Wirtschaft

„Ich liebe Trouble!“

10 Fragen an: Inga Koster


Sie arbeiten hart, kommunizieren gekonnt und sind trotzdem eine Seltenheit: Frauen in den Führungsetagen großer Unternehmen. Wir haben uns auf die Suche gemacht, natürlich in der Region, und dem Thema eine eigene Interviewreihe gewidmet: Frauen im Chefsessel – was sie antreibt, was sie leisten und wer hinter der steilen Karriere steckt. Unsere Gesprächspartnerin für diese Ausgabe: Inga Koster, Mit-Gründerin und Geschäftsführerin Produkt und Finanzen des Smoothie-Marktführers true fruits.

top-bonn-ich-liebe-trouble-02„Damals meinten viele, wir seien bescheuert. Immerhin hatte ich während meines BWL-Studiums vorwiegend im Investment-Banking-Bereich gearbeitet. Jetzt wollte ich plötzlich Obst pürieren.“

(Inga Koster über die Gründung von true fruits)

 

Top: Wann startest Du in den Tag?

Inga Koster: Meistens so gegen 6.30 Uhr, weil dann eines meiner Kinder an meinem Bett steht. Meine Arbeitszeiten kann ich mir flexibel einteilen. Immerhin muss der Nachwuchs spätestens um 16.30 Uhr auch wieder aus dem Kindergarten abgeholt werden. Da ist es ganz schön praktisch, dass der Papa der Kinder (true-fruits-Mitgründer und CEO Marco Knauf) und ich zusammenarbeiten. Wir wissen genau, wann der andere einen Termin hat und wechseln uns ab.

Top: Welches sind die schönsten Seiten Deines Jobs?

Inga Koster: Ganz ehrlich? Ich liebe Trouble! Ich mag es, wenn ich Probleme anpacken und lösen kann; wenn alle an einem Strang ziehen und das Unmögliche möglich machen. Einmal, als wir gerade im Begriff waren, den ersten grünen Smoothie auf den Markt zu bringen, haben wir uns mit der Flaschenanzahl verkalkuliert. Wir waren von einer deutlich geringeren Nachfrage ausgegangen und hatten entsprechend weniger produziert – aus Grünglas, da die grüne Mischung zwar mega lecker schmeckt, aber nicht wirklich appetitlich ausschaut. Der Smoothie kam so gut an, dass er innerhalb von zweieinhalb Monaten ausverkauft war. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir jedoch kein Grünglas mehr auftreiben und es sah zunächst aus, als ob wir nicht nachproduzieren können. Letztendlich hatten wir die Idee, Weißglas-Flaschen grün anzumalen. Das war zwar unheimlich teuer, hat aber funktioniert. Diese Momente, in denen man um die Ecke denken muss, machen mir am meisten Spaß Ich bin halt ein Adrenalin-Junkie.

Top: Sind solche Momente auch die größten Herausforderungen Deines Jobs? 

Inga Koster: Meine verschiedenen Lebensbausteine zusammenzuführen, ohne dass es in absoluten Stress ausartet – das ist aktuell meine größte Herausforderung. Da sind zum einen meine Kinder, die betreut werden möchten. Zum anderen bin ich neben true fruits auch noch bei „Suck it“ beteiligt, einem Cocktail-Wassereis-Start-up, das zurzeit noch sehr arbeitsintensiv ist. Ab und an möchte ich dann auch noch ein wenig Mensch sein und mich abends mit einer Freundin treffen.

Top: Worauf bist Du besonders stolz?

Inga Koster: Auf meine Kinder und darauf, dass ich alles so gut unter einen Hut bekomme. Und natürlich auch auf true fruits. Es ist schon cool zu sehen, wie sich der „Saftladen“, den wir als Studenten gegründet haben, entwickelt hat. Damals meinten viele, wir seien bescheuert.

Immerhin hatte ich während meines BWL-Studiums vorwiegend im Investment-Banking-Bereich gearbeitet. Jetzt wollte ich plötzlich Obst pürieren. Wir haben trotzdem an unsere Idee geglaubt und es durchgezogen – mit Erfolg. Einer der sch.nsten Tage meines Lebens war tats.chlich der, an dem wir mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet wurden. Das war eine tolle Anerkennung nach einer wilden Start-up-Phase. Für mich ist es nach wie vor ein cooles Gefühl, wenn ich in einem Cafe oder einem Supermarkt sehe, wie Menschen zu unseren Smoothies greifen. Nicht, weil sie mich kennen, sondern einfach, weil sie Lust drauf haben.

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Inga Koster mit ihren Geschäftsführer-Kollegen Nicolas Lecloux (links) und Marco Knauf.

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„Ich mag es, wenn ich Probleme anpacken und lösen kann; wenn alle an einem Strang ziehen und das Unmögliche möglich machen. Ich bin halt ein Adrenalin-Junkie.“

(Inga Koster)

Top: Wie würde Dich Dein Team beschreiben?

Inga Koster: Zum gewissen Grad verpeilt, aber auch analytisch und lösungsorientiert. Außerdem bin ich ziemlich direkt und kann im Fall der Fälle auch mal Tacheles reden.

Top: Gibt es Dinge, Die Du besser kannst als Deine Geschäftsführerkollegen? 

Inga Koster: Wir haben alle unsere Stärken. Ich bin auf jeden Fall die mit der Notfallkompetenz. Wenn alle meinen, es geht nicht mehr weiter, finde ich doch noch einen Weg. Grundsätzlich funktionieren wir aber wunderbar im Team. Viele Ideen – wie die Sprüche der aktuellen Österreich-Kampagne – entwickeln wir gemeinsam. Grundsätzlich ist Marco für den Vertrieb zuständig, Nic für das Marketing und ich für den Bereich Business Operation. Das war allerdings nicht immer so. Die ersten fünf Jahre war das Marketing mein Metier und Nic hat sich um die Zahlen gekümmert. Bis uns irgendwann aufgefallen ist, dass uns der jeweils andere Job besser liegt. Also haben wir getauscht. Mal ganz ehrlich: Da arbeitest du acht Stunden und hast am Ende einen Flyer!

Top: Führen Frauen anders als Männer?

Inga Koster: Schwer zu sagen. Ich weiß in der Regel immer genau, was bei jedem meiner Mitarbeiter gerade abgeht, auch privat, und nehme darauf Rücksicht. Das ist vielleicht weiblich? Allerdings kann Nic das auch ziemlich gut.

Top: Was sagst Du zum Thema Frauenquote?

Inga Koster: Ich finde solche Vorgaben absolut bescheuert. Ich selbst möchte als Frau nicht aufgrund meines Geschlechts eingestellt werden, sondern aufgrund meiner Leistungen. Außerdem müssen wir, als kleines Unternehmen, den Besten oder die Beste nehmen – ohne Rücksicht auf das Geschlecht. Was mir allerdings auffällt ist, dass Frauen in Vorstellungsgesprächen deutlich niedrigere Gehaltsvorstellungen äußern als Männer. Das klafft extrem auseinander.

Top: Aus welchen Fehlern hast Du am meisten gelernt?

Inga Koster: Die Fehler, die mich am meisten ärgern, sind die, die eigentlich absehbar waren. Wenn mir schon im Vorfeld klar ist, dass etwas in die Hose geht, ich es aber trotzdem schleifen lasse. Also habe ich mit der Zeit gelernt, auf mein Bauchgefühl zu hören.

Top: Wie sieht für Dich der ideale Feierabend aus?

Inga Koster: Am besten jeden Abend anders. Mal auf der Couch, mal mit den Freundinnen essen gehen. Dass die Kinder schlafen, ist auf jeden Fall eine gute Voraussetzung. Entspannen kann ich besonders gut beim Joggen. Dann kommen mir die besten Ideen.

 

Artikel von www.top-magazin.de/bonn