Kultur

Stimmung op kölsch

Zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch verbringt Roger Moore aus Königswinter fast jede freie Minute auf der Bühne. Aber auch außerhalb des Karnevals verbreitet seine Band „De Köbesse“ rheinischen Frohsinn. Mit Top Bonn sprach er über kölsche Mundart, einen Frauenheld als Namensvetter und warum er froh ist, einmal fast in der Boygroup US5 gelandet zu sein.


 

Top: Man mag es kaum glauben, aber Roger Moore ist kein Künstlername?!

Roger Moore: Tatsächlich nicht! Mein Vater ist in Rainham/Kent (Großbritannien) geboren. Mit acht Jahren kam er nach Deutschland, ist im Rheinland gelandet und hat dann die Muttersprache gegen Kölsch getauscht. Daher kommt mein englischer Name.

Top: Dein Namensvetter war ein Frauen­held. Wie schaut das bei Dir aus?

Roger Moore: Sicherlich in früheren Jahren begehrter als heute (lacht). Inzwischen bin ich aber glücklich verheiratet und habe eine fünfjährige Tochter.

Top: De Köbesse und Karneval: Seid Ihr Saisonarbeiter?

Roger Moore: Nein. Ursprünglich war es zwar angedacht, sich hauptsächlich im Fastelovend einen Namen zu machen, aber mittlerweile sind wir auch bei größeren Veranstaltungen dabei – zum Beispiel auf Stadtfesten wie in Siegburg oder Bad Honnef, bei Loss mer singe und anderen Veranstaltungen über das ganze Jahr verteilt. Da wir inzwischen eigene Songs machen, versuchen wir das Ganze ganzjährig nach außen zu tragen. Wir sehen uns also nicht als reine Karnevals-Band, sondern als Kölsch-Band.

Top: Könnt Ihr zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch überhaupt noch Luft holen?

Roger Moore: Das ist in der Tat sehr schwierig. Neben Beruf und Familie sind wir mit der Musik schon sehr eingespannt. Wir haben ja nicht nur die Auftritte, sonern auch administrative Dinge zu erledigen. Das machen wir alles selbst. Nur das Booking haben wir mittlerweile abgegeben.

Top: Auf welche Highlights dürfen sich Eure Fans in der kommenden Session freu­en?

Roger Moore: Sicherlich auf die neue Sessions-Single „dat Bessje“, ein Schlagerelektropop-Hit – auf Kölsch natürlich. Und selbstverständlich versuchen wir, wie in jedem Jahr, volle Energie auf die Bühne zu bringen. Wir haben außerdem gerade unser erstes Musikvideo zu dem Song „Och morje noch“ rausgebracht. Im kommenden Jahr folgen noch weitere Musikvideos.

Top: Was machst Du nach Aschermitt­woch?

Roger Moore: Erfahrungsgemäß brauchen wir erst mal zwei bis vier Wochen um runterzukommen. Die Session ist doch sehr anstrengend. Und dann fängt auch wieder der Alltag an. Spätestens nach acht Wochen geht es dann wieder an die Sessionsplanung für das kommende Jahr. Außerdem wollen wir 2018 unser erstes großes Album veröffentlichen.

Top: Warum rheinische Mundart?

Roger Moore: Eigentlich wollte ich schon immer kölsche Musik machen. Mein Vater hat 25 Jahre lang in der Band „Köbes“ gespielt und ich war als kleiner Junge immer mit dabei. So bin ich da reingewachsen. Der erste Song, den ich jemals auf einer Bühne gesungen habe, war von Brings „Superjeilezick“. Mit diesem Song habe ich auch 2002 die Linus-Talentprobe in Köln gewonnen.

Top: Du bist in die Fußstapfen Deines Vaters getreten, der 2009 leider viel zu früh verstorben ist.

Roger Moore: Nach dem Tod meines Vaters hatte sich das Bandprojekt erst mal erledigt. Durch einen Zufall haben wir uns dann am 11.11.11 als Band neu formiert und sind als Nachfolger mit „De Köbesse“ neu gestartet. Auch erst mal als Cover Band. Seit der Session 16/17 haben wir aber entschieden, ausschließlich eigene Songs zu spielen.
Ich bin sehr stolz, die Tradition meines Vaters weiterführen zu können. Wenn auch als Sänger und nicht als Schlagzeuger. Das übernimmt jetzt übrigens mein Bruder. „Nur ne Moment“ ist ein Song, den ich für meinen Vater geschrieben habe.

Top: Du hast bei „Deutschland sucht den Superstar“ teilgenommen und wärst fast in der Boygroup US5 gelandet… Bist Du heute froh, dass es anders gelaufen ist?

Roger Moore: Das kann ich so nicht sagen! Das waren sicherlich zwei Mosaiksteine in meinem Leben, die dazu beigetragen haben, dass ich jetzt weiß, wo ich stehe. Viele Dinge sehe ich viel realistischer. Es war aber auf jeden Fall eine großartige Erfahrung. Außerdem hatte ich dadurch die Möglichkeit, meine ersten CDs zu veröffentlichen und zweimal als Solo-Künstler auf Tour zu gehen.

Top: Finanziert die Musik Deinen Le­bensunterhalt?

Roger Moore: Nein. Stand heute lebt die Band nicht von der Musik. Wir sind alle noch berufstätig. Das versetzt uns aber in die glückliche Lage, ohne Druck auf der Bühne spielen zu können. Wir können uns voll und ganz auf unsere Leidenschaft konzentrieren. Und sind nicht gezwungen, irgendetwas zu machen, was uns eigentlich gar nicht passt.


ROGER MOORE

Geboren 1981 in Siegburg, wuchs im Berg bereich von Königswinter auf, genauer gesagt in Vinxel. Er besuchte die Grundschule in Stieldorf und die Realschule Oberpleis. Den Einstieg in die Musik fand der gelernte Kaufmann erst mit 19 Jahren, in der Band seines Vaters. Heute ist er Bandleader von „De Köbesse“.

 

Artikel von www.top-magazin.de/bonn