Gesundheit

Haben Sie ein Auge auf Ihre Augen

Drei Viertel aller Deutschen würden lieber auf zehn Lebensjahre verzichten als auf ihr Augenlicht. Dennoch nehmen viele ihre Sehkraft für selbstverständlich. Warum eine gesunde Vorsicht wichtig ist und welche Symptome als Warnsignal gedeutet werden sollten.


Wussten Sie, dass unsere Augen mehr als 90 Prozent aller Informationen liefern? Sie sind unser Fenster zur Welt. Lässt die Sehschärfe nach, verändern sich auch unsere kognitiven Fähigkeiten – Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Reaktionsvermögen. Trotzdem tun viele Menschen immer noch recht wenig dafür, ihren Sehsinn zu erhalten. Nur 21 Prozent haben ihre Augen in den letzten fünf Jahren untersuchen lassen. Und das, obwohl die Anzahl der Augenerkrankungen in Deutschland kontinuierlich steigt. Rund 300.000 Verkehrsunfälle pro Jahr sind Folge schlechten Sehens. Und auch beim Sport oder im Alltag kommt es vermehrt zu Zwischenfällen.

Generation kurzsichtig

Gerade unter Kindern und Jugendlichen sind Sehdefizite weltweit auf dem Vormarsch: Wissenschaftler sprechen bereits von der „Generation kurzsichtig“. Als Ursache dieser Entwicklungen werden stundenlanges Nahsehen vor Computer, Smartphone und Fernseher sowie fehlendes natürliches Licht gesehen. Beides regt das Wachstum des Augapfels an – ein wesentlicher Auslöser der Kurzsichtigkeit. Nutzte 2008 jeder vierte Twen in Europa eine Brille, ist es heute bereits jeder dritte. Viel problematischer ist es jedoch, wenn Betroffene keine Sehhilfe tragen. Zum Beispiel, weil sie schlichtweg nicht ahnen, dass ihre Sehkraft eingeschränkt ist. Bei jedem vierten Kurzsichtigen in den Industrieländern tritt Fehlsichtigkeit heutzutage erst im Erwachsenenalter ein. Da liegt der Führerscheinsehtest möglicherweise schon Jahre zurück. Um auf eventuelle Veränderungen reagieren zu können, sollten Sehkontrollen so selbstverständlich wie der Gang zum Zahnarzt sein.

Erste Hinweise

Kopfschmerzen, tränende Augen oder Gähnen hinterm Steuer können Anzeichen einer mangelnden Sehleistung sein. Der Grund: Die Augen müssen sich permanent anstrengen, um die erforderliche Sehleistung zu bringen. Wer bei Tageslicht das Nummernschild eines Autos noch aus 50 Meter Entfernung lesen kann, sieht ausreichend scharf. Muss der Abstand auf weniger als 35 Meter verkürzt werden, ist ein Sehtest unbedingt angeraten. Erste Hinweise auf eine mögliche Fehlsichtigkeit geben Online-Sehtests im Internet (zum Beispiel unter www.seh-check.de). Unterschieden wird zwischen Fern-, Nah-, Farb- und Makula-Sehchecks. Letztere testen den Bereich des schärfsten Sehens im Auge. Als selbstverständlich sollte gelten, dass Online-Selbstdiagnosen nicht den professionellen Sehtest beim Augenoptiker oder Augenarzt ersetzen.

Vorsicht statt Nachsicht Fehlsichtigkeit ist das eine, Augenkrankheiten oder Alterserscheinungen das andere. Bleiben diese unerkannt und unbehandelt, kann das dramatische Folgen haben – bis hin zur Erblindung. Die Zahl der Betroffenen steigt kontinuierlich. So ist zum Beispiel jeder zweite der 52- bis 64-jährigen am Grauen Star (Linsentrübung) erkrankt – oft ohne es zu merken. Die gute Nachricht: Grauer Star lässt sich auch in fortgeschrittenem Stadium durch eine Operation gut behandeln. Gefährlicher sind Grüner Star (blinde Stellen im Gesichtsfeld), altersbedingte Makuladegeneration (Netzhautschäden) und diabetische Retinopathie (Schädigung von Blutgefäßen). Rechtzeitig reagiert, lassen sich sehr gute Ergebnisse erzielen. Wird die Erkrankung wiederum zu spät erkannt, kann die Schädigung des Sehens oft nicht mehr behandelt werden. „In diesen Fällen ist die Früherkennung der Schlüssel zu einer erfolgreichen Therapie“, sagt Dr. Andreas K. Cordes, Leitender Arzt der Hochkreuz Augenklinik.

 

Rund 300.000 Verkehrsunfälle pro Jahr sind Folge schlechten Sehens.

 

Symptome im Blick

Doch nicht jedes Flimmern oder Zucken ist gleich besorgniserregend. Welche Symptome harmlos sind und wann Betroffene reagieren sollten:

Flimmershow: Wenn es vor den Augen flirrt oder schwarz wird, liegt das meistens nicht an den Augen selbst. Häufig ist Unterzuckerung, eine Blutdruckschwankung oder Migräne der Grund. In solchen Fällen hilft es, den Blutzuckerspiegel mit Süßigkeiten zu erhöhen und Kopfschmerzen rechtzeitig mit Tabletten vorzubeugen. Wiederholen sich die Flacker-Beschwerden, sollten Betroffene jedoch umgehend einen Augenarzt aufsuchen.

Mückentanz: Bewegen sich einzelne Punkte flecken- oder schlierenartig mit der Blickrichtung, heißt das Phänomen „Mouches volantes“, fliegende Mücken. Hierbei handelt es sich zumeist um eine normale Alterserscheinung. Zwei Drittel der 65- bis 85-Jährigen bemerken diese Veränderung, Kurzsichtige meist schon früher. „Eine Behandlung ist in der Regel nicht erforderlich“, sagt Dr. Andreas K. Cordes. „In extremen Fällen kommt eventuell eine Operation oder Lasertherapie in Frage.“

Buchstabensalat: Scheinen Buchstaben beim Lesen zu kippen oder wirken gerade Linien krumm, kann das auf eine altersbedingte Makuladegeneration hindeuten. Diese Netzhautschäden betreffen etwa zwei Millionen Deutsche und sind Ursache von schweren Sehbehinderungen. Frühzeitig erkannt, kann der Augenarzt einer Sehbehinderung mit Medikamenten entgegenwirken. „Treten entsprechende Symptome auf, sollten Betroffene umgehend einen Augenarzt aufsuchen“, betont Dr. Andreas K. Cordes. „Je zeitiger die Behandlung startet, desto besser die Ergebnisse. Bei der Terminvereinbarung am besten gleich die Dringlichkeit äußern und Symptome beschreiben.“ Darüber hinaus helfen regelmäßige Augen-Tests für eine Früherkennung: ab 40 alle zwei Jahre, ab 60 jährlich.

 

Bleiben Augenerkrankungen unerkannt und unbehandelt, kann das dramatische Folgen haben.

 

Doppelbilder: Taucht derselbe Gegenstand vorübergehend zweifach auf, ist das oft Zeichen einer Übermüdungserscheinung. Mit ausreichendem Schlaf, regelmäßigen Pausen, Stressabbau und gegebenenfalls einer Korrektion von vorhandenen Sehdefiziten sollte das Phänomen verschwinden. Treten plötzlich extreme Doppelbilder auf oder halten diese über längere Zeit an, handelt es sich hingegen um einen Notfall, der medizinisch abgeklärt werden sollte. In Kombination mit anderen Symptomen können Doppelbilder auch auf einen Schlaganfall hindeuten.

Rußregen und Blitzlicht: Fallen dunkle Punkte wie Regentropfen herunter, kann der Grund eine Blutung im Glaskörper sein. Kommen Lichtblitze hinzu, ist es möglich, dass eine Netzhautablösung oder ein Netzhautloch vorliegen, was wiederrum zur Erblindung führen kann. Hierbei handelt es sich um einen Notfall, bei dem sofort der Augenarzt aufgesucht werden sollte.

Sandsturm: Das Sandkorn-im-Auge-Gefühl kommt oft bei Bildschirmarbeit vor und wird Office-Eye-Syndrom genannt. Der Grund: Vor dem Monitor wird fünfmal weniger geblinzelt als üblich. Daher gelingt es dem Tränenfilm nicht mehr, das Auge feucht zu halten. Eine auf Computerarbeit optimierte Bildschirmbrille kann das Auge entlasten und merklich zu stressfreiem Sehen beitragen. Hyaluronsäurehaltige Tropfen oder Sprays helfen gegen trockene Augen.

Lidzucken: Diese Muskelkontraktion ist von außen oft nicht wahrnehmbar. Betroffene nervt sie aber. Die Zuckungen sind zumeist harmlose Überlastungsreaktionen, gefördert durch trockene Augen. Entspannung, Schlaf und Augentropfen können Abhilfe schaffen.

Artikel von www.top-magazin.de/bonn