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„Bonn braucht den Wechsel“

… bekräftigte Katja Dörner im Kampf um den Posten des Bonner Stadtoberhaupts. Die Mehrheit der Wähler stimmte ihr zu und machte im Rahmen der Stichwahl im September ihr Kreuzchen bei der Grünenpolitikerin. Top Bonn gratuliert der neuen Oberbürgermeisterin und widmet ihr ein Porträt.


Katja Dörner
…als Person

Aufgewachsen im kleinen Westerwalddorf Steinebach-Sieg, beschreibt Katja Dörner ihre Kindheit auf dem Dorf wie ein Leben in Bullerbü: „Wald, Wiese und der Ackergaul Steffi auf der Weide neben unserem Haus waren die Koordinaten.“ Nach der Schule, Mitte der 1990er Jahre, lockte sie die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität nach Bonn. Sie studierte Politikwissenschaften, Öffentliches Recht und Literaturwissenschaften, zwischenzeitlich auch in York und Edinburgh.

Ihrer Wahlheimat Bonn ist sie – mit zwei kleinen Unterbrechungen – treu geblieben. Hier lernte sie ihren Mann Till kennen, mit dem sie seit 2003 verheiratet ist. Mit ihm sowie dem gemeinsamen Sohn Theo wohnt Katja Dörner im Bonner Norden. „Neben unserer Katze bevölkern ungezählte Frösche, Lurche und Fische unseren kleinen Garten(teich).“

 

Bonns neue Oberbürgermeisterin Katja Dörner kommt zum Dienstantritt im Stadthaus mit dem Fahrrad.

…als Politikerin

Ihre politische Karriere startete Katja Dörner 2001 bei der grünen Fraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen. 2009 wurde sie Mitglied des Deutschen Bundestages, 2013 stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion ihrer Partei. Und nun: Oberbürgermeisterin der Bundesstadt Bonn. „Zehn Jahre habe ich im Deutschen Bundestag für Bonn gearbeitet. Diese Erfahrung werde ich nutzen und Verantwortung im Bonner Rathaus übernehmen“, sagt sie. „In Berlin werden Gesetze beschlossen, die konkrete Zukunft gestalten wir aber hier.“ Ihr Interesse an Politik führt Katja Dörner auf ihre Familie zurück, in der viel über politische Themen diskutiert wurde. „Trotz – oder vielleicht eher wegen – meiner Westerwälder Heimat, in der Ende der 90ziger gut und gerne immer noch 60 Prozent der Leute CDU wählten, habe ich schon als Jugendliche große Sympathien für grüne Politik gehabt“, erinnert sich die Wahl-Bonnerin. „Ausgangspunkt für mein politisches Engagement war stets der Wunsch, ein selbst bestimmtes Leben führen zu können – für mich selbst und für andere.“ Freiheit und Solidarität in einen gesunden Ausgleich zu bringen – diesen Anspruch habe sie nur bei den Grünen verwirklicht gesehen. „Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt“ – die Grünen-Parole von einst hat Katja Dörner tief beeindruckt. Sie bleibt bis heute Leitsatz ihrer Politik.

 

…als Bonnerin

Im Herzen ein Westerwälder Mädel, bricht die Rheinländerin in Katja Dörner immer mehr hervor – nicht zuletzt als leidenschaftliche Karnevalistin, die von Weiberfastnacht bis Veilchendienstag für wenig anderes ansprechbar ist. „Nicht nur damit ist Bonn längst mein Zuhause geworden“, sagt sie. „Die Stadt bietet mit der Natur an und abseits des Rheins unheimlich viel Lebensqualität. Bonn ist international, weltoffen und bunt, aber eben auch nicht zu groß und so herrlich vertraut. Ob in der Hängematte in meinem Garten, in den Siegauen oder am Spielplatz auf der Waldau – ich fühle mich hier wohl und freue mich, als Oberbürgermeisterin daran zu arbeiten, unser aller Weg in das Bonn der Zukunft zu gestalten.“

 

 

„Ich möchte nicht nur ein wirtschaftsfreundliches Klima in Bonn, sondern eine klimafreundliche Wirtschaft.“

 

Bonns neue Oberbürgermeisterin Katja Dörner in ihrem neuen Büro.

Katja Dörners Kernthemen im Wahlkampf, die es nun anzupacken gilt:

Klimaschutz
„Unsere Generation ist gegenüber unseren Kindern und Enkeln verpflichtet, gute Lebensgrundlagen zu hinterlassen. Ich bin überzeugt: Bonn hat als Sitz des Klimasekretariats der Vereinten Nationen die Möglichkeit, lokale Vorreiterin im globalen Einsatz für konsequenten Klima- und Umweltschutz zu werden.“

 

Mobilität
„Grüne Mobilitätspolitik in Bonn heißt: klimafreundliche, stressfreie und barrierefreie Mobilität für alle. Sie heißt: mehr öffentlichen Raum für die Menschen und den abgasfreien Verkehr. Überall in Bonn stockt der Verkehr, aber das Bonner Stauproblem lösen wir nicht mit mehr Straßen. Es gilt: Vorfahrt für Menschen, die zu Fuß gehen und das Fahrrad nutzen!“

 

Wohnen
„Wenn Menschen mit kleiner Rente oder Familien mit mehreren Kindern sich das Wohnen in der Stadt nicht mehr leisten können, dann muss die Politik handeln. Wir müssen wieder gemeinwohlorientiert bauen und dabei Mobilität, Nahversorgung, Kindergärten und Schulen sowie Naherholung in den Blick nehmen.“

 

Zusammenhalt
„Nur wenn es in Bonn gerecht zugeht, haben wir die Kraft, die großen Herausforderungen in unserer Stadt zu meistern. Herabsetzung und Benachteiligung aufgrund von Alter, Armut, Behinderung, sexueller Identität oder Geschlecht müssen der Vergangenheit angehören. Rechtsextremem und demokratiefeindlichem Gedankengut trete ich in aller Deutlichkeit entgegen.“

 

Kinder und Familie
„Kinder und Jugendliche stehen im Mittelpunkt meiner Politik. Sie alle haben ein Recht auf ein gutes Aufwachsen und auf Unterstützung, die hierfür nötig ist. Kinder und Jugendliche werde ich an allen Entscheidungen der Stadt, die sie betreffen, beteiligen. Dass es in einer reichen Stadt wie Bonn einen großen Anteil armer Kinder gibt, ist ein Skandal, den ich beenden möchte.“

 

Wirtschaft
„Bonns wirtschaftlicher Erfolg beruht auf einem attraktiven Mix von Großunternehmen über Mittelstand, Solo-Selbstständige bis hin zu Start-ups. Für mich ist klar: Vielfalt fördert Fortschritt, Ideen und Innovationen und sichert den Wirtschaftsstandort. Ich möchte aber nicht nur ein wirtschaftsfreundliches Klima in Bonn, sondern eine klimafreundliche Wirtschaft.“

 

Kultur und Sport
„In Zeiten der Corona-Krise stehe ich verstärkt ein: für ein offenes und zukunftsorientiertes Kunst- und Kulturleben. Für ein breites kulturelles Bildungsangebot, das allen Bürgerinnen und Bürgern zugänglich ist. Gleichzeitig hat Sport in unserer Stadt einen besonderen Stellenwert. Das will ich erhalten und ausbauen.“

 

Internationales und Digitales
„Bonn hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer internationalen Bundesstadt entwickelt. Hier haben renommierte Wissenschaftsinstitutionen und Forschungseinrichtungen ihren Sitz. Diese Entwicklung will ich stärken. Ich setze auf eine intelligente Stadt der Zukunft, die digitalen Fortschritt zu nutzen weiß, ohne den Datenschutz außer Acht zu lassen.“

 

Büro mit Aussicht: Von ihrem neuen Arbeitsplatz im Stadthaus hat Katja Dörner einen schönen Teil „ihrer Stadt“ im Blick.

 

Artikel von www.top-magazin.de/bonn