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Dirk Elberskirch: Wer nach Rendite sucht, kommt an Aktien nicht vorbei

Top Interview mit Dirk Elberskirch, Vorstandschef der Börse Düsseldorf AG, über den Börsenplatz Düsseldorf, den Zusammenschluss mit den Börsen Hamburg und Hannover und Anlageformen bei niedrigen Zinsen


 

Top Magazin: Die großen Börsen in Frankfurt und New York sind alltäglich in den Medien, von den kleineren Börsenplätzen ist weniger die Rede. Wie arbeitet die Düsseldorfer Börse?

Dirk Elberskirch: Unter dem Dach der Düsseldorfer Börse findet man den klassischen Maklerhandel, wie man ihn vom Börsenparkett kennt. Da der Handel seit vielen Jahren elektronisch läuft, wurde der Handelssaal hier im Gebäude allerdings im Jahr 2000 abgerissen. Nach wie vor haben wir Maklerfirmen engagiert, die das Geschäft in der klassischen Variante betreiben. Diese sitzen zwar in Frankfurt, handeln aber für Düsseldorf. Darüber hinaus arbeiten wir seit 2001 mit einem zweiten Handelssystem, Quotrix. Wie Xetra ist auch Quotrix ein elektronisches Handelssystem, funktioniert aber etwas anders. Der Vorteil vom Handel mit Quotrix liegt für unsere Kunden in der Preisqualität und darin, dass sie seit 2007 keinerlei Kosten mehr an die Börse und den Makler bezahlen müssen, was in den vergangenen Jahren für ordentliche Umsatzzuwächse bei der Düsseldorfer Börse gesorgt hat.

 

Können private Anleger direkt an einer Börse handeln?

Nein, und das ist weltweit so. Privatanleger können nur über eine Bank oder einen Online-Broker am Markt teilnehmen. Die Bank führt Konto und Depot, der Kunde kann aber entscheiden, an welchem Börsenplatz seine Order ausgeführt wird. Wir freuen uns darüber, dass viele Anleger Düsseldorf wählen, weil es kostengünstig und auch schnell ist.

 

Also kann auch der Kunde einer Münchener Bank einen Orderauftrag für die Börse Düsseldorf geben?

Ja natürlich, durch den elektronischen Handel spielt der Ort keine Rolle mehr. Daher verstehen wir uns auch nicht als regionale Börse, die nur NRW betreut, sondern haben den Anspruch, für alle Anleger in der ganzen Republik tätig zu sein.

 

Sie sprachen von guten Ergebnissen. Aus welchem Grund wird das operative Geschäft der Börse Düsseldorf an die BÖAG Börsen AG verkauft?

Man muss Börsen immer zweigeteilt sehen: Da gibt es einerseits den Handel und das Listing von Wertpapieren. Auf der anderen Seite benötigen Börsen einen Träger, damit sie als öffentlich-rechtliche Anstalten fungieren können. Das ist in unserem Fall die Börse Düsseldorf AG. Und nur diese Eigentümerseite ändert sich. Das Procedere klingt kompliziert, ist es aber eigentlich nicht. Das operative Geschäft, das in der Börse Düsseldorf AG steckt, wird in eine neue Gesellschaft überführt, die von der BÖÄG erworben wird. Den Handel führen wir eins zu eins fort.
Die rechtliche Umsetzung ist seit Juni rückwirkend zum 1. Januar abgeschlossen. Seit 1999 ist die BÖAG Träger der Börsen Hamburg und Hannover. Jetzt kommt Düsseldorf hinzu, so dass sich weitere Synergien ergeben und Ressourcen gebündelt werden können. Damit können alle drei Börsen noch wirtschaftlicher arbeiten, der Börsenplatz Düsseldorf bleibt erhalten und den veränderten Interessen der hiesigen Aktionäre wird Rechnung getragen. Insgesamt eine sehr gute Lösung.

 

Was wird an der Düsseldorfer Börse gehandelt?

Ausschließlich Wertpapiere, also Aktien, Anleihen und vor allem auch Fonds wie offene Investmentfonds. Dazu kommen neue Produkte wie ETFs, Exchange-Traded Funds, die gerade für Privatanleger, die nicht so nahe an der Börse sind, perfekte Produkte sind, um sich mit Investments an der Börse zu beschäftigen.

 

Was macht ETFs so interessant?

Sie bilden Indices wie beispielsweise den DAX eins zu eins ab. Mit diesem ETF bekommt man eine Streuung über den gesamten Dax mit nur einem Produkt. Das ist vielleicht etwas weniger spannend als ein Einzelwert, aber sicherer und man muss sich nicht permanent um das Investment kümmern. Dazu kommen sehr günstige Kosten von lediglich 0,09 Prozent, da sich kein hoch bezahlter Fondsmanager mit der Auswahl der richtigen Aktien für den Fonds beschäftigen muss. Inzwischen arbeiten auch professionelle Vermögensverwalter gern mit ETFs.

 

Sind Aktien in der augenblicklichen Niedrigzinsphase die beste Anlageform?

Wer nach Rendite sucht, kommt daran nicht vorbei. Die Zinsen sind niedrig und werden es auch noch lange bleiben. Der Wirtschaft geht es derzeit gut, trotz Brexit, trotz Trump. Obwohl wir natürlich nicht wissen, was noch kommt, spricht alles für eine langfristige Anlage. Wichtig ist es, die eigene Verlusttoleranz zu kennen, Aktienkurse können auch mal sinken, das muss man dann aushalten und die Werte nicht zur Unzeit verkaufen. Der Blick zurück zeigt, dass sich die Börsen trotz der drastischen Einbrüche, die es gab, immer wieder erholt haben.

 

Welche Informationen bietet die Börse Düsseldorf für Anleger?

Neben dem Börsentag, der einmal im Jahr stattfindet und jetzt im Mai mit rund 1.500 Teilnehmern wieder gut besucht war, bieten wir regelmäßig Seminare zu unterschiedlichen Themen an. Da geht es um Grundlagenwissen; aber wer tiefer einsteigen möchte, findet auch Informationen über Chartanalyse und Behavioural Finance. „

Artikel von www.top-magazin.de/duesseldorf