Kultur

Philara: Die Passionen eines Kunstsammlers

Wer könnte schon ahnen, was sich hinter der unscheinbaren Toreinfahrt an der Birkenstraße 47 verbirgt? Der leicht verblichene Schriftzug „Glas Lennarz“ deutet jedenfalls nicht darauf hin, dass sich nur wenige Meter entfernt ein neues Museum etabliert hat. Ein Privatmuseum wohlgemerkt.


Gil Bronners Privatmuseum Philara

Gil Bronner hat in der ehemaligen Glasfabrik in Flingern mit der Philara ein Zentrum für zeitgenössische Kunst geschaffen, das sich allein aus seinen eigenen umfangreichen Sammlungen speist. Ein Bruchteil nur kann ausgestellt werden, obwohl die Räumlichkeiten mit über 1.700 Quadratmetern großzügig bemessen sind. Die Düsseldorfer Kunst-Szene und die überregionale Presse haben den Neuzugang begeistert kommentiert. Allein Gil Bronner hadert noch ein wenig mit der Bezeichnung Museum. „Ich habe mich lange dagegen gesträubt“, gibt er zu. „Museen schreibe ich einen Bildungsauftrag und Forschungsarbeiten zu. Beides gibt es bei uns nicht. Ich möchte mich verwahren gegen das Verwahren. Aber ich musste es schließlich einsehen – Museum ist das richtige Wort für die Heimstätte meiner Sammlung.“ Rund 1.500 Werke besitzt er, etwa 70 kann er hier zeigen. Einzelne Exponate will er gelegentlich austauschen. Das hält die Schau frisch und lebendig, zumal sie jeweils noch durch eine Wechselausstellung ergänzt wird. Den Anfang machte der Künstler Friedrich Kunath mit seiner launigen Kollektion „Juckreiz“.

Kreativ geprägt ist auch das Umfeld der im Juni eröffneten „Sammlung Philara“, deren Namensgeber Bronners Kinder Philipp und Lara sind. Gleich nebenan im Hinterhof hat sich die Wim Wenders Stiftung niedergelassen. Gil Bronner mag Vernetzungen dieser Art. Künftig soll es dort auch Ateliers für junge Künstler geben, damit direkt vor Ort etwas entstehen kann. Ein Skulpturenpark auf dem Dach ist noch im Aufbau, und sicher werden sich noch weitere Nutzungsmöglichkeiten erschließen lassen. Das liegt ihm. Als umtriebiger Immobilienentwickler hat er bei seinem Museum ein Gesamtkonzept im Sinn. Deshalb sollte es auch einen kulinarischen Treffpunkt inmitten der Kunst geben. Das Café Glas Lennarz, eine Reminiszenz an die alte Glasfabrik, wurde in die lichte Halle integriert und ebenfalls mit Objekten ausgestattet.

Philara: Gil Bronner: „In erster Linie freue ich mich, wenn ich Kunst zeigen kann, die ich selber gut finde“

Gil Bronner: „In erster Linie freue ich mich, wenn ich Kunst zeigen kann, die ich selber gut finde“

Gil Bronner (53) stammt aus einer der Kunst zugewandten Düsseldorfer Familie. Schon seine Eltern Cary und Dan Georg Bronner waren Sammler und gründeten auf ihren Namen eine Stiftung, die den deutsch-israelischen Kulturaustausch fördert und auch Stipendien vergibt. Der Sohn ist im Vorstand. Er macht kein Geheimnis daraus, dass die elterliche Finanzspritze den Start seines Museums enorm erleichterte. Gibt er preis, was er in den Bau investierte? „Nein, es war ohnehin viel zu viel“, wehrt Gil Bronner lachend ab. Aber nun ist er Herr über ein gewaltiges Areal, gespickt mit Malerei, Fotografie, Skulpturen, Videokunst und Installationen. Ihm gefällt die Konfrontation von etablierten Künstlern mit dem kreativen Nachwuchs. „Ich bin absolut kein strategischer Sammler“, stellt er klar. „Bei meinen Kaufentscheidungen folge ich im Wesentlichen meinem Bauchgefühl. Dieses Vorgehen brachte mir allerdings schon den Vorwurf ein, ich hätte keinen roten Faden.“ Was Gil Bronner aber nicht weiter anficht. Absicht und Anliegen definiert er so: „In erster Linie freue ich mich, wenn ich Kunst zeigen kann, die ich selber gut finde. Natürlich will ich Erfolg haben. Ich wäre aber schon zu frieden, wenn das Museum gut besucht ist und die Leute etwas kennenlernen, was ihnen vorher nicht geläufig war. Sie sollen sich hier einfach wohlfühlen.“

Zunächst gelangen die Besucher der Philara in die lichtdurchflutete Halle und müssen erstmal staunen über deren Höhe und Weite. Fast verlieren sich darin die ausgestellten Arbeiten von Andreas Gursky (Atlanta, 1996), Sabrina Fritsch (Nove, 2015) oder Björn Dahlem (Sonne, 2012). Hinten rechts leuchtet es pink. Das grelle Signal wird von einem angedeuteten Akt aus beschichtetem Aluminium ausgesendet, der Modigliani nachempfunden ist: Reclining Nude (2014) von David Renggli. Vom Foyer zweigen mehrere kleine Kabinette ab, die verschiedenen Themenbereichen zugeordnet sind. Für manche Werke oder Künstler ist ein extra Raum reserviert, etwa für den Amerikaner William N. Copley, der mit vier Arbeiten vertreten ist. Oder für Tomás Saracenos „80SW iridescent/Flying Garden/Air-Port-City“. Die spektakuläre Skulptur (2011), mit einem Durchmesser von 3,30 Metern, besteht aus 80 transparenten Kissen, transparenter Folie, schwarzen Gummibändern und schwarzer Schnur.

Mancherorts ähnelt die Sammlung Philara mit ihren verschlungenen Pfaden und Treppenverläufen einem Irrgarten. Ständig überraschen neue Perspektiven und Blickwinkel, bis hinunter in zwei unterirdische Geschosse. Im Graben des alten Gleisbetts verblüfft die mehrere kleine Räume umfassende Installation „Artichoke Underground“ von Freeman & Lowe. Das marode Druckereilabor mit einem originalen Indien-Imbiss sieht aus wie ein Filmset. Oder man findet sich in einer Art Tropfsteinhöhle wieder, deren raue Wände aus Glas gestaltet sind. Wieder so ein liebenswerter Anklang an die industrielle Vergangenheit von Gil Bronners spannendem Museum, dem ein reger Zulauf zu wünschen ist.

Artikel von www.top-magazin.de/duesseldorf