Freizeit

Tot ziens in Domburg

Von der holländischen Nordseeküste bis ins Ferne Australien – die Bonnerin Simone Busch ist gerne unterwegs. Besonders spannende Touren, unzählige Eindrücke und so manchen Geheimtipp hält sie in ihrem Reiseblog „Life is a Journey“ fest. Zuhause im Rheinland wird sie selbst zur Gastgeberin: als Inhaberin eines eigenen Bed & Breakfast, dem „Haus am See“ in Bornheim-Walberberg.


Der Rheinländer liebt es ganz offensichtlich, sich drei Stunden ins Auto zu setzen und die nächste Küste anzusteuern – wenn auch nur für einen Tag.

 

Eigentlich – und da bin ich ganz ehrlich – kann ich Leute nicht verstehen, die es jedes Jahr an denselben Urlaubsort zieht. Ich bin der Meinung, dass es mit der Zeit einfach langweilig sein muss. Verbaut man sich so doch die Chance, andere spannende Orte und Menschen kennenzulernen. Als wir (meine Tochter, mein Mann und ich) dann letztes Jahr kurz vor Weihnachten zum geschätzt hundertsten Mal an die zeeländische Nordsee aufbrachen, beschloss ich, dass es an der Zeit ist, meine Meinung zu überdenken…
Unermüdlich treibt der Wind die Wolken über den sonst blauen Himmel, im Blickfeld immer präsent: die raue Nordsee. Dazu das Geräusch von zerrenden Lenkdrachen, die Wellen, die sich an den Holzpfählen brechen, hier und da spielende Kinder und das Geschrei von Möwen versetzen mich sofort in Urlaubsstimmung. Soweit das Auge reicht, säumen Dünen und im Sommer die vielen kleinen, bunten Strandhütten den Strand… Domburg!

Der Rheinländer liebt es ganz offensichtlich, sich drei Stunden ins Auto zu setzen und die nächste Küste anzusteuern – wenn auch nur für einen Tag. Auch wir bilden da keine Ausnahme und kommen schon seit fast 25 Jahren hierher. Das Örtchen an der zeeländischen Küste hat sich in den vergangenen Jahren einer beachtlichen Metamorphose unterzogen. Von einem verschlafenen, gemütlichen Kleinod am Meer hat es sich zu einem mondänen, schicken Strandort entwickelt, der sich aber den-noch seinen Charme erhalten hat. Wo wir als Kinder früher barfuß unsere Frikandel Spezial am Strand auf Plastikstühlen gegessen haben, sitzt man heute auf Lounge Möbeln und schlürft Aperol Spritz am Tischkamin mit Blick aufs Meer.

Warum wir immer wieder herkommen?

Weil es so herrlich entschleunigt! Ein Blick aufs Meer, ein erster Weißwein im neu erbauten „Strand 90“, und der Stress fällt regelrecht ab. Ein perfekter Start ist das obligatorische Fischbrötchen im Fischgeschäft Brassem. Dann kann’s losgehen: Auf die Plätze, fertig… Entspannung!
Um den Massen in der Hochsaison zu entkommen, fahren wir nur außerhalb der Saison. In Gummistiefeln und eingepackt in dicke Winterjacken sammeln wir im Dezember mit unserer Tochter Muscheln für selbstgebastelte Weihnachtsgeschenke oder genießen im September am herrlich leeren Strand die letzten wärmenden Sonnenstrahlen. So kann man sich auch locker als kleine Familie eine moderne Ferienwohnung oder auch mal ein Wochenende im Hotel leisten.

Ein Tag am Meer

Ein echtes Plus ist natürlich, dass man bei seinem Spaziergang am Strand weder Hunger noch Durst leiden muss. Denn in komfortablen Abständen schmiegen sich die auf Pfählen gebauten Cafés und Restaurants an die Dünen. So werden zwei Kilometer schnell zu einem Halbtagesausflug, da man ja überall einen kulinarischen Stopp einlegen muss. Bitterballen, Chocomel, Bierchen oder Appelgebak met Slagroom gehen bekanntlich immer.
In der Zeit von Mai bis September ist die Anmietung einer kleinen Strandkabine ein Muss. So braucht man nicht ständig alles zum Strand schleppen und kann auch Sandspielzeug etc. prima verstauen. Die kleinen Hütten, die in der Regel zwei Liegestühle, einen Windschutz und einen kleinen Tisch beinhalten, kann man meist über die Unterkunft oder das Tourismusbüro VVV in Domburg anmieten.

Von Camping bis chic

Bezüglich der Unterkunft haben wir in den letzten 25 Jahren wirklich schon viel ausprobiert: Campingplatz als Jugendliche, diverse Hotels, unzählige Ferienwohnungen oder gleich ein ganzes Ferienhaus. Enttäuscht worden sind wir zurückblickend eigentlich nie. In der Nebensaison sind die Unterkünfte erschwinglich und es geht doch wirklich nichts über einen spontanen Spaziergang am Meer.
Wer ein schönes Hotelzimmer mit Frühstück bevorzugt, der ist bei den Jungs vom Hotel in den Brouwery sehr gut aufgehoben. Das Hotel Bommelje mit seinem Restaurant B ist nicht nur zum Schlafen, sondern auch für ein Abendessen eine sehr gute Adresse. Direkt hinter den Dünen gelegen, ist man blitzschnell am Strand. Wer sich mal etwas Besonders gönnen möchte oder es prinzipiell etwas exklusiver mag, der sollte im Badhotel wohnen. Die Zimmer, das Restaurant und der Spa-Bereich sind in Domburg beispiellos. Mitunter gibt es hier tolle Arrangements inklusive Mehrgangmenü. Wer dem Meer ganz nah sein möchte, der kann in Domburg sogar direkt am Strand in kleinen Häuschen übernachten. Wir haben das leider noch nicht geschafft, aber es steht ganz oben auf der Liste!
So… jetzt hab ich vom Schreiben auch wieder Sehnsucht nach der Nordsee bekommen. Ich wünsche viel Spaß beim Reisen und bin dann mal weg oder wie man in Holland sagt: Tot ziens!

 

 


Simone Busch
www.life-is-a-journey.de

Artikel von www.top-magazin.de/bonn