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Gregory Delavekouras: “Die Deutschen mögen meine Heimat und mein Volk”

In Düsseldorf haben 44 konsularische Vertretungen ihren Sitz. Wir stellen die einzelnen Repräsentanten hier vor. Der griechische Generalkonsul Gregory Delavekouras fühlt sich mit seiner Familie sehr wohl in der Stadt, in der 15.000 seiner Landsleute leben und arbeiten.


Gregory Delavekouras, griechischer Generalkonsul in Düsseldorf

 

Schon mit 16 Jahren wusste er, dass er Diplomat werden wollte. „Ich hatte mich für diesen Beruf entschieden, weil ich ihn mir sehr interessant vorstellte“, sagt Gregory Delavekouras. „Er öffnet einem die Welt.“ Seinen Weg verfolgte er zielstrebig. Nach dem Diplom in Politikwissenschaften und Internationalen Studien an der Panteion-Universität in Athen und einem Erasmus-Stipendium in Rom besuchte er 1999 die Diplomatische Akademie des Griechischen Außenministeriums. Damit war seine Laufbahn vorgezeichnet. Über weitere Stationen an der Universität in Washington D.C., in New York, wo er sein Heimatland bei den Vereinten Nationen vertrat, und als Sprecher des Griechischen Außenministeriums (2009-2013) gelangte Gregory Delavekouras schließlich nach Düsseldorf. Seit August 2013 leitet er das Griechische Generalkonsulat, das größte in Europa. „In Nordrhein-Westfalen leben übers ganze Land verteilt etwa 140.000 Griechen, davon allein 15.000 in Düsseldorf“, berichtet er. Es ist bereits die dritte oder sogar vierte Generation seit den frühen 1960er Jahren. Darunter sind Angehörige ganz verschiedener Berufsfelder, wobei die Mediziner besonders auffallen. „Mehr als 2000 griechische Ärzte leben hier und leisten einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung“, sagt Gregory Delavekouras. Mehr als 100 griechische Vereinigungen und 25 Kirchen legen ein beredtes Zeugnis ab von der Aktivität der längst etablierten Einwanderer.

Daraus resultieren die umfangreichen Aufgaben des Generalkonsulats. Pro Jahr würden 25.000 seiner Landsleute bedient, sagt er. Vorwiegend dreht es sich um Pass- und Standesamt-Angelegenheiten, um Vollmachten oder Fragen junger Männer zum Militärdienst. „Voriges Jahr wurden übrigens auch 850 griechischstämmige Babys in NRW geboren“, fügt Gregory Delavekouras hinzu. Er lächelt und zeigt auf die Spielecke im Empfangsraum. Kinderfreundlich und erstaunlich offen geht es zu im Generalkonsulat direkt hinter dem Hauptbahnhof. „Ein Vater weiß, was Eltern brauchen“, sagt er und erzählt von seinen drei Töchtern, die zehn, acht und sechs Jahre alt sind. Von der großzügigen Lobby mit gemütlichen Sitz ecken zweigen kleine Nischen für Gespräche ab, gläserne Trennwände schaffen Transparenz. Als Gregory Delavekouras in Düsseldorf ankam, befand sich das Generalkonsulat noch in einem Bürogebäude an der Grafenberger Allee. Die Lage in der City behagt ihm mehr. „Unsere Besucher können uns im Zentrum viel besser erreichen. Offenheit ist uns Griechen wichtig. Bei uns gilt die Tradition, den Fremden die besten Dinge zu offerieren, die man hat.“

Die Lobby wird auch für Empfänge und Veranstaltungen genutzt. Zuletzt ging es um die Kooperation beim Düsseldorf-Marathon. „Vor zwei Jahren wurde die Flamme aus Griechenland eingeflogen und in die Stadt getragen“, berichtet er. Und, ist er damals mitgelaufen? „Ja, aber nur zwei Kilometer“, gibt er zu, das sei kein Vergleich mit dem Einsatz von Oberbürgermeister Thomas Geisel beim Marathon in Athen. Er wechselt das Thema und kommt auf das erste Griechenland-Festival vom 30. März bis zum 2. April 2017 zu sprechen: „Vier Tage lang werden wir auf dem Marktplatz alles zeigen, was griechische Gastfreundschaft ausmacht.

Es ist ein kleiner Anfang, aber ich hoffe, das Festival wird sich etablieren und eine schöne Tradition werden.“

In Griechenland ist es Tradition,
den Gästen das Beste zu geben

Gut, dass der 41-Jährige ein begabter Kommunikator ist. Bei den vielfältigen Wirtschaftbeziehungen gibt es mancherlei zu verhandeln zwischen Deutschland und Griechenland. Schon deshalb ist Gregory Delavekouras häufig im Land unterwegs und muss sich mitunter auch heiklen Diskussionen wegen der gravierenden und immer wieder aufflammenden Finanzkrise in seiner Heimat stellen. „Wir hatten einige schwierige Jahre“, gesteht er zu. „In der Wahrnehmung von Griechenland gab es viele negative Aspekte. Unterschwellig aber spürte ich immer eine große Sympathie. Die Deutschen mögen mein Land und mein Volk. Sonst würden die Touristen nicht millionenfach zu uns kommen.“

Als gebürtiger Athener schwärmt er von der Landschaft und der Kultur seiner Heimat, lobt die wenig überlaufenen Inselchen und die kurze Verbindung zwischen Bergen und Meer. Aber auch Düsseldorf ist ihm sehr ans Herz gewachsen. Sein Deutsch sei löchrig geblieben, sagt er, immerhin beherrsche seine Frau die Sprache fließend, und seine Töchter ebenfalls. „Vier Frauen im Haus, die mir darin überlegen sind, ich sollte mich bessern“, sagt er lächelnd. Lange hat er dazu keine Gelegenheit mehr, denn schon im Sommer heißt es Abschied nehmen von Deutschland. Da greift der ganz normale diplomatische Zyklus. Wohin es ihn dann verschlägt, weiß Gregory Delavekouras noch nicht. Er konnte zu seinem künftigen Einsatzort lediglich Wünsche äußern. Bis es soweit ist, wird er mit Freude seiner Arbeit im Generalkonsulat nachgehen und die freie Zeit mit der Familie an seinen Düsseldorfer Lieblingsplätzen verbringen: im Grafenberger Wildpark, in Kaiserswerth oder am Rhein.

Artikel von www.top-magazin.de/duesseldorf