Wirtschaft

Ein Jahr im Zeichen des WIR

200 Jahre Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn: Wie alles begann, mit welchem Programm die Alma Mater das runde Jubiläum feiert und was die Zukunft bringen soll.


Es war ein guter Tag für Bonn, als Friedrich Wilhelm III. von Preußen 1818 seine Unterschrift unter die Gründungsurkunde der Bonner Universität setzte. „Wir, Friedrich Wilhelm von Gottes Gnaden, König von Preußen,…“, steht dort zu lesen. Das große, geschwungene und mit reichlich Ornamentik versehene „Wir“ – im Pluralis majestatis – dominiert das Schriftstück. Damit gab seine Majestät quasi das Festmotto des Jubiläumsjahres vor. Heute steht das „Wir“ allerdings für die gesamte akademische Uni-Familie aus rund 38.000 Studierenden, 550 Professoren, über 10.000 Beschäftigten sowie die rund 200.000 lebenden Alumni weltweit. Und selbstverständlich gehören auch alle Bürgerinnen und Bürger in Bonn und der Region dazu, die mit der Universität in Verbindung stehen und sie unterstützen.

 

Gestern, heute, morgen

Um das stolze Jubiläum gebührend zu feiern, hat ein Teil dieser Uni-Familie ein abwechslungsreiches Programm ausgearbeitet – mit über 100 Veranstaltungen über das gesamte Jahr verteilt (Auswahl siehe Kasten Seite 17). Die Formate sind vielfältig und reichen von Vorträgen und Diskussionen bis hin zu Ausstellungen und Aktionswochen. Vier Schwerpunktthemen werden sich jeweils über ein Quartal erstrecken und neue, spannende Einblicke eröffnen. Sie werfen einen Blick zurück, vor allem aber auch nach vorne. Bis Mitte März steht die Geschichte der Alma Mater und ihre Rolle in der Gesellschaft im Mittelpunkt. Anschließend liegt der Fokus auf dem Thema Nachhaltigkeit. Im dritten Quartal, von Juli bis September, dreht sich alles um die Welt der Zahlen. Zum Jahresabschluss rücken schließlich die Herausforderungen der Weltgesellschaft ins Zentrum des Interesses. Ein glanzvoller Höhepunkt ist für den Herbst geplant: Am 18. Oktober 2018 richtet die Universität einen großen Festakt zum Gründungstag aus, mit anschließendem Jubiläumsfest. „Wir freuen uns ganz besonders, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seinen Besuch angekündigt hat“, sagt Prof. Dr. Dr. h. c. Michael Hoch, Rektor der Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität.

Stifter wider Willen

Zur Gründung der Hochschule 1818 gab es übrigens keinen Festakt. An die Anwesenheit des obersten Souveräns und Gründers, Friedrich Wilhelm III. von Preußen, war zu diesem Zeitpunkt ohnehin kaum zu denken. Eine Universität im Geiste des Bildungsreformers Wilhelm von Humboldt schien nicht wirklich nach seinem Geschmack: „Die Rufe von Professoren und Studenten nach der Freiheit der Wissenschaft, nach Freiheit überhaupt, die Idee der Aufklärung, das, jedenfalls bei einem Teil der handelnden Akteure, Infragestellen des monarchistischen Absolutismus und des Obrigkeitsstaates, und – damit einhergehend – alter Gewiss- und Wahrheiten, ja, der Wunsch und die Sehnsucht nach Modernität – all dem stand Friedrich Wilhelm III. äußerst skeptisch gegenüber“, erklärt Prof. Michael Hoch. Und so unterschrieb seine Majestät die Gründungsurkunde der konfessionell paritätischen Reformuniversität auch nur höchst widerwillig und auf Druck seiner Beamten.

 

Die Bibliothek der Uni Bonn im Jahr 1839

Wussten Sie schon …

… dass die Uni Bonn die einzige deutsche Hochschule ist, die in den vergangenen drei Jahrzehnten gleich zwei Nobelpreisträger hervorgebracht hat?

… dass die Uni Bonn in den Naturwissenschaften mehr „Drittmittel“ bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft einwirbt, als jede andere deutsche Universität?
… dass die Gesamtnutzfläche der Uni Bonn größer ist als der Vatikanstaat?


Hauptquartier der Irokesen

Anlässlich der offiziellen Eröffnungsfeier des Festjahres fasste der Uni-Rektor die Vorbehalte des Monarchen mit einer treffenden Anekdote zusammen: Erst drei Jahre nach der Gründung hielt sich Friedrich Wilhelm III. auf einer Reise durch die preußische Rheinprovinz für kurze Zeit in Bonn auf und besuchte dabei auch die Universität. Nachdem er durch das Haupttor in den Hof getreten war, erblickte er einige Studenten, die ihn nur lässig grüßten, ohne mit dem Rauchen ihrer langen Pfeifen aufzuhören oder die Mütze zu ziehen. Was für ein Affront gegenüber der Obrigkeit! Entschuldigungen und Beschwichtigungen von Seiten des Kanzlers und Rektors waren zwecklos. Bonn sei wahrlich „das Hauptquartier der Irokesen“, soll er sich im Nachhinein empört haben.

Erst nach dem Tod des Gründungsvaters im Jahr 1840 erhielt die Universität die so schmerzlich vermisste Amtskette für den Rektor mit dem Bild des Stifters, damit zugleich ein Siegel und ihren Namen: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität. Heute zeigt man sich stolz auf das Selbstverständnis und den Anspruch von damals: Modernität, zukunftsgerichtetes Denken und Handeln, Wissenschaft im Dienste der Menschen, technischer und geistiger Fortschritt für und mit der Gesellschaft.

 

Heute ist die Bonner Uni eine moderne Forschungsuniversität mit starker internationaler Ausrichtung und einem breiten Fächerspektrum, das von Agrarwissenschaften bis Zahnmedizin reicht.

 

Kluge Köpfe, große Namen

Die Offenheit der Hochschule sorgte schon in den ersten Jahrzehnten für ein starkes Wachstum. Bedeutende Wissenschaftler zog es ebenso an den Rhein wie die blaublütigen Söhne der regierenden Häuser und unzählige vielversprechende Studenten. Als Heinrich Heine, Karl Marx, Friedrich Nietzsche oder Konrad Adenauer in Bonn studierten, waren sie noch weitgehend unbekannt. Das sollte sich später ändern. Auch unter den Lehrenden finden sich allerhand große Namen – darunter zum Beispiel Ernst Moritz Arndt, Heinrich Hertz oder Joseph Ratzinger, der später zu Papst Benedikt XVI. wurde. Besonders stolz darf man zudem auf zwei Nobelpreisträger aus den eigenen Reihen sein: Wolfgang Paul (1989 für Physik) und Reinhard Selten (1994 für Wirtschaftswissenschaften).

Vorne mit dabei

Heute ist die Bonner Uni eine moderne Forschungsuniversität mit starker internationaler Ausrichtung und einem breiten Fächerspektrum, das von Agrar-wissenschaften bis Zahnmedizin reicht. Viele Fächer genießen weltweite Anerkennung, darunter die Mathematik, die Wirtschaftswissenschaften, die Medizin und die Naturwissenschaften – Letztere führen bundesweit die Drittmittelstatistik der Deutschen Forschungsgemeinschaft an. Die herausragende Position dieser Fächer spiegelt sich auch in den sehr guten Bewertungen wider, die die Universität regelmäßig in bundesweiten und internationalen Hochschulrankings erhält und in denen sie bundesweit meist unter den besten zehn und weltweit unter den Top-150 rangiert.

Daumen drücken

An der Schwelle zu ihrem dritten Jahrhundert befindet sich die Universität auf breiter Front im Aufbruch: Im Exzellenzwettbewerb des Bundes und der Länder, der ExzellenzStrategie, ist es ihr gerade als einziger Hochschule der Bundesrepublik gelungen, sieben Voranträge für Exzellenzcluster bewilligt zu bekommen. Die Entscheidung, welche dieser Vorhaben letztlich eine Millionenförderung erhalten werden, fällt im Jubiläumsjahr: Ende Sep-tember wird die Gemeinsame Kommission von Deutscher Forschungsgemeinschaft und Wissenschaftsrat darüber eine Ent-scheidung fällen.

Zukunft gestalten

Bereits zu den Anfängen im 19. Jahrhundert war man in Bonn überzeugt, dass Wissenschaft da am besten gelingt, wo Forschung und Lehre Hand in Hand gehen. Die Aussicht auf eine frühe Nähe zur Wissenschaft lockt bis heute junge Talente nach Bonn, weckt ihre Begeisterung und den Wunsch, selbst Teil der Wissenschaft zu werden. Die Begeisterung dieser jungen Menschen aufzunehmen und weiterzutragen, ist vielleicht die vornehmste Aufgabe der Universität, damit „Wir“ die Zukunft in den nächsten 200 Jahren erfolgreich gestalten. In diesem Sinne: Ad multos annos – auf viele weitere Jahre!

Das Uni-Hauptgebäudes hinter dem Alten Zoll: Lithographie von Joseph Neunzig, um 1820
Dr. Michael Meister (MdB), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen überreicht die Sonderbriefmarke anlässlich des Uni-Jubiläums an Rektor Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Hoch.

 

 


PROGRAMMHIGHLIGHTS
im Jubiläumsjahr

 

Auftaktveranstaltung 2. Quartal „Nachhaltigkeit“ // 16.04.2018
Wie können wir Klimawandel und Ressourcenverbrauch stoppen, Stoffkreisläufe schaffen und die Lebensqualität von heute auch für kommende Generationen erhalten? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Podiumsdiskussion zum Thema „Beitrag der Wissenschaft zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele. Die Universität im Gespräch mit den United Nations.“

11. Bonner Wissenschaftsnacht // 18.05.2018
Bei der Wissenschaftsnacht 2018 dreht sich alles um das Thema „Kreisläufe“. Parallel ist am 17. und 18. Mai auch wieder das Wissenschaftszelt auf dem Münsterplatz geplant, in dem die Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen interessante Forschungsprojekte einem breiten Publikum präsentieren.

Bürgerfest auf dem Campus Poppelsdorf // 09.06.2018
Das alljährliche Bürgerfest richtet sich bewusst nicht nur an wissenschaftlich Interessierte, sondern an die ganze Familie. Die Besucher erwartet ein buntes Bühnenprogramm und viele Aktionen zum Mitmachen.

Tag der offenen Tür in der Villa Hammerschmidt // 24.06.2018
Die Veranstaltung im Bonner Dienstsitz des Bundespräsidenten zum Themenschwerpunkt Nachhaltigkeit findet unter inhaltlicher Federführung der Universität Bonn statt – mit regionalen, nationalen und internationalen Partnern.

14. Bonner Universitätsfest: Absolventenfeier und Universitätsball // 07.07.2018
Ein traditioneller Höhepunkt ist auch im Jubiläumsjahr das Bonner Universitätsfest. Die feierliche Übergabe der Urkunden für die Absolventen findet im Telekom Dome statt und wird am Abend mit einem festlichen Ball im Hotel Maritim gekrönt.

Auftaktveranstaltung 3. Quartal „Welt der Zahlen“ // 09.07.2018
Lars Lienhard, Alumnus der Universität, und Martin Weddemann referieren zum Thema „Das Spiel dauert 90 Minuten – wer rechnet damit?“. Gemeinsam gründeten sie das Unternehmen Focus-On-Performance (FOP) und etablierten das von ihnen entwickelte Neuro Athletic Training im deutschen und europäischen Spitzensport.

Auftaktveranstaltung 4. Quartal „Herausforderungen der Weltgesellschaft“ // 08.10.2018
Im Rahmen der Veranstaltung „Deutschland in einer Welt im Wandel“ wollen Experten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft diskutieren, welche außenpolitische Rolle Deutschland zukünftig übernehmen sollte.

Festakt zum Jahrestag // 18.10.2018
Feierlicher Höhepunkt anlässlich des tatsächlichen „Geburtstags“ der Universität (nur für geladene Gäste). Festredner: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Für den Abend ist eine Jubiläumsparty auf dem Campus Poppelsdorf geplant.

 


 

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Artikel von www.top-magazin.de/bonn