Lifestyle

Das Barbier-Handwerk in Düsseldorf

Scharfe Messer, sanfter Schnitt


Die Renaissance des Barbiers

Mit der Retro-Welle zelebrieren Barbiere die Rückkehr einer traditionellen Herrenkultur. Auch in Düsseldorf haben sich einige Meister wieder auf das alte, ehrbare Handwerk besonnen. Sie bieten einen Rückzugsort für Männer, die fachgerecht bedient werden wollen: kein Schnick-Schnack, weder Haare färben, föhnen, ondulieren. Dafür scharfe Messer, sanfte Schnitte und klassische Nassrasur. Das erreicht immer öfter den Status einer Wellnessbehandlung – quasi Yoga für die Gesichtshaut. Einer der Meister seines Fachs ist Ahmed Al-Musawi.

Wo vorher ein langweiliger Antik-Einrichtungs-Laden war, werden nun in Unterbilk die Messer gewetzt und die Scheren geschliffen, es wird geschnitten, getrimmt, geföhnt. Denn Ahmed Al-Musawi, der mit 13 Jahren das Friseur-Handwerk von einem Freund der Familie gelernt hat, erfüllte sich nun zehn Jahre später seinen großen Traum: Vor wenigen Wochen eröffnete der in Bagdad geborene und am Niederrhein aufgewachsene 26-Jährige in Unterbilk auf der Lorettostraße seinen eigenen, 95 Quadratmeter großen Barber Shop.

Der Laden im Stil der 50er Jahre ist edel in Schwarz-Weiß-Grau-Tönen gehalten. Möbliert ist er gemütlich mit historischen Waschtischen, Friseurstühlen und Lampen, dazu Anrichten, Vitrinen und Schränke vom Flohmarkt in Belgien, ein altes Chesterfield-Sofa und zahlreiche andere Fundstücke vom Trödel. Der „Captain’s Barber Shop“ ist ein reiner Männer-Tempel, hier ist der Mann unter seinesgleichen, kann sich in aller Ruhe pflegen lassen. Denn Frauen haben hier keine Chance auf einen neuen Haarschnitt oder Strähnchen.

Stattdessen bietet der Meister seines Fachs – traditionell wie die Barbiere in Italien mit weißem Kittel bekleidet – Nassrasuren plus Konturen, Bartstutzen mit der Maschine oder akkurate Facon-Haarschnitte an. Wer sich für die drei vorgefertigten Beauty-Rundum-Pakete entscheidet, kann wählen zwischen dem Basis-Modell „Sultan“, inklusive Frisur, Nassrasur, Ohr- und Gesichtshaarentfernung und Massage, über das Prinz-Paket bis zum royalen Verwöhnprogramm rund um Haar und Gesicht mit heißen und kalten Kompressen bis hin zum Augenbrauenzupfen mit Faden.

Der junge Mann und seine Mitarbeiter kultivieren auf hohem Niveau das Konzept der alten Barbier-Schule und konzentrieren sich auf die traditionelle Handwerkskunst. Schere und Messer sind ihre Haupt-Werkzeuge. Zum Einsatz kommen allerdings keine im Drogeriemarkt erhältlichen No-Name-Produkte. Vielmehr ist das Sortiment sehr exklusiv – so wie „Abschaum“ seines Zeichens Rasierseife oder „Schmiere“, hinter diesem Markenname verbirgt sich Haar-Pomade.

Offenbar hat Ahmed Al-Musawi mit seinem relaxten Retro-Wohlfühlort für männliche Zeitgenossen zwischen 8 bis 80 seine Nische gefunden. Denn ob Trendbewegung, Statement oder Überzeugung, der Herr von heute trägt wieder gerne seinen Bart. Und weil jeder anders ist, braucht jeder seine bestimmte Pflege. Die Folge: Herrensalons im Old-School-Stil sind nicht nur in New York und Rotterdam beliebt, sondern auch am Rhein. Sogar Basketballspieler Daniel Hain reist regelmäßig extra mit dem Zug von Hamburg nach Düsseldorf an und lässt sich hier haartechnisch auf Vordermann bringen.

Wieso hat er seinen Laden eigentlich Captain’s Barber Shop genannt. „Na ja, jeder Mann will doch mal Kapitän oder Chef sein“, sagt Ahmed lachend. Und weil Chefs allzu oft in Zeitnot sind, bietet der serviceorientierte Barbier von heute auch außerhalb der Geschäftszeiten eine Not-Rasur an.

Düsseldorfs Barbiere

Hagi’s Barber Shop
Inspiriert durch die Barbier-Kultur aus den USA, England und den Niederlanden designte Seaver Rada, Sohn von Barbier Hagis, einen Shop im zeitlosen Stil der 50er. Entstanden ist ein Barbershop mit Backsteinwänden Metrokacheln und der Gründerzeit nachempfundenen Arbeitsplätzen.
Graf-Adolf-Straße 76 | Telefon 0211 1646416 | hagisbarbershop.de

CutCorner by André
Der urbane Mann darf also wieder männlich sein und im besten Fall sieht er so aus, als wäre er gerade aus der kanadischen Wildnis entflohen. Denn statt metrosexuell liegt der lumbersexuelle Typ (abgeleitet von Lumberjack, dem englischen Begriff für Holzfäller) im Trend. Und der fühlt sich offenbar wohl im „Cut Corner Barber Shop“. „Wir sind im Stil der 1930-er Jahre eingerichtet mit antiken Möbeln und Produkten“, sagt André, der Chef. Neben Frisuren im Retrolook vom Faconschnitt bis zur Elvis-Tolle geht es bei André um schnittige Schnäuzer im Menjou-Stil oder hochgezwirbelte aus Kaiser Wilhelms Zeiten oder kuschelige Vollbärte.
Karolinger Straße 1a (Ecke Bachstraße) | Telefon 0211 23921510 | cutcorner.de

Favoriten
Schon die schön-schlichte Einrichtung des Salons zeugt vom guten Geschmack des Inha-bers: Auf dem Fürstenwall hinter einer breiten Glasfront führt Andreas Dierdorf Regie. Neuerdings sorgt der Friseurmeister, bekannt als „schärfste Klinge Siziliens“ auch dafür, dass Bärtige den feinsten Schliff erhalten und das sogar beim After-Work-Cut, freitags von 19 bis 21 Uhr.
Fürstenwall 37 | Telefon 0211 3036960 | facebook.com/friseurfavoriten

Image Hair Group Barber Shop
Der Image Hair Group Barber Shop wirbt mit dem Slogan: Keine Damen. Dafür aber gehören zum kostenlosen Service Kopfmassagen, echter italienischer Espresso, aktuelle Herrenzeitschriften sowie Tageszeitungen und kühle Getränke.
Blumenstraße 14 | Telefon 0211 30040340 | imagehairgroup-barbershop.de

Artikel von www.top-magazin.de/duesseldorf