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Karneval „em Hätze“

Ein so facettenreiches Fest wie der Karneval lässt sich nicht so einfach absagen. Allerdings sind Feiern, Schun- keln und Bützchen zu Zeiten einer Pandemie undenkbar. Marlies Stock- horst, Präsidentin des Festausschusses Bonner Karneval, über eine Session mit drastischen Einschränkungen.


 

Top: Zur Sessionseröffnung am 11.11. haben Sie die Bonner Jecken gebeten, zu Hause zu bleiben. Mit Karneval „em Hätze“. Wie haben Sie den Tag verbracht?

Marlies Stockhorst: Ruhig, aber schön! Gemeinsam mit meinem Mann habe ich die Vergangenheit Revue passieren lassen. Viele schöne Erlebnisse kamen in Erinnerung.

Top: Welche zum Beispiel?

Marlies Stockhorst: Auf dem Bonner Marktplatz war es immer ein besonderes Ereignis, wenn sich unser Ex-Prinz Georg Dauben mit seinem Freundeskreis trommelnd näherte. Vorher hatten alle im Hilton gefrühstückt und sich singend in Stimmung gebracht, um dann mit viel Tam-Tam auf den Marktplatz zu ziehen. Gerne erinnere ich mich auch an die Emotionen der jeweiligen Tollitäten auf der Rathaustreppe. Trotz aller Vorbereitungen liegen die Nerven plötzlich blank. Die designierten Tollitäten spüren Adrenalin pur.

 

»Gefeiert wird nicht. Alles weitere müssen wir immer sehr kurzfristig entscheiden und den geltenden Vorsichtsmaßnahmen anpassen.«

 

Top: In diesem Jahr gab es weder Trommeln noch Adrenalinstöße. Auch Sitzungen, Bälle und Umzüge in ihrer üblichen Form müssen in Zeiten der Pandemie leider ausfallen. Wie könnte eine Session unter Corona-Bedingungen aussehen?

Marlies Stockhorst: Gefeiert wird nicht. Alles weitere müssen wir immer sehr kurzfristig entscheiden und den geltenden Vorsichtsmaßnahmen anpassen. Am 11.11. haben wir die Menschen zum Beispiel per Videobotschaft mit einer Spur Gänsehaut erfreuen und emotional berühren können.

Top: Sind bereits kreative Alternativen angedacht?

Marlies Stockhorst: Unsere Gesellschaften haben sich schon einige virtuelle Begegnungen überlegt. Die EhrenGarde der Stadt Bonn führt zum Beispiel einen virtuellen Talk der Cadetten, bei dem auch Prinz Marco I. Wiese und Bonna Nadine I. Klein einbezogen werden. Formate wie dieses wird es sicher öfter geben. Der Festausschuss Bonner Karneval setzt auch auf die kleinen Gesten. So konnten wir am 11.11. einige Menschen mit dem Mottoschal überraschen.

Top: Wie werden Sie persönlich Karneval feiern?

Marlies Stockhorst: Wir pflegen die Nostalgie, schwelgen in Erinnerungen und lassen andere daran teilhaben. Den Menschen auf anderem Wege eine Freude zu machen, ist mir besonders wichtig. Über die sozialen Medien eröffnen sich Möglichkeiten der Teilhabe. Hier können wir vielleicht einige interessante Einblicke geben.

 

»Tief im Herzen sind wir auch auf Abstand vereint!«

 

Top: Wie wird die Session für Prinz und Bonna aussehen?

Marlies Stockhorst: Begonnen hat sie virtuell. Am 11.11. haben Prinz und Bonna digitale Botschaften an mehrere Karnevalsgesellschaften gesendet. Für das Bonner Prinzenpaar ist es eine sehr lange Vorsession, denn wir werden sie erst im Januar 2022 nach ihrer Proklamation im Ornat sehen. Ich bin beiden sehr dankbar, dass sie sich in diesen ungewissen Zeiten engagieren.

Top: Wie schätzen Sie die Stimmung in den Karnevalsgesellschaften ein?

Marlies Stockhorst: Alle wissen, dass der Verzicht jetzt notwendig und vernünftig ist und freuen sich umso mehr auf 2021/22.

Top: Was möchten Sie den Bonner Jecken mitgeben?

Marlies Stockhorst: Ich war sehr stolz, dass sich in Bonn alle Karnevalisten am 11.11. so diszipliniert verhalten haben – natürlich auch in anderen Städten. So konnten wir zeigen, dass wir uns der Verantwortung sehr bewusst sind. Tief im Herzen sind wir auch auf Abstand vereint!

Artikel von www.top-magazin.de/bonn