Wirtschaft

High Performance Leadership

Was macht Unternehmer und Führungskräfte wirklich erfolgreich? Die entscheidenden Faktoren jenseits aller Business-Pläne.


Ralf Gasche, internationaler Top-Coach, Bestsellerautor und Ex-Terrorismus-Fahnder des BKA hat seine Erfahrung aus mehr als 40 Jahren Führung in komplexen Situationen, Überlebensstrategien, erfolgreicher unternehmerischer Tätigkeit, tausenden Seminaren, Coachings, Vorträgen, intensivem Personal Profiling und Managementberatung für Top Bonn auf den Punkt gebracht.

 

High-Performance-Leadership ist ein ehrgeiziges Vorhaben, das eine Führungskraft auf der einen Seite (heraus-) fordert, auf der anderen Seite aber auch besonderen Erfolg beschert. In diesem Beitrag stelle ich Ihnen die wichtigsten Tools des High-Performance-Leaderships vor. Sie werden Ihnen helfen, sich stabil und erfolgreich aufzustellen und sich – bei entsprechender Konsequenz und Disziplin – weit über den üblichen Anspruch an Führung hinaus zu entwickeln. Hier ein kleiner Überblick: Alles beginnt und endet bei uns selbst, wir werden daher konsequenterweise über Self-Guidance sprechen. Darüber hinaus brauchen wir eine tragfähige, tiefe und überzeugende Haltung, die es anderen Menschen ermöglicht, unseren Überzeugungen zu folgen, sich von uns führen zu lassen oder ein Produkt oder eine Dienstleistung von uns zu kaufen. Dies wird durch die Strahlkraft unserer Integrität ermöglicht. Im nächsten Schritt bringen wir die eigenen Fähigkeiten auf ein Level absoluten Optimums, zu echter Kompetenz. Sie lernen alle ihre Facetten und wichtigen Arbeitsbereiche kennen. 1. Self-Guidance, 2. Integrität, 3. Kompetenz und 4. High-Performance-Leadership sind die vier Basisfaktoren, mit denen Sie sich selbst sowie Unternehmen und Mitarbeiter in die Zukunft führen und verantwortungsvoll alle Höhen und Tiefen im Führungsalltag managen können. Teil 1 Ihres Erfolgskonzepts High-Performance-Leadership erwartet Sie. Seien Sie bereit.

 


 

1. SELF-GUIDANCE

Erst wenn wir konsequent immer wieder zu uns selbst finden und es schaffen, unseren Fokus niemals im außen zu verlieren, werden wir in unserem Führungsjob langfristig erfolgreich sein.
Es gibt folgende Übungsfelder:

a. Selbstreflexion
Wer führt, muss sich selbst reflektieren und ständig weiterentwickeln. Insbesondere brauchen wir Offenheit für das Erkennen der eigenen Schwächen und Fehlentscheidungen. Weniger wegen des gewissen Masochismus‘, den man hierfür mitbringen muss, vielmehr, weil mir 60 Jahre Lebens- und 41 Jahre Führungserfahrung zeigen, wie unendlich wertvoll mutige und konsequente Selbstreflexion sein kann. Lateinisch „reflectere“ (zurückbeugen, -drehen, -wenden) zeigt physikalisch und mental die „Stoßrichtung“ an. Wir kommen, wenn wir erstklassige Führungsarbeit leisten wollen, nicht um den Schmerz der Selbsterkenntnis herum. Wir rammen uns den Stachel der Erkenntnis in den eigenen Leib. Lohn der Pein ist persönliche Weiterentwicklung, etwas, das Führungspersonal gleich welcher Flughöhe unbedingt für sich entdecken muss. MUSS, so das Fazit meiner Beobachtungen, sonst geht Chef im Alltag und im Contest mit seinen Mitarbeitern mit Pauken und Trompeten unter. Eine hervorragende Reflexionsfläche ist ein großer, wandhoher Spiegel. Er zeigt uns schonungslos, wie wir aussehen, was wir ausstrahlen, ob wir uns annehmen und uns selbst in die Augen sehen können – oder auch vielleicht nicht. Stellen Sie sich jeden Tag ihrem Spiegel, fünf Minuten lang. Erkennen Sie, wer sie sind und was Sie ausstrahlen. Arbeiten Sie an sich und verändern Sie, was entwickelt werden muss. Ihre Leute werden es merken, zu schätzen wissen und Sie achten.

 

b. Kongruenz & Leidenschaft
Bin ich da, wo ich wirklich sein will? Erst, wenn ich diese Frage aus vollem Herzen mit einem „Ja!“ beantworten kann, wird es mir gelingen, mit voller Hingabe alle Herausforderungen zu bewältigen und wirkliche Leidenschaft zu entwickeln. Oder umgekehrt: Erst unsere Leidenschaft führt uns in das Leben, in das wir gehören. Ich habe ein paar selbstreflektierende Fragen für Sie: „Wie will ich sein? Wie auf gar keinen Fall? Wie nehmen mich meine Mitarbeiter, meine Kollegen, mein Chef, meine Kunden, meine Familie wahr? Was halten sie von mir? Wie sieht für mich ein ideales und erfülltes Leben aus, privat und beruflich? Bin ich glücklich? Was habe ich in der letzten Zeit über mich gelernt (letztes Jahr, letzten Monat, vergangene Woche, gestern, heute)? Was möchte ich noch lernen? Wie lauten meine unantastbaren Kernwerte? Welche Ziele verfolge ich beruflich und privat? Sorge ich gut für mich und die Menschen, die von mir abhängig sind? Habe ich alles getan, was in meiner Macht steht, um für mich und andere das zu erreichen, was zu erreichen ist? Wovor habe ich Angst? Wie gehe ich damit um? Wofür würde ich sterben? Könnte ich in den Spiegel schauen und sagen: Ich liebe mich? Bin ich da, wo ich wirklich sein will?“

 

c. Klarheit & Disziplin
Erfolg folgt, wenn man SICH folgt. Dies bedingt folgende Aufgabentrilogie: 1. Ich muss herausfinden, wer ich wirklich bin –keine leichte Aufgabe. 2. Wenn ich in etwa weiß, wer ich bin und was mir wichtig ist, kommt der zweite Schritt: Ich beschließe, mir und meinen Ideen, Überzeugungen, Werten und Zielen bedingungslos zu folgen. Das ist keine einfache Übung, weil es – wie Sie sicher schon gemerkt haben – eine Menge Leute gibt, die nicht wollen, dass Sie sich folgen. Sie wollen, dass Sie IHNEN folgen. 3. Letzter Schritt: werde ich meinen Erfolg erkennen? Wie wird er sein? Was wird es sein? Was will ich im Leben erreichen? Jetzt wird es darauf ankommen, dass Sie diszipliniert diese drei Aufgaben durchziehen und nicht ablassen von den Prioritäten Ihres Lebens, die Sie sich erarbeitet haben. Die entscheidende Frage lautet: was ist mir so wichtig, dass ich alles andere danach ausrichte und alles dafür tun werde?

 

d. Mut & Entscheidungsfähigkeit
Der Erfolgreiche tut die Dinge trotz seiner Angst, der Erfolglose tut sie nicht, wegen seiner Angst. Für die eigenen Ziele und Überzeugungen einzutreten, erfordert eine Menge Mut. Vor allem, wenn sich Umstände und andere Menschen gegen einen stellen. Um sich und Ihren Mut zu trainieren, habe ich für Sie die Aufgabe: „52 Challenges“. Schreiben Sie auf, was Ihnen Angst und Respekt einjagt, zumindest die Themen, die Ihnen schwer fallen… Ideal ist alles, was Ihnen ein ungutes Gefühl im Bauch verursacht, wenn Sie daran denken. Sobald Sie etwa 10 bis 12 Themen zusammen haben, starten Sie mit Ihrem Jahr der Herausforderung (weitere Themen und würdige persönliche Challenges werden sich im Tun ergeben). Nehmen Sie sich jede Woche eines dieser Themen vor, stellen Sie sich ihm, bewältigen Sie die Herausforderung und gehen so Woche für Woche durch ein ganzes Jahr. Ich verspreche Ihnen: nach diesem Jahr werden Sie eine Andere/ein Anderer sein. Sie werden intensiv gelebt und gelernt haben, wozu Sie fähig sind, wenn Sie mutig Ihren Weg gehen und weder Tod noch Teufel scheuen. Sie haben den Weg des Kriegers entdeckt: „Ich kämpfe und siege oder ich sterbe“ (sterben werden Sie höchstwahrscheinlich nicht, auch wenn es sich – vor allem vorher – so anfühlt). Aber mit dieser Entschlossenheit wird es Ihnen auch gelingen, Ihre Entscheidungen schneller und konsequenter zu treffen. Manchmal müssen 20 – 30% Infos ausreichen. Übrigens: etwa 60% aller unserer Managemententscheidungen sind ok, von daher: Augen auf und durch! Nichts zu tun oder etwas auf die lange Bank zu schieben ist keine Option. Vergessen Sie diese Alternative ein für alle Mal.

 

e. Weitsicht & Strategie
Bisher haben Sie sich hervorragend mit Ihren inneren Themen auseinandergesetzt. Jetzt machen Sie sich daran, Ihre persönliche Erfolgsstrategie zu entwickeln. Entwerfen Sie ein Bild Ihrer nächsten Schritte in Richtung Ihrer Vision und den einzelnen Zielen, die damit verbunden sind. In der Tat, ich empfehle Ihnen, ein Bild zu malen, ein Mindmap, eine Tabelle, Freestyle, das bleibt Ihnen und Ihrer künstlerischen Ader überlassen. Malen Sie auf ein großes Flipchart, wie Ihre nächsten Schritte und Vorhaben aussehen werden. Dies gibt Ihnen einen größeren Überblick und eine große Übersicht über alle erforderlichen Details, die anstehen. Tipp: Entwickeln Sie Plan B und C gleich mit, kaum etwas ist so geeignet, uns mental zu stabilisieren, wie ein Worst-Case-Szenario. Wir denken voraus, beziehen Fehlschläge und die schlimmsten Entwicklungen in unsere Schritte mit ein. Wir entwickeln für so gut wie alles einen Plan. Was soll also noch passieren? Fantastisch.

 

f. „GRIT“
Die Neurowissenschaftlerin und Psychologin Angela Duckworth hat in ihrem gleichnamigen Buch eine wirksame und interessante Kraft beschrieben: „Grit“, was im Englischen so viel wie Schneid, Mumm, Biss bedeutet. Hinter ihrem Ansatz stehen ihre Forschungen, Untersuchungsreihen mit erfolgreichen Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Sie fand heraus, dass eine Kombination aus Ausdauer, Hartnäckigkeit und Leidenschaft die Grundlage von Erfolg darstellt, viel mehr als Genius, IQ, persönliche Startbedingungen oder ein Talent. Das sind gute Nachrichten, weil wir an diesen Eigenschaften arbeiten können. Machen Sie sich ihr „GRIT“ zunutze und bauen Sie es immer weiter aus!

 


 

2. INTEGRITÄT

a. Das Triple-Win-Prinzip
Grundlage meines Triple-Win-Prinzips ist das erfolgreiche Verhandeln nach dem Harvard-Konzept. Die einfache aber sehr effektive Vorgehensweise, die an der Harvard-Universität entwickelt wurde, beinhaltet den Grundsatz, stets eine Verhandlung so zu führen, dass alle Beteiligten ein Optimum ihres Wunschziels erreichen können. Dazu gehört es, stets sachorientiert gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen und persönliche Interessen und Statusfragen hintenan zu stellen. Hierbei handelt es sich um das bekannte Win-Win-Prinzip, beide sollen gewinnen. Einen wesentlichen Schritt weiter kommen die Beteiligten, wenn sie in ihrer Verhandlungssituation ebenfalls darauf achten, dass ihr Ergebnis auch weiter entfernten Interessen entgegenkommt und dort positive Folgen hat. Wenn es gelingt, möglichst vielen weiteren Stakeholdern und Interessengruppen an der gemeinsamen Arbeit ebenfalls einen „Win“ zu bescheren, ist dies ein Triple-Win. Das ist die Basis einer stabilen Integrität. Integrität führt zu einer eigenen makellosen Identität, zu Selbstwertgefühl und tiefer Zufriedenheit.

 

b. Menschenbild
Wenn es uns gelingt, ein wertschätzendes und respektvolles Menschenbild zu entwickeln, jedes Individuum mit seinen Fähigkeiten, persönlichen Möglichkeiten und positiven Absichten zu sehen, schaffen wir uns selbst die Grundlage, entspannt und angemessen mit allen Führungs- und Verhandlungssituationen umgehen zu können. Wir strahlen aus, dass wir gern mit den Menschen zusammen sind, ihre persönlichen Belange anerkennen, sie schätzen und ihre Wünsche und Sichtweisen respektieren. Das öffnet alle Türen für unseren Erfolg. Glücklich und erfolgreich ist, wer gern mit anderen zusammenarbeitet. Unser Interesse an Menschen triggert ihr Interesse an uns.

 

c. Ethik
Basis einer stress- und konfliktfreien Existenz im Sinne einer erfolgreichen Interaktion mit anderen Menschen ist die persönliche Positionierung zu der philosophischen Frage „was ist gut, was ist schlecht?“. Unsere kulturellen und menschlichen Regeln des Zusammenlebens führen uns über kurz oder lang zu der persönlichen Auseinandersetzung mit unseren sittlichen Ansichten. Wenn Sie sich die folgenden Fragen beantworten, beziehen Sie Stellung, strahlen einen gefestigten Entscheidungswillen aus und positionieren sich in ihrem Umfeld. „Was ist mir wichtig in unserer Gesellschaft? Wozu stehe ich? Was halte ich von unseren Gesetzen allgemein, unserem Grundgesetz im Besonderen? Was bedeuten für mich die ungeschriebenen Regeln und Gesetze hier bei uns? Was ist für mich Gut, was Böse? Wie stehe ich zur Gleichbehandlung aller Menschen? Was sind meine Werte, meine Grundüberzeugungen? Handle ich konsequent danach? Wann ja, wann nicht? Was ist Gewissen? Habe ich eins? Habe ich immer ein gutes Gewissen oder manchmal auch ein schlechtes? Wie gehe ich damit um? Was bedeutet für mich Ethik? Was trage ich mit, was nicht?

 

 

Ralf Gasche
Teil 2 mit Kapitel 3, „Kompetenz“, und Kapitel 4, „High-Performance-Leadership“, hält weitere spannende Tipps für Sie bereit. Sie finden ihn im Top Magazin Bonn, Frühjahr 2019.

 

 


Literaturliste:
1. Springer Online Kolumne, Ralf Gasche: „Selbstreflexion – kalte Duschen machen schön“: https://www. springerprofessional.de/leadership/fuehrungstools/selbstreflexion-oder-kalte-duschen-machen-schoen/10006822
2. Angela Duckworth: „GRIT – Die neue Formel zum Erfolg: Mit Begeisterung und Ausdauer ans Ziel“ , C. Bertelsmann Verlag, München, 2017
3. Ralf Gasche: „So geht Führung! 7 Gesetze, die Sie im Führungsalltag wirklich weiterbringen“, Springer Gabler, Wiesbaden, 2. Aufl. 2018.

Artikel von www.top-magazin.de/bonn