Genuss

Tee – das beste Getränk der Welt?

Tee ist farbenfroh, schmeckt immer anders, wärmt, kühlt, lindert Herzschmerz, heilt kleine Wehwehchen, hilft beim Abnehmen, schützt vor Karies, macht den Geist munter und die Haut schön. Tee ist ein wahrer Allrounder und ein richtiges Naturtalent. Nicht umsonst ist Tee neben Wasser das am meisten konsumierte Getränk der Welt – und das schon seit über 5.000 Jahren.


 

Ganz einfach gesagt ist Tee ein heißes Aufgussgetränk, das aus unterschiedlichen Teilen verschiedener Pflanzen zubereitet wird. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Der Anbau, die Ernte und die Herstellung von Tee sind genauso komplex wie die richtige Zubereitung. Doch fangen wir einmal von vorne an.

 

Die Legende des Tees

Einer chinesischen Legende nach fing alles an einem Frühlingsabend im Jahr 2737 v. Chr. an. An diesem Abend saß der chinesische Kaiser Shen Nung nach einer langen Reise unter einem Baum und kochte Wasser ab, um seinen Durst zu löschen, da wehte der Wind ein paar Blätter in sein Wasser. Das Wasser verfärbte sich hellgrün und ein angenehmer Duft stieg aus dem dampfenden Kessel auf. Der Kaiser probierte das Getränk und fand es köstlich. Er fühlte sich erfrischt und belebt von dieser fremdartigen Mischung. Der Baum war ein wilder Teebaum, der Geschmack seiner Blätter so gut, dass der Tee an diesem Abend geboren war.

Die Erfindung des Teebeutels, ein glattes Versehen

In den folgenden Jahrhunderten wurde der Tee vor allem in den asiatischen Ländern populär, die Zubereitung perfektioniert und von Weltumseglern, Entdeckern und Eroberern in die ganze Welt transportiert. Kaum zu glauben, dass erst 1908 der dazu passende Teebeutel „aus Versehen“ erfunden wurde. Der Teehändler Thomas Sullivan füllte den Tee in kleine Seidenbeutel, um ihn an seine Kunden zu schicken. Diese gaben den Tee praktischerweise gleich samt Beutel in ihre Teetasse, in dem Glauben, dies sei von ihrem Teehändler so vorgesehen. Nach über 100 Jahren Teebeutel ist es inzwischen schon wieder in, den Tee ohne Beutel zuzubereiten.

Tee in tausend Variationen

Doch was macht Tee eigentlich so besonders? Obwohl die klassischen Tee-Sorten alle von der gleichen Pflanze stammen, der Camellia Sinensis, schmecken doch alle anders und bieten eine breite Palette an Geschmacksnuancen: Sie reichen von blumig-weich bis kräftig-herb. So gibt es für jeden Gaumen das passende Lieblingsaroma. Ausschlaggebend für Aroma und Güte des Tees sind neben der Pflanze selbst vor allem das Anbaugebiet, Klima und die Bodenbeschaffenheit, die Lage, Erntezeit und die Verarbeitung. Der Verarbeitungsprozess entscheidet auch, welche Teesorte entsteht. Neben den beiden bedeutendsten Sorten, dem Schwarzen und dem Grünen Tee, gibt es noch eine Vielzahl von Spezialitäten wie Oolong Tee, Weißen Tee, Gelben Tee und Rooibos Tee. Jede Teesorte hat seine ganz individuellen Eigenschaften.

Schwarzer Tee – die gesunde Alternative zu Kaffee

Als Alternative zum Kaffee ist der schwarze Tee aufgrund seiner Wirkung weltweit die beliebteste Teesorte. Die Blätter werden nach der Ernte gewelkt, gerollt, fermentiert, getrocknet und sortiert. Bei der Fermentierung werden die grünen Teeblätter schwarz. Je nach Verarbeitung entstehen so die bekannten Schwarzteesorten Assam, der liebliche Darjeeling und der fruchtig-herbe Ceylon. Bei entsprechender Zubereitung wirkt der schwarze Tee anregend und konzentrationsfördernd. Das enthaltene Koffein wird langsamer als beim Kaffee vom Körper aufgenommen, da die Gerbstoffe, an die das Koffein gebunden ist, sich erst im Darm lösen. Damit Schwarztee nicht bitter schmeckt, verlangt auch dieser bei der Zubereitung eine bestimmte Ziehzeit. Möchte man eine anregende Wirkung erzielen, sollte man den schwarzen Tee nicht länger als zwei bis drei Minuten ziehen lassen. Ist jedoch eine beruhigende Wirkung gewünscht, sind fünf Minuten Ziehzeit angebracht.

Schlank mit grünem Tee

 

 

Der Grüne Tee unterscheidet sich vom schwarzen Tee durch die Art und Weise der Herstellung. Grüner Tee wird, im Gegensatz zum schwarzen Tee, nicht fermentiert. Das Rösten oder dämpfen des Blattguts verhindert die Fermentation, die grüne Farbe der Blätter bleibt erhalten. Aus der Art der Verarbeitung, des Anbaus und der Herstellung entstehen die Grüntee-Klassiker Sencha, Matcha, Darjeeling und Assam. In Asien ist der grüne Tee besonders beliebt, denn er steigert das gesundheitliche Wohlbefinden und hilft beim Abnehmen. Die Wirkstoffe in den grünen Teeblättern regen den Stoffwechsel an und begünstigen Entschlackungsprozesse. Wichtige Vitamine und Spurenelemente wirken positiv auf Körper und Geist und bringen den Körper ins Gleichgewicht.

Weißer Tee – der König unter den Tees

Der Weiße Tee wird ausschließlich in China angebaut und hat weiß-silbrige, weiche, flaumige Knospen und zählt zu den ganz besonderen Teesorten. Die besonderen Teesträucher wachsen in der südchinesischen Provinz Fujian, die Erntezeit ist auf zwei Tage im März begrenzt. Nach der Ernte werden die Blattknospen in der Morgensonne ausgebreitet, so dass der Tee einige Stunden in der Sonne trocknen kann. Im Gegensatz zu anderen Teesorten wird er nicht mit Maschinen verarbeitet und ist daher besonders naturbelassen und kostbar. Durch seinen hohen Vitamin B1 Gehalt wirkt weißer Tee besonders förderlich bei Depressionen und Kopfschmerzen. Das enthaltene Methylxanthin weitet die Bronchien bei Erkältung und mindert Migräne. Zu guter Letzt straffen die Flavonide in den Teeblättern die Haut, die Collagenproduktion wird angeregt.

Oolong Tee – Selbst für Teekenner ein Wunder

Während die Ränder sich eher schrumpelig und schwarz zeigen, ist das Blattinnere grün und fast noch glatt. Die extravagante Blattform ist das optische Markenzeichen des Oolong Tees (gesprochen Ulong Tee). Geschuldet ist dieses Augenmerk dem speziellen Oxidationsprozess, bei dem lediglich die Blattränder mit Sauerstoff reagieren und die Blätter nur halb fermentiert werden. Je nach Länge des Oxidationsprozesses erinnert Oolong Tee eher an Schwarz- oder eben eher an Grüntee – auch für Kenner immer wieder eine Überraschung. Bei qualitativen Sorten ist es möglich, mehrere Aufgüsse durchzuführen. Der erste Aufguss braucht bis zu vier Minuten, während die darauffolgenden länger ziehen sollten (circa 5 und sogar 7 Minuten sind erlaubt). Die mehreren Aufgüsse sind recht praktisch, da der Tee eine ausgesprochen positive Wirkung auf den Körper hat: Oolong Tee regt die Produktion fett-spaltender Enzyme sowie die Stoffwechselaktivität im Körper an. Noch interessanter als diese Schönheitswirkung des Oolong Tees sind die in ihm enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe. Von ihnen geht eine hohe anti-oxidative Wirkung aus, so dass sie als Anti-Aging-Wunder bekannt sind.

Das ganze Jahr fit mit Kräutertees

Der Kräutertee ist im Grunde kein richtiger Tee, da er nicht aus dem Teestrauch Camellia sinensis gewonnen wird, sondern, wie der Name schon zeigt, aus Kräutern. Kräutertees sind daher eigentlich „Aufgüsse“. Allerdings wurden im Laufe der Zeit die Kräutermischungen wegen der Zubereitungsart ebenfalls Tee genannt. Kräutertees bestehen entweder aus einem einzigen Kraut, wie etwa Brennnessel, Nana-Minze, Ingwer, Hibiskus, Verbene oder aus verschiedenen Kräuterkombinationen. Die Klassiker unter den puren Kräutertees sind Kamille, Fenchel, Pfefferminze und Salbei. Viele Früchte- und Kräutertees wurden ursprünglich ausschließlich für medizinische und gesundheitsfördernde Zwecke hergestellt. Während Früchtetees mit einem hohen Vitamin- und Mineralstoffgehalt punkten, überzeugen Kräutertees mit den verschiedensten heilfördernden Wirkungen. So wirken Kräutertees beispielsweise appetitanregend, verdauungsfördernd, antibakteriell, schmerzlindernd, schleimlösend, entgiftend und entwässernd.

Die Teezubereitung – sinnliches Vergnügen

 

 

Die Zubereitung ist neben den objektiven Kriterien wie Qualität des Tees und des Wassers, Teemenge und Ziehzeit auch von subjektiven Faktoren wie der eigenen Stimmung abhängig. Die gleiche Teesorte kann täglich anders schmecken. Dabei gehört schon die Zubereitung des Tees zum sinnlichen Vergnügen und Genuss. Es gibt jedoch keine Faustregel, wie Tee zubereitet werden muss. Teemenge und Ziehdauer hängen von der Teesorte und vom eigenen Geschmack des Teegenießers ab. Als kleine Faustregel gilt: pro Tasse ein Teelöffel. Für einen optimalen Teegenuss sollte möglichst „weiches“, kalkarmes Wasser verwendet werden. Wer zu Hause kalkhaltiges Wasser hat, kann auf einen Wasserfilter zurückgreifen. Das Wasser wird direkt nach dem Aufkochen über den Tee gegossen. Nach der perfekten Ziehzeit kann der Tee in der Lieblings-Teetasse genossen werden.

Teebegleitung, Eistee und Cocktails – Tee für jeden Geschmack

Tee wird inzwischen nicht mehr nur warm an kalten Tagen genossen, sondern hat sich inzwischen zum Lifestyle-Getränk gemausert. Hochpreisige Hotels haben nicht nur bei Wein oder Cocktails Profis am Werk, sondern auch beim Tee. Es gibt sogar Restaurants, die zum Abendessen eine Teebegleitung anbieten und zu jedem Gang einen anderen Tee servieren. Und auch kalt ist Tee ein wahrer Renner. Vor allem als kalorienarme Alternative zu Softgetränken macht er im Sommer eine super Figur als Durstlöscher. Das hat auch Ocha Ocha – das Augsburger Tee-Start-up – erkannt. Die Gründer von Ocha Ocha wollen den Tee auch neben seiner herkömmlichen Trinkweise als ungesüßtes Erfrischungsgetränk in Deutschland etablieren. Und auch als Cocktails wird Tee in angesagten Bars serviert. Dafür ziehen die Teeblätter in Alkohol und werden nach dem Abseihen mit den restlichen Zutaten gemixt.

 

 

Wer wirklich die ganze Welt des Tees entdecken will, dem wollen wir zwei Tipps mit auf den Weg geben. Erstens: Haben Sie Mut für Neues und probieren Sie sich durch das Sortiment. Zweitens: Besuchen Sie doch mal ein Teeseminar bei einem Teesommelier. Sie werden begeistert sein!

Artikel von www.top-magazin.de/bonn