Menschen

Die Spasskönige von Bonn

Seit drei Jahren residieren Malentes im Theater Palast - und feiern mit einer eigenen Jubiläumsshow


 

Das historische Spiegelzelt an der Godesberger Allee ist ihr ganzer Stolz. Knut Vanmarcke und Dirk Vossberg-Vanmarcke haben sich mit dem prunkvollen fliegenden Bau von 1935 einen lang gehegten Traum erfüllt: ein eigenes Theater. Am 20. September 2018 feierten sie Eröffnung. Drei Jahre später ist „Malentes Theater Palast“ mit seinen schlagerseligen Revuen und augenzwinkernden Parodien aus dem Stadt- und Kulturleben von Bonn nicht mehr wegzudenken. Zum Start der vierten Spielzeit haben die beiden mit „So gelacht ab ½ 8“ eine Show konzipiert, die mit viel Musik und noch mehr Pointen auf ein knappes Vierteljahrhundert „Familie Malente“ zurückblickt. Im Interview haben sie uns einiges aus ihrer langen Showkarriere erzählt, ihre Liebe zum Schlager der Wirtschaftswunderzeit erklärt und die entscheidende Verbindung zwischen Rio und Neumünster konsequent verschwiegen.

 

Top Magazin: Drei Jahre Spiegelzelt an der B9 und das Haus fast immer ausverkauft. Hattet ihr bei der Eröffnung mit einem derart großen Erfolg gerechnet?

Dirk: Gerechnet nicht, aber wir haben sehr darauf gehofft. Wir waren im Rahmen unseres Tourneelebens oft hier zu Gast und haben jedes Mal sehr viel Zuspruch bekommen. Das war einer der Gründe, warum Bonn unsere erste Wahl für ein eigenes Theater war. Außerdem ist Knut in Bonn-Beuel geboren. Insofern hatten wir schon immer eine Verbindung, und die hat sich offenbar als goldrichtig erwiesen.

Knut: Nachdem wir drei Jahre lang auf Kreuzfahrtschiffen gespielt hatten, war Bonn auch die Station unseres allerersten Theaterengagements auf dem Festland. Heide Keller, die berühmte Chefstewardess des ZDF-Traumschiffs, hatte uns auf der MS Deutschland entdeckt und gesagt, wir müssten doch mal nach Bonn kommen, um dort in Bad Godesberg im Kleinen Theater zu spielen. Damals war Walter Ullrich noch Intendant, und dem hat sie uns dann empfohlen.

 

Top Magazin: Und später hat er dann selbst bei euch auf der Bühne gestanden.

Dirk: Da schließt sich dann der Kreis. Als zweite große Produktion im Spiegelzelt hatten wir das „Weiße Rössl“ im Programm, und da war Walter Ullrich als Kaiser zu sehen.

 

Top Magazin: Sagenhafte 81 Vorstellungen habt ihr da über die Bühne gebracht. War das nicht ein Riesenwagnis? Das „Rössl“ gilt doch eher als verstaubtes Singspiel.

Dirk: Ist es ja auch. Aber wir haben das Stück einfach zu unserem gemacht, und das ging vor allem über eine Reihe von Twists. Die haben letztlich zum Erfolg beigetragen. Zum einen war da Knut, der als erster Mann überhaupt die Rolle der Wirtin gespielt hat. Und weil wir das gar nicht zum Thema gemacht haben, hat es auch wunderbar funktioniert. Knut hat die Rolle nicht als Parodie angelegt, sondern ganz normal und natürlich gespielt. Der zweite Twist waren Walter Ullrich und Bill Mockridge, die im Wechsel den Kaiser gespielt haben. Und dann haben wir das komplette Spiegelzelt eingebunden und sozusagen an den Wolfgangsee verlegt, also nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Zuschauerraum gespielt, in der Mitte, oben, unten, rechts und links, überall eben. Und das war einfach ein großes Erlebnis. Und dann muss man einfach sagen: Das Stück mag zwar 80 Jahre alt sein, aber die Gags funktionieren scheinbar immer noch, und die Musik ist – wie sagt man so schön? – unsterblich.

 

Top Magazin: War das für die die erste Frauenrolle für dich, Knut?

Knut: Das war tatsächlich die erste Frauen- oder Rockrolle, die ich durchgehend über einen ganzen Abend gespielt habe. Und das hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Es war eine Herausforderung, keine Frage, aber ich glaube, ich habe sie ganz gut gemeistert.

 

Top Magazin: Du hast dann aber schon Blut geleckt, denn seitdem machst du das ja immer wieder, zumindest in Form von Parodien.

Knut: Blut geleckt, das kann man so sagen. Es macht mir viel Spaß und ich merke auch, dass es beim Publikum gut ankommt. Meine Paraderolle ist Andrea Berg, sie kommt auch in unserer aktuellen Show wieder vor. Am liebsten bin ich allerdings die ungekrönte Königin der B9, Loco Flanel. Das ist eine eigene Figur, die wir uns ausgedacht haben. Ich spiele sie auch jenseits der Bühne immer wieder. Loco hat eine Art Eigenleben entwickelt.

 

Top Magazin: Wie kam es zu der Figur?

Dirk: Als wir unsere Travestieshow „Divas“ geschrieben haben, war uns schnell klar, dass es so eine Art Hauptdiva geben muss. Die Inspiration kam über ein Stück namens „Everybody’s talking about Jamie“, das wir einmal in London gesehen hatten. Da gibt es den Besitzer eines Ladens für Travestiebedarf, und dessen Künstlername ist Loco Chanelle. Aus Chanelle wurde bei uns dann Flanel und schon war Loco geboren.

 

Top Magazin: Neben Loco gibt es ja noch viele andere Rollen, in die ihr immer wieder schlüpft. Manche sind Parodien, manche eigene Figuren oder Bühnenversionen von euch selbst, wie etwa in der aktuellen Show. Und die Familie Malente, das sind ja im Grunde selbst zwei Kunstfiguren.

Knut: Es waren früher zwei Kunstfiguren, Vico und Peter Malente, zwei Brüder. Aber das Thema ist irgendwie für uns passé. Jetzt sind wir nur noch Knut und Dirk.

Dirk: Wir sind große Bewunderer der Geschwister Pfister, einem Trio aus der Schweiz, und das besteht aus drei Kunstfiguren: Toni Pfister, Ursli Pfister und Fräulein Schneider. Das fanden wir ganz lustig und haben es für uns übernommen. Vico stammt von Vico Torriani und Peter von Peter Alexander, beides Schlagerstars mit Namen, die in den 50er und 60er Jahren en vogue waren.

 

Top Magazin: Die 50er und 60er Jahre sind ja insgesamt euer Ding.

Knut: Das kann man schon so sagen. Wir haben zwar auch Shows über die 70er und 80er gemacht, aber unsere Hauptquelle war eigentlich immer diese Wirtschaftswunderzeit. Mittlerweile werden wir schon mal angesprochen, wann wir denn eine 90er-Show ins Programm nehmen würden, aber aus dem Jahrzehnt sind wir raus.

Dirk: Ich denke, Schlager im Allgemeinen, das ist so unser Metier. Aus den 90ern würde mir da wahrscheinlich gar nichts einfallen. Coco Jamboo ja wohl eher nicht.

 

Top Magazin: Was reizt euch so, was bewegt euch an Schlagern?

Dirk: Ich kann das gar nicht sagen. Manche finde ich musikalisch richtig toll, und ich glaube, die Tatsache, dass wir viele der alten Schlager heute immer noch hören, spricht einfach für ihre Qualität. Denn mal ehrlich, wenn man die meisten Schlager von heute hört, dann haben die nicht so viel Substanz. In der neuen Show singen wir zum Beispiel „Nichts ist so schön wie der Mond von Wanne-Eickel“, und sowas hat einfach einen ganz eigenen Witz. Das finde ich richtig lustig. Und die Melodie geht direkt ins Ohr.

Knut: Was man unter Schlager versteht, ist ja auch relativ. Ich weiß zum Beispiel gar nicht, ob man Udo Jürgens als Schlager bezeichnen könnte. Manche sprechen da eher von Chanson. Er hatte zu jeder Lebenslage immer das passende Lied parat. Da ist viel Humor dabei, viel Liebe und auch einfach Lebensklugheit. „Das ehrenwerte Haus“ hat zum Beispiel viel davon. Das ist auch einer meiner Lieblingssongs von ihm.

 

» Bonn hat einfach eine übersichtliche Gemütlichkeit, die wir mögen.«

 

Top Magazin: Ist der Theater Palast ein ehrenwertes Haus?

Knut: Aber sowas von!

Dirk: Wir sind DAS ehrenwerte Haus von Bonn. Obwohl, eigentlich müssen das die Gäste entscheiden.

 

Top Magazin: Was sagen die Menschen denn, was bekommt ihr für Reaktionen? Drei Jahre sind ja schon eine ganze Weile.

Dirk: Inzwischen sind ganz viele Leute zu Stammgästen geworden. Als wir angefangen haben, waren alle neugierig und wollten mal gucken, was wir so machen. Und es kommen eben immer auch wieder neue Leute hinzu, die noch nie bei uns waren, und das freut uns mindestens genauso. Ich finde, man kann sagen, dass sich unser Haus innerhalb kürzester Zeit im Unterhaltungsbereich hier in Bonn einen Platz geschaffen hat. Die erste Vorstellung hatten wir übrigens zusammen mit dem Top Magazin, und das war eigentlich der beste Startschuss, den wir haben konnten.

 

 

Top Magazin: Stimmt es, dass Leute tatsächlich auch von außerhalb kommen und mit Bussen hier hinfahren?

Dirk: Das stimmt. Erstaunlich, oder? Wir hatten vorgestern zum Beispiel Leute aus Buxtehude und aus Braunschweig im Publikum. Das sind zwei Städte, die wir früher auf unseren Tourneen und Gastspielen besucht haben. Und da reisen uns die Leute offenbar gerne mal hinterher.

Knut: Wir haben eigentlich in ganz Deutschland gespielt und irgendwie vermissen uns die Leute. Und da gibt es eben jetzt tatsächlich Busunternehmen rund um Braunschweig, Hannover und anderen Städte, die hier anreisen, damit mal wieder ein bisschen Malente-Feeling aufkommt.

 

Top Magazin: Dann seid ihr ja sozusagen für Bonn ein reisestiftender Anlass.

Dirk: Das könnte man so sagen. Hat Bonn selbst zwar noch nicht so wirklich entdeckt, aber das kann ja noch kommen. Wir sind jedenfalls für alles bereit, es muss nur jemand anklopfen, der große Bustouren und Wochenendpakete schnüren will: Ein Besuch in Malentes Theater Palast, vorher geht’s ins Beethovenhaus und in die Bundeskunsthalle oder was auch immer dazugehören könnte.

 

Top Magazin: Ihr wart ja selbst viel auf Reisen und erzählt in eurer neuen Show davon, insbesondere aus der Zeit, als ihr auf Kreuzfahrten unterwegs wart. Wie kam es dazu und wie läuft das so ab vor Ort?

Dirk: Wir haben damals im Schmidt Theater gespielt und irgendwann damit angefangen, eigene Programme zu schreiben. Wir sind dann von einem Agenten angesprochen worden, der für ein 5-Sterne-Hotel auf Mallorca einen Act für sieben Monate suchte. Das haben wir dann gemacht und die Chance genutzt, Sachen auszuprobieren, haben auf Spanisch, Englisch, Deutsch, Französisch gesungen, Zaubertricks vorgeführt, Comedy gemacht und uns auch nonverbal versucht, weil wir es mit einem internationalen Publikum zu tun hatten. Das ging alles ganz gut auf und als dann die ersten Anfragen für Kreuzfahrtschiffe kamen, waren wir recht zuversichtlich, dass uns auch das gelingen könnte.

Knut: Das war noch die gute alte Zeit der Kreuzfahrt, in der es nur eine Handvoll Schiffe gab, die sowas machten. Das Geschäft heute kann man überhaupt nicht mit dem Luxus von damals vergleichen. Als Künstler hatten wir echten Passagierstatus, eine Show pro Woche und die Leute haben sich drauf gefreut. Das hat sich heute alles geändert.

Dirk: Heute müssen die Mitglieder irgendwelcher Entertainment-Ensembles bei der Einschiffung mitmachen, jeden Tag 10 Minuten am Pool singen, nach der Show Hände schütteln, in irgendwelchen Bars nach Mitternacht noch ein Special machen und so weiter. Das ist uns alles erspart geblieben. Stattdessen eine Show gemacht, dreiviertel Stunde Arbeit einmal die Woche, dazu noch eine 10-minütige Welcome-Show und zack, das war’s und auf zum nächsten Engagement.

Knut: Drei Jahre sind wir so über die Meere geschippert und haben wirklich fast alles gesehen, was man mit einem Kreuzfahrtschiff sehen kann. Das war ein großes Privileg. Erst jetzt aus der Rückschau wissen wir zu schätzen, was wir da bekommen haben.

 

Top Magazin: Und dann hattet ihr aber irgendwann keine Lust mehr, auf Weltreise zu gehen.

Dirk: Genau, dann wollten wir mal woanders hin. Man muss sich das so vorstellen: Wir sind am einen Tag 16 Stunden nach Buenos Aires geflogen, von wo aus es für 2 ½ Wochen in die Antarktis ging, dann wieder mit dem Flugzeug zurück, eine Woche zuhause, dann auf nach Osaka, zwei Wochen auf dem Schiff, von dort nach Neuseeland und so weiter und so weiter. Irgendwann ist das einfach echt anstrengend.

Knut: Und es ist etwas völlig anderes, ob man in einem Theater auftritt, wo die Leute ein Ticket gekauft haben und sich darauf freuen, einen zu sehen, oder ob man in einer Schiffslounge spielt, wo die Leute eigentlich gar nicht wissen, was sie erwartet. Da gehen sie dann hin, gucken, ob sie etwas damit anfangen können, und wenn nicht, ziehen sie eben weiter zur Bar. Obwohl: Bei uns sind natürlich alle immer sitzen geblieben.

Dirk: Meistens jedenfalls. Es gab aber auch Künstler, die mit Aschenbechern beworfen wurden. Das mussten wir zum Glück nicht erleben.

 

Top Magazin: Und dann habt ihr Rio gegen Neumünster getauscht und wart mehrere Jahre auf dem Festland unterwegs.

Dirk: Dann haben wir Rio gegen Neumünster getauscht, aber diese Geschichte erzählen wir nur in der Show. Wer da also Genaueres wissen will, muss schon vorbeikommen. Jedenfalls sind wir danach dann eine Weile auf Tournee gegangen und haben erfolgreich Gastspiele absolviert, aber auch das war irgendwann für uns erschöpft.

Knut: Wir haben Tourneen gemacht mit 30 Städten in 30 Tagen, und das schlaucht einfach mit der Zeit. Da steckt man dann so drin wie in einem Hamsterrad. Wir wollten einfach mal irgendwo zuhause ankommen und dann auch dableiben.

Dirk: Hinzu kommt, dass man immer auf die Gunst anderer angewiesen ist, um ein Engagement zu bekommen. Andauernd muss man irgendwelchen Idioten und Intendanten gefallen, denen man eigentlich nicht gefallen will, und dazu hatten wir ab einem bestimmten Punkt keine Lust mehr.

 

 

Top Magazin: Kann man sagen, ihr wolltet euch als Künstler emanzipieren?

Dirk: Natürlich haben wir populäre Sachen gemacht, von denen wir einigermaßen sicher waren, dass sie ankommen. Aber künstlerisch waren wir schon immer unsere eigenen Herren. Dann allerdings ein Haus eigenständig zu führen, mit allen Konsequenzen, wo jede Fehlentscheidung sofort Auswirkungen auf Mitarbeiter und Finanzen haben kann, das ist natürlich noch mal was ganz anderes. Aber wir waren nach 15 Jahren einfach bereit dazu. Und zum Glück hat es ja auch funktioniert.

 

Top Magazin: Warum ist es ausgerechnet so etwas Ungewöhnliches wie ein Spiegelzelt geworden?

Knut: Wir haben tatsächlich erst nach einer Immobilie gesucht, aber irgendwie hat es nicht sollen sein. Dann waren wir irgendwann in Edinburgh und standen auf einmal in diesem Spiegelzelt, sahen zu, wie die Schotten Fish and Chips aßen, und dachten beide unabhängig voneinander, vielleicht ist das was für uns in Bonn.

Dirk: Ich habe dann sofort am Abend recherchiert, wo man so etwas kaufen kann, und damit war es praktisch beschlossene Sache. Wir haben dann die belgische Familie Klessens besucht, die das seit 100 Jahren macht, und von da aus ging es auf Grundstücksuche, in die Gespräche mit der Stadt, und was sonst noch so alles anfällt. Das hat nochmal zwei Jahre in Anspruch genommen, aber am Ende konnten wir dann tatsächlich unser eigenes Theater eröffnen.

 

Top Magazin: Jetzt seid ihr ja unabhängig von eurer Tätigkeit als Theatermacher wahnsinnig stark im Bonner Karneval engagiert. Ist das Kalkül?

Dirk: Nein, das ist Spaß und gute Laune. Natürlich wird nach der Prinzenproklamation noch ein bisschen Palaver gemacht und die eine oder andere Businesskarte ausgetauscht. Es ist also bestimmt nicht schadhaft, im Karneval unterwegs zu sein, aber ich glaube, die Leute merken schon, dass wir das mit Freude machen. Ich bin ja aus Norddeutschland und kann mich gar nicht so gut verstellen, dass man denken würde, ich mag den Karneval, wenn dem in Wahrheit gar nicht so wäre.

 

Top Magazin: Gerade als Schauspieler ist es ja eher schwer, sich zu verstellen.

Dirk: Genau, absolutely. Aber nein, das macht natürlich schon großen Spaß und wir sind da im Karneval auch richtig angekommen.

 

Top Magazin: Ihr habt sogar mal die Traditionsveranstaltung „Loss mer singe“ bei euch im Theater veranstaltet. Aber nicht klassisch, sondern ganz anders.

Knut: Genau, wir haben keine Band bei uns im Palast gehabt, die ihre neuen Sessionslieder vorstellt, sondern wir selbst haben unsere Lieblingskarnevalsschlager zum Besten gegeben. Das hat den Leuten besonders gut gefallen, weil sie eben alle Lieder kannten und von vorne bis hinten mitsingen konnten.

Dirk: Von vorne bis hinten war noch Suppe da. Und das hat echt riesig Spaß gemacht.

 

Top Magazin: Also Karneval. Was liebt ihr denn sonst noch an Bonn? Was sind zum Beispiel eure Lieblingsplätze?

Dirk: Wir sind total gerne am Rhein. Manchmal gehen wir anderthalb Stunden vom Rheinhotel bis zur Oper. Den Weg da runter, den finde ich gigantisch, hinten an der Villa Hammerschmidt vorbei und den ganzen anderen schönen Gebäuden. Auch die rechte Rheinseite mit dem Drachenfels finden wir richtig toll. Die Lebensqualität hier hat etwas eigenes, weil die Stadt nicht so groß ist und man relativ schnell Leute kennenlernt, wenn man das will. Bonn hat einfach eine übersichtliche Gemütlichkeit, die wir mögen.

 

Top Magazin: Ihr habt ja im Grunde die ganze Welt gesehen und dabei mit so vielen unterschiedlichen Menschen und Nationen zu tun gehabt: Was würdet ihr sagen, macht den Bonner als Bonner im Vergleich zu allen anderen aus?

Dirk: Ich glaube man kann sagen, die Leute hier sind vor allem einfach nett. Manche leben zwar immer noch so, als wäre Bonn weiterhin Hauptstadt, aber dass das vorbei ist, könnte man ihnen ja mal sagen. Ansonsten ist der Rheinländer echt gemütlich, lustig und manchmal auch melancholisch, aber trotzdem irgendwie offen.

Knut: Wir mögen die vielen sehr betagten Diplomatenfrauen, die mit ihren riesigen Kisten noch durch die Straßen fahren. Viele von ihnen sehen wir dann auch bei uns im Theater wieder. Das ist irgendwie lustig und originell. Sowas gibt es nur in Bonn.

 

Top Magazin: Also kann man sagen, ihr wollt hier nicht mehr weg. Ihr bleibt hier.

Dirk: Wir bleiben auf jeden Fall hier.

 

Top Magazin: Das heißt, ihr müsst ja für die Zukunft planen. Wir lange denkt ihr da im Voraus?

Dirk: Ach, wir haben eigentlich immer alles im Kopf, manchmal wird es einfach nur durcheinandergeworfen, wenn zum Beispiel gerade mal ein Virus die Welt erobert. Da muss man halt ein bisschen schieben, aber im Prinzip wissen wir, was wir als Nächstes machen wollen. Drei, vier oder sechs verschiedene Shows haben wir bereits fertig. Wir müssen sie nur noch schreiben.

 

 

Artikel von www.top-magazin.de/bonn