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Nachgefragt

Die RTL-Moderatorin und Wahl-Rheinländerin Katja Burkard ist eine Frau mit vielen Gesichtern.


 

Die RTL-Moderatorin und Wahl-Rheinländerin Katja Burkard ist eine Frau mit vielen Gesichtern. Während ihres Studiums der Politikwissenschaften und Germanistik in Köln schrieb sie auch für das Top Magazin Köln. Unter anderem über die Geschichte vom Zirkus Roncalli. Nach ihrem Studium volontierte sie beim Bastei-Verlag. Danach ging‘s direkt weiter zu RTL als Reporterin und für die News-Redaktionen von Punkt 6 bis RTL-Nachtjournal. Seit 1997 moderiert sie das RTL-Mittagsmagazin PUNKT 12. Hin und wieder tritt sie auch in Gastrollen als Schauspielerin auf – zum Beispiel bei GUTE ZEITEN, SCHLECHTE ZEITEN. Die Journalistin überrascht aber auch immer wieder als Autorin. Wenn die Mittfünfzigerin die Feder schwingt, kommt stets sehr Menschliches und Befreiendes heraus.

 

 


 

Ihr neustes Werk „Wechseljahre? Keine Panik!“ liest sich unterhaltsam wie ein Erfahrungsbericht und ist informativ wie ein Gesundheitsratgeber. Der Untertitel „Meine 10 Geheimnisse, wie Sie auch bei Hitzewallungen cool bleiben“ macht neugierig. Top Magazin hat bei der attraktiven Prominenten nachgefragt und Erstaunliches erfahren.

 


 

 

Punkt 12-Moderatorin Katja Burkard

 

 

Top: Sie sind ein kreatives Allround-Talent der Unterhaltungsbranche und erfüllen die unterschiedlichsten Rollen. Auch als Schauspielerin und Autorin überraschen Sie immer wieder – zwei Kinderbücher sind Ihrer Feder entsprungen und aktuell 2019 „Wechseljahre? Keine Panik!“ Wie kam es überhaupt zu Ihrem schriftstellerischen Ehrgeiz? Erzählen Sie uns von Ihrem Schlüsselerlebnis!

Katja Burkard: Ich bin Journalistin und von daher ist Schreiben, Beobachten und Fragen stellen mein Job. Als ich 2015 in die Wechseljahre kam, war ich zunächst wie vom Donner gerührt und wusste erst überhaupt nicht, woher meine Stimmungsschwankungen kamen. Ich hatte NICHT das typischste Wechseljahressymptom – die Hitzewallungen – und bin deshalb monatelang nicht darauf gekommen, was mit mir los ist. Das dämmerte mir erst nach einem einschneidenden Erlebnis auf einem Zebrastreifen in Köln. Ich bin da ohne richtig zu gucken drüber gehuscht und habe dadurch eine Frau in einem Auto gezwungen, eine Vollbremsung zu machen. Die war wahnsinnig sauer auf mich, stieg aus dem Auto aus, brüllte mich an und meinte: Ich sei eine blöde Kuh, die blind durch die Gegend laufe! Ich war völlig verdattert, und so ging es auch der kleinen Menschenmenge, die sich rings um den besagten Zebrastreifen versammelt hatte. Die Frau schrie immer weiter und schwitzte und geriet in Rage. Irgendwann meinte einer der Zaungäste in schönstem Kölsch zu mir: Mach dir nix draus, Mädsche. Dat is ene Furie in de Wechseljahre… Und da dachte ich: Bingo, das bin ich auch! Ich ging zwei Tage später zum Arzt, und der bestätigte das auch: Herzlichen Glückwunsch!

Wenn ich als Journalistin schon so lange nicht kapiere, was die Wechseljahre sind, geht es anderen Frauen bestimmt ähnlich, habe ich mir gedacht und von vielen Frauen auch zu hören bekommen. So entstand die Idee zu meinem Buch. Und das habe ich dann ehrlich und ungeschönt geschrieben…

Top: Hatten Sie keine Bedenken, so ein für viele Frauen negativ assoziiertes Thema aufzugreifen? Gab es Gegenwind?

Katja Burkard: Doch, die Bedenken hatte ich. Im Rahmen meiner Recherchen merkte ich nämlich, dass Wechseljahre auch in den zweitausender Jahren noch immer ein Tabu-Thema sind. Frauen trauen sich kaum, darüber zu sprechen, weil sie Angst haben, dann nicht mehr als jugendlich frisch betrachtet zu werden. Gegenwind gab es dann überhaupt nicht, sondern ein wirklich ausschließlich überwältigend positives Feedback. Das Schönste: Viele Frauen haben mir gesagt und geschrieben, dass man dank meines Buches endlich schamfrei über die Wechseljahre sprechen könne. Das war mein Ziel, und das macht mich wirklich glücklich.

Top: Ihre 10 Geheimnisse, wie Sie auch bei Hitzewallungen cool bleiben, machen vor keiner vermeintlich peinlichen Frage Halt. Aus welcher Motivation heraus bringen Sie den Mut auf, so etwas öffentlich zu thematisieren?

Katja Burkard: Ich weiß nicht, was peinlich an Hormonschwankungen sein soll. Wenn wir schwanger sind, sprechen wir den ganzen Tag über nichts anderes. In den Wechseljahren passiert quasi etwas ähnliches und dann ist es plötzlich peinlich? Peinlich ist nur, dass wir Frauen uns auch in unseren „modern times“ tatsächlich noch nicht trauen, die Bedürfnisse unseres Körpers anzuerkennen. Frauen, die wissen, was mit ihnen los ist, können was dagegen tun und sind meistens nach einer Woche Therapie ihre Symptome los.

Top: Überhaupt sind Sie in den Medien sehr offen und erzählen viel Privates. Dieses Urvertrauen, vielleicht das Vertrauen auf das Gute im Menschen – wie haben Sie sich das bewahrt?

Katja Burkard: Ich habe ein ehrliches Buch geschrieben und dazu gehörte für mich auch, aufzuschreiben, dass meine Beziehung unter meinen Wechseljahren in eine Schieflage geraten ist. Das hat nichts zu tun mit dem Glauben an das Gute im Menschen (den ich übrigens tatsächlich habe) – ich habe mich dazu bekannt, dass ich als Frau in der Öffentlichkeit die gleichen Probleme habe wie die meisten anderen Frauen auch. Daran kann ich nichts Verwerfliches finden. Ich mache ja keine Homestorys oder präsentiere meine Kinder in den Medien.

Top: Sind Sie schon einmal mit negativen Reaktionen zu dieser Offenheit konfrontiert worden und wie begegnen Sie diesen?

Katja Burkard: Ich habe nur positive Reaktion bekommen. Mir schreiben tatsächlich immer noch jeden Tag Frauen und sagen mir, wie sehr meine Tipps ihnen geholfen haben. Wenn es negative Reaktionen gab, sind sie mir nicht zu Ohren gekommen. Aber selbst wenn, wäre das kein Problem für mich. Ich stehe seit 25 Jahren in der Öffentlichkeit und da liebt einen nicht jeder.

Top: Würden Sie den Kommentar von Charlotte Roche zu ihrem Skandalroman „Feuchtgebiete“ für sich auch unterschreiben? „Ich fordere einen offenen und weniger verkrampften Umgang mit der Sexualität und dem eigenen Körper?“ Was ist Ihr zentrales Anliegen Ihr Buch betreffend?

Katja Burkard: Ich habe eine komplett andere Message als Charlotte Roche, aber in dem Punkt stimme ich ihr zu. Mein Anliegen war: Lasst uns über die Wechseljahre endlich sprechen! Wir Frauen sitzen alle im selben Boot und nur wenn wir unseren Körper kennen, können wir ihn verstehen und dann auch ohne Nervenzusammenbrüche, schlaflose Nächte und schweißgebadet durch die Wechseljahre kommen. UND: Die Wechseljahre sind in Wirklichkeit ein großes Geschenk! Das versteht man aber erst, wenn einem klar wird, welche Kraft sie haben.

Top: Kratzbürste vs. Soulsister – was verbirgt sich hinter dem Zitat?

Katja Burkard: Ich wünsche mir, dass wir Frauen endlich solidarischer miteinander umgehen. Wir erleben doch mehr oder weniger alle die gleichen Höhen und Tiefen. Deshalb lieben wir ja auch unsere Freundinnen so sehr. Die verstehen uns, die verurteilen uns nicht. Die unterstützen uns. Männer quatschen nicht so viel miteinander, aber sie networken schon besser als wir Frauen. Das müssen wir auch tun!

Top: In den Sozialen Medien bekommen Sie Rückmeldungen zu Ihrem 240-seitigen Werk – welche hat Ihnen bisher am meisten bedeutet?

Katja Burkard: Viele Frauen haben mir geschrieben, dass sie durch mein Buch erkannt haben, was mit ihnen los ist, dann zum Arzt gegangen sind und schnell wieder ins Lot kamen. Ich freue mich mit jeder einzigen! Neulich bei einer Lesung kam eine zu mir, die sogar sagte, mit meinem Buch hätte ich ihr Leben gerettet, weil sie dachte, sie wäre verrückt, jetzt aber ihr altes Leben zurück hat und glücklich ist. Mehr geht nicht. Ich bin unendlich dankbar, dass ich offenbar vielen Frauen helfen konnte.

Top: Haben Sie schon ein neues Projekt in Planung? Wo sehen Sie sich in der Zukunft?

Katja Burkard: Ja… ich arbeite bereits an einem neuen Konzept für ein Buch. Mehr möchte ich aber im Moment dazu noch nicht sagen. Was meine Zukunft angeht, bin ich gelassen: Ich liebe nach wie vor meinen Job bei PUNKT 12, es gibt neue, spannende Projekte. Ich bin sehr dankbar für mein schönes und erfülltes Leben…

Artikel von www.top-magazin.de/bonn