Freizeit

Walking in a Winter Wonderland

Wer meint, dass die Wandersaison spätestens mit dem ersten Schnee endet, verpasst ein ganz besonderes Erlebnis: klare Luft, weiße Weiten, magische Stille. Nur die Schneekristalle knirschen sanft unter den Schuhsohlen. Worauf Sie beim Wandern durch verschneite Landschaften achten sollten und welche Routen sich anbieten – von der Eifel bis in die Alpen.


Wem der Sinn nach einem ganz besonderen Schnee-Erlebnis steht, muss sich nicht zwangsläufig die Skier unter-schnallen. Stapfen statt wedeln lautet die Devise beim Winterwandern. Viele Touris-musregionen reagieren auf den Trend und präparieren entsprechende  Wanderwege – im Tal, aber auch in höheren Regionen. Besonders schön: Selbst auf den beliebtesten Routen ist jetzt nicht annähernd so viel los wie zur Hochsaison. Geräumte Pfade eignen sich sogar für den Kinderwagen. Etwas abenteuerlicher wird es im tiefen Pulverschnee. So oder so lohnt es sich, auch bei klirrender Kälte die Wanderstiefel zu schnüren.


Winterberg

Umwerfende Aussichten und unzählige Aha-Erlebnisse bieten die Winterwanderwege rund um Winterberg – darunter der Rothaarsteig, der Sauerland Höhenflug und der Hochsauerland Kammweg. Hier können sich Winterwanderer auf intakte Naturlandschaften freuen, wie es sie heute nur noch selten gibt. Auch Schneeschuhwanderungen sind hier möglich – auf eigene Faust oder mit einem Guide.

Beliebtes Ziel: der Clemensberg.

 

www.winterberg.de


Das richtige Schuhwerk

Winterwanderer sollten sich allerdings etwas mehr Gedanken über ihre Ausrüstung machen. Zentral ist zum Beispiel ein winterfestes Schuhwerk. Dieses sollte wasser- und kälteresistent sowie atmungsaktiv sein. Außerdem empfehlen sich griffige und stabile Sohlenprofile. „Wichtig ist, dass die Schuhe nicht zu eng gebunden werden“, rät Alexander Düren, der seine Wandererfahrungen in seinem Blog „BergReif“ teilt. „Denn etwas Luft zwischen Fuß und Innenschuh isoliert gegen Kälte.“ Felleinlagen oder Woll-Wandersocken halten zusätzlich warm. Spikes – das sind Schneeketten für die Schuhe –geben Halt, wenn es eisiger wird.

Bei richtig tiefem Schnee lohnt es sich mitunter, Schneeschuhe unter die Wanderschuhe zu klemmen. Sie verteilen das Gewicht ihres Trägers auf eine größere Fläche und verhindern so, dass die Füße im Schnee einsinken. Die ersten Schritte sind meist etwas ungewohnt, doch in der Regel hat man die Technik schnell raus. Trekkingstöcke mit breiten Universal- oder Tiefschneetellern geben zusätzliche Stabilität.


Eifel

Die Eifel bietet Wanderern auch in der kalten Jahreszeit viele aussichtsreiche Möglichkeiten. Darunter zum Beispiel den Winterwanderweg rund um Schöneseiffen. Die Wanderung startet in Schleiden an der Schafbachmühle und folgt  dem Weg bergauf nach Schöneseiffen. Hier geht es über sonnenbeschienene Wege und schließlich durch das Naturschutzgebiet Schafbachtal zurück zum Ausgangspunkt. Die Fernsichten über die Eifel gehören zu den Höhepunkten der familienfreundlichen Rund-Tour. Bei hoher Schneelage wird der Wanderweg geräumt.

www.nationalpark-eifel.de


Die optimale Kleidung

In Sachen Oberbekleidung gilt das Zwiebelprinzip: von der Funktionsunterwäsche über den Fleece-Pullover bis hin zur wasser abweisenden Windjacke. Dabei geht es nicht nur darum, die Anzahl der Lagen flexibel variieren zu können – je nachdem ob einem zu warm oder zu kalt ist. Wie bei den locker geschnürten Schuhen haben die kleinen Luftpolster, die sich zwischen den Bekleidungsschichten  bilden, einen isolierenden Effekt.

Alexander Düren empfiehlt jedoch, sich nicht zu dick einzupacken. Durch die Bewegung wird eingemummten Winterwanderern schnell zu warm und sie geraten ins Schwitzen. Ist die Kleidung einmal durchnässt, trocknet sie bei eisigen Temperaturen sehr viel langsamer und kühlt ihren Träger zusätzlich aus. „Ich ziehe nur soviel an, dass mir beim Loswandern etwas frisch ist“, sagt der Blogger. „Allerdings nehme ich mir immer noch eine dickere Isolationsjacke mit, die ich in der Pause überziehe. Wenn es dann anschlie-ßend weitergeht, verschwindet sie wieder im Rucksack.“

Da sich ein paar Schweißperlen beim Wandern nicht vermeiden lassen, ist Kleidung aus schnell trocknenden Materialien die beste Wahl. Diese transportieren die Feuchtigkeit nach außen, statt sich mit ihr vollzusaugen. In dieser Hinsicht schlagen Funktionsshirts aus Polyester oder Merinowolle den guten alten Baumwollpullover.

Speziell bei Touren durch Tiefschnee ist eine wasserabweisende Wanderhose Gold wert. Vor klitschnassen Hosenbeinen schützen auch Gamaschen. Sie verhindern zudem, dass Schnee in die Schuhe eindringt. Wer keine kalten Finger mag, sollte wasserabweisende Fäustlinge über dünnere Fingerhandschuhe ziehen – ein Hoch auf das Zwiebelprinzip – und darauf achten, dass diese nicht nass werden. Eine Mütze wärmt Kopf und Ohren. Je nach Temperatur empfiehlt sich zusätzlich ein Mundschutz. Bei Sonnenschein sollte darüber hinaus eine Sonnenbrille ins Gepäck. Da der weiße Schnee die Sonnenstrahlen reflektiert, ist es besonders wichtig, seine Augen zu schützen.


Der Hunsrück

Der Hunsrück ist ein beliebtes Wanderziel und auch im Winter einen Ausflug wert. Die Traumschleife „Frau Holle“ hat bei Schnee einen ganz besonderen Reiz. Der 7,7 Kilometer lange Rundweg beginnt an der gleichnamigen Felsformation bei Reinsfeld. Nach germanischem Volksglauben sind in den Spalten des mächtigen Felshanges die Augen der Frau Holle zu sehen. Anschließend führt die Wanderung durch die  abwechslungsreiche Landschaft des Schwarzwälder Hochwaldes, vorbei an den traumhaften Bach-läufen des Lauschbachs und des Wadrills.

www.gastlandschaften.de


Equipment und Proviant

Nun fehlt bloß noch ein Rucksack für Extra- Kleidung, Equipment und Proviant. Da der Körper bei kalten Temperaturen mehr Energie verbraucht, ist es ratsam, etwas mehr Snacks einzuplanen als gewohnt. Eine ideale Wegzehrung sorgt nicht nur für eine ausreichende Energiezufuhr, sondern hält auch warm. Als nützliche Wärmespender erweisen sich zum Beispiel scharfe Gewürze. „Ingwer, Chili und Co. kurbeln die Durchblutung und den Stoffwechsel an und versorgen so auch die Extremitäten mit Wärme“, sagt Alexander Düren. Sein persönlicher Tipp: eine Thermoskanne mit heißem Ingwertee. Auf einer Winterwanderung ist es nämlich ebenso wichtig, ausreichend zu trinken. „Mangelt es dem Körper an Flüssigkeit, wird das Blut dicker und kann nicht mehr richtig zirkulieren.“ Außerdem lässt viel Bewegung den Körper schneller austrocknen, die trockene Winterluft sorgt für zusätzliche Dehydration. Bei der Zusammenstellung des Proviants sollten Winterwanderer bedenken, dass Gasthöfe und Hütten außerhalb der Wandersaison eventuell geschlossen  bleiben – zumindest in jenen Gebieten, die nicht explizit für ihren Wintertourismus bekannt sind.

Neben der Verpflegung gehören auch ausreichendes Kartenmaterial oder ein GPS-Gerät in den Rucksack. Immerhin können Wegmarkierungen zugeschneit sein und übersehen werden. Dasselbe gilt übrigens für Steine oder Wurzeln, die unter einer Schneedecke versteckt zu Stolperfallen werden. Für seine Kamera nimmt Alexander Düren gerne einen Ersatzakku mit. Immerhin fallen Akkulaufzeiten bei niedrigen Temperaturen deutlich geringer aus. Sein Handy trägt er daher in einer Jacken-Brusttasche nah am Körper.


Oberstdorf

Mit 140 präparierten Kilometern verfügt Oberstdorf über eines der größten Winterwanderwegenetze der Alpen. Wer auch in der kalten Jahreszeit Höhenluft schnuppern möchte, wählt einen der Panoramawege, inklusive traumhaftem Blick in die verschneite Bergkulisse der Allgäuer Alpen. Mit einer der Bergbahnen kommen Wanderer bequem zum Ausgangspunkt. Aber auch jedes der wildromantischen Seitentäler ist einen Fußmarsch wert. Zur Stärkung und zum Aufwärmen laden zahlreiche Ausflugslokale am Wegesrand ein.

www.oberstdorf.de


Die ideale Route

Bei der Routenwahl sollten auch geübte Wanderer berücksichtigen, dass speziell Tiefschnee-Touren deutlich mehr Kondition erfordern als sommerliche Wanderausflüge. Außerdem sinkt bei Kälte die Leistungsfähigkeit. Also: Keine Gewaltmärsche planen! Hinzu kommt, dass es in den Wintermonaten viel früher dunkel wird. „Es ist immer gut, eine Stirnlampe dabei zu haben, falls es doch mal etwas später wird“, rät Alexander Düren.

Wer befürchtet, sich bei eisigen Temperaturen zu erkälten, dem sei folgendes verraten: Richtig eingepackt, stärkt eine Winterwanderung sogar das Immunsystem.


Tannheimer Tal

Die verschneite Märchenlandschaft des Tannheimer Tals in Tirol verspricht Out-door-Fans ein Winter-Wander-Wunder. Insgesamt 81 Kilometer geräumte Wege und unzählige gemütliche Hütten warten darauf, erkundet zu werden. Wer etwas ganz Besonderes erleben will, schließt sich einer geführten Schneeschuh-Wanderung an. Gipfelstürmern stehen zwei Möglichkeiten zur Verfügung, um auch im Winter einen Berg zu besteigen: das Neunerköpfle in Tannheim mit dem größten Gipfelbuch der Alpen oder der Gamskopf mit dem Panorama-Informator in Grän.

www.tannheimertal.com


 

Artikel von www.top-magazin.de/bonn