Wirtschaft

MEHR GESUNDHEIT IM UNTERNEHMEN

Mentales Wohlbefinden und körperliche Fitness


 

Das Thema Gesundheit boomt in unserer Gesellschaft.

Von Apps und Smartwatches, die uns fit halten sollen, bis zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement in Unternehmen – Gesundheit, Fitness und Stress-Killer sind in aller Munde. Das betriebliche Gesundheitsmanagement soll viele positive Folgen für das Wohlbefinden der Mitarbeiter haben und dadurch indirekt den Unternehmenserfolg sicherstellen. Doch wie schaffen Betriebliche Gesundheitsmanager das? Ist es damit getan, einen Obstkorb auf den Tisch zu stellen?

 

Dr. Maren Kentgens aus Hamburg gilt als eine der führenden Expertinnen in Deutschland, wenn es um das Thema betriebliches Gesundheitsmanagement geht.

 

Top: Frau Dr. Kentgens, was bedeutet betriebliches Gesundheitsmanagement eigentlich?

Dr. Maren Kentgens: Die Gesundheit und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz nehmen großen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit in allen Lebensphasen. Gesundheit ist also eine wichtige Ressource und sollte dementsprechend das Hauptaugenmerk einer positiven Unternehmenskultur sein.

Dabei geht es eben nicht nur um den Obstkorb im Büro oder einen ergonomischen Arbeitsplatz. Das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) ist deutlich facettenreicher und darauf ausgerichtet, interne Strukturen und Prozesse zu verbessern. Waren es früher vor allem die physischen Belastungen und der Arbeitsschutz, die die Unternehmen im Blick haben mussten, sind es heutzutage der zunehmende Arbeitsstress sowie die psychischen Belastungen der Mitarbeiter.

Hinzu kommt im Berufsalltag oft ein Mangel an körperlicher Aktivität und auf der anderen Seite eine körperliche Über- oder Falschbelastung. Aus verschiedenen Studien wissen wir, dass eine ungesunde Arbeitskultur das Risiko für chronische Krankheiten und langfristige Abwesenheiten erhöht. Daraus resultieren wiederum hohe finanzielle Belastungen sowohl für das Gesundheitssystem als auch für das Unternehmen selbst.

 

 

Top: Wie muss man sich BGM jetzt ganz praktisch vorstellen und was muss ein BGM Manager für Kenntnisse und Fähigkeiten haben?

Dr. Maren Kentgens: Wenn man sich um die Gesundheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in einem Unternehmen kümmern möchte, dann muss man schon einiges an Wissen mitbringen. Sie wissen, wie die gesetzlichen Bestimmungen und Veränderungen im Arbeitsschutz aussehen, um Mitarbeiter vor arbeitsbedingten Gefährdungen zu schützen, belastete Kollegen präventiv zu erreichen oder nach Erkrankung wieder einzugliedern. Ganz wichtig ist außerdem psychologisches Wissen zu gesundheitsfördernden Maßnahmen. Gesundheitsmanager sollten auch Kompetenzen in der Mitarbeiterführung mitbringen und Erfahrung im Projektmanagement mitbringen. Und schließlich müssen Gesundheitsmanager kaufmännische Kenntnisse besitzen, um die Kosten von BGM-Maßnahmen vernünftig für Unternehmen kalkulieren und planen zu können.

Dreieinhalb Wochen sind deutsche Arbeitnehmer jedes Jahr krank – eine Woche mehr als noch vor wenigen Jahren. Körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen führen zu den meisten Ausfällen, doch gerade psychische Erkrankungen werden immer häufiger und stehen bei den meisten jährlichen Gesundheitsberichten der Krankenkassen an Platz zwei. Dem kann man mit vernünftigen BGM-Maßnahmen positiv entgegenwirken: Die gesetzlich inzwischen vorgeschriebene psychische Gefährdungsbeurteilung erfasst Belastungen und Ressourcen. Hieraus werden Maßnahmen abgeleitet, die die psychische Gesundheit fördern, die Rahmenbedingungen verändern und so auch an den innerbetrieblichen Ursachen ansetzen. Betriebliches Eingliederungsmanagement setzt gesetzlich ab dem 42. Erkrankungstag an, einige Unternehmen starten dies bereits weit früher, um Mitarbeiter früh Angebote der Entlastung machen zu können oder auch nur zu signalisieren: „Wir interessieren uns für Sie!“ Dies hat ebenso wertvolle Effekte in Richtung von Verhältnisprävention, Arbeit an einer gesundheitsförderlichen Unternehmenskultur wie Gesundheitskräfte in gesundem Führen zu trainieren und zu sensibilisieren, wie sie mit belasteten Mitarbeitern umgehen.

Programme wie eine psychische Sprechstunde und EAP (Employee Assistance Program) bieten darüber hinaus Hilfestellung für jedwede Fragestellung, auch privater Natur. Durch diese Verhaltensprävention wird ein Angebot an BGM-Maßnahmen abgerundet.

Artikel von www.top-magazin.de/bonn