und sandte sie so verpackt an Händler und Sammler in Übersee. Manch einer der Maler hat diese Dienste offensichtlich mit eigener Kunst bezahlt. So legte Paffrath den Grundstock zu einem Gemäldehandel, vor allem mit Werken moderner Meister, „Künstlern 1. Ranges“, wie es damals hieß. Gegründet wurde die Galerie gleich neben dem Malkasten an der Jacobistraße. 1913 setzte der Sohn des Gründers Franz Georg Paffrath im Alter von 66 Jahren einen mutigen Plan um: Er baute an der Königsallee 46 einen „Prachtbau und das schönste und modernste Geschäftshaus“, wie er am 14. Oktober 1913 schrieb.

In dem von Architekt Hermann vom Endt errichteten Gebäude ist Hans Paffrath, der Ur-Urenkel des Gründers, groß geworden. Dort hat der älteste von fünf Geschwistern mit seinen Eltern gelebt. Dort gibt er seit 30 Jahren dem Geschäft mit romantischer und impressionistischer Malerei seinen ganz eigenen Stil. In ihrer Kindheit war ihm, seinem Bruder Georg und den drei Schwestern, Caroline, Eleonore und Christina, das drei Meter lange und wunderbar breite, mit beige-goldenem Samt bezogene Canapé im Oberlichtsaal die liebste Spielwiese. Um die kostbare Kunst ringsum an den Wänden haben sie sich nicht weiter gekümmert. „Diese Immobilie mitten auf der Königsallee, die der Familie gehört, ist ein wahrer Glücksfall“, betont der erfolgreiche Kunsthändler. Der große Saal ist nach wie vor das Herzstück des Hauses und stets auch der Mittelpunkt der Gemälde-Ausstellungen im Frühjahr und im Herbst. Im Jubiläumsjahr 2017 wird zudem ab Juni eine dritte inszeniert – mit lauter Impressionisten.

Hans Paffrath sucht stets neue Herausforderungen, und er ist davon überzeugt, dass der Kunsthandel eine der ganz wenigen Geschäftsfelder ist, die sich nicht digitalisieren lassen. „Denn es geht beim Käufer und beim Verkäufer um Vertrauen – und das ist kein digitales Modell.“ „

Artikel von www.top-magazin.de/duesseldorf