Freizeit

Motorrad-Rennfahrer Marc Buchner

No risk no fun: Marc Buchner und sein Leben im Grenzbereich.


 

Top: Wolltest du schon immer Rennfahrer werden?
Marc Buchner: Ich habe mich schon als kleiner Junge für Motocross interessiert und für alles, was zwei Räder hat. Allerdings ist der Sport sehr gefährlich und meine Eltern hatten Angst um meine Gesundheit. So hat es sich erst mit 14 Jahren ergeben, dass ich in den Rennsport einsteigen konnte. Zu der Zeit bin ich mein erstes Rennen gefahren, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Ich hab sofort Blut geleckt, wie man so schön sagt und bin völlig in dieser Herausforderung auf der Strecke aufgegangen. Mich hat damals schon der Wettkampf gereizt. Zudem habe ich gemerkt, dass mir das sehr liegt, gerade in diesem Grenzbereich zu funktionieren und unter hohem Druck trotzdem Bestleistung abrufen zu können.

 

Top-Magazin-Bonn_No-Risk-no-fun-4Top: Was ist für dich die größte Herausforderung in der nächsten Zeit?
Marc Buchner: Die Teilnahme an der Endurance WM. Ich werde das 24 Stunden Rennen von Bol d´Or für ein belgisches Team bestreiten. Ich fahre normalerweise nur Sprintrennen, in denen ein Turn gerade mal die Aufwärmphase in einem 24 Stunden Rennen ist. In Bol d´Or werde ich dann mit zwei weiteren Fahrern abwechselnd etwa eine Stunde und acht Minuten am Stück fahren, was eine enorme Belastung ist. Ich habe das auch schon praktiziert und geübt. Dennoch verlangt es dem Körper viel mehr ab als bei einem Sprintrennen. Ich bin sogar vom Körperbau viel massiver geworden, um einfach diese Kraft und Substanz für das Rennen mitzubringen.

 

Top: Was gibt dir Rückhalt bei so einem gefährlichen Beruf?
Marc Buchner: Meine Familie und meine Freundin sind immer für mich da. Aber ich muss auch sagen, dass du extrem abgehärtet sein musst für diesen Sport. Man sollte schon von Anfang an eine hohe Schmerz- und Stresstoleranz mitbringen. Denn man wird oft in seiner Entwicklung zum Profi an seine Grenzen stoßen, ob bei einem Sturz oder auch aufgrund der psychischen Belastung. Da ist es immer gut, jemanden als Unterstützung zu haben. Auf der Rennstrecke draußen triffst aber nur du allein die Entscheidungen.

 

Marc Buchner (re.) im Interview mit Top-Redakteur Timo Tonndorf.

Marc Buchner (re.) im Interview mit Top-Redakteur Timo Tonndorf.

 

Top: Du bist letzte Woche gestürzt. Was ist dir dabei durch den Kopf gegangen?
Marc Buchner: Ich habe mir noch beim Crash die Frage gestellt, wie das wohl passiert ist und wie viel Arbeit meine Mechaniker jetzt haben werden, das Motorrad wieder aufzubauen. Für einen Laien wahrscheinlich eher untypisch, aber als Rennfahrer denkt man halt an ganz andere Sachen. Nachher stellte sich heraus, dass ein Ölschlauch geplatzt und das Öl auf mein Vorderrad gespritzt war. Das führte zum Sturz. Nicht gerade angenehm bei 220 km/h, aber ich bin mit leichten Blessuren davongekommen.

 

»Der Motorsport bedeutet für mich nicht nur,

ein Motorrad schnell um einen Kurs zu fahren.

Es ist die Herausforderung, aus einem komplexen

technischen Sportgerät alles herauszuholen.

Du musst alle deine Sinne schärfen, dich

konzentrieren, deinen Fokus auf jede neue

Situation richten und blitzschnell reagieren.«

 

Top: Was zeichnet deiner Meinung nach einen guten Motorradrennfahrer aus?
Marc Buchner: Man sollte den Ehrgeiz haben, sich gerade nach einem Sturz wieder aufs Bike zu schwingen und die nächste Kurve mit noch mehr Biss und Willen zu nehmen. Das Verlangen, sich immer weiter zu steigern und oft auch über die Grenze hinaus zu gehen, macht dabei sehr viel aus. Denn sonst würde man nach einem Sturz, wie bei mir letztes Wochenende, wohl keinen Meter mehr schnell fahren. Zudem gehören natürlich auch ein gewisses Talent dazu und ein Gespür für die Strecke sowie die Maschine.

 

Top: Was ist deine Lieblingsstrecke?
Marc Buchner: BARCELONA, weil ich damals zur Europameisterschaft dort meine ersten Punkte einfahren konnte. Und der Lausitzring, weil ich dort meinen ersten Podiumsplatz bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft gefeiert habe. Dieser Moment auf dem Podium ist einfach unbeschreiblich. Das kann dir keiner mehr nehmen.

 

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Top: Was fasziniert dich am meisten am Rennsport?
Marc Buchner: Zum einen fasziniert mich der Zweikampf beim Rennen immer wieder aufs Neue. Und auch die Ungewissheit vor einer neuen Saison, weil noch alles offen ist. Du weißt an dem Punkt noch nicht wo du stehst und musst dich hochkämpfen bis zum Podium. Es gibt immer neue Herausforderungen, denen man entgegentreten muss. Man hört nie auf, sich zu verbessern.

 

Top: Macht sich deine Familie sorgen, wenn du auf dem Motorrad sitzt?
Marc Buchner: Die Stürze fallen schon heftiger aus heutzutage. Klar ist meine Familie da besorgt. Aber ich bin mir immer bewusst, dass es meine letzte Runde sein kann und das Risiko gehe ich gerne ein. Klar habe ich mir schon einige Knochen gebrochen und auch ein Finger war schon mal halb ab. Allerdings war zum Glück noch kein lebensgefährlicher Sturz dabei.

 

Top: Was sind deine Ziele für die Zukunft?
Marc Buchner: Mein aktuelles Ziel ist es, im kommenden Jahr bei der World Super Sport 600 WM mitzufahren. Dafür würde ich gerne noch meine Fitness verbessern. Ansonsten passt alles. Die Reserven und das Training sind top. Es ist manchmal nur schwierig, eine optimale Balance zwischen Training und Fitness zu finden. Es gibt Phasen, in denen ich optisch super dastehe, dafür aber weniger Zeit auf der Strecke hatte. Oder umgekehrt. Zeit ist dabei ein erheblicher Faktor.

Artikel von www.top-magazin.de/bonn