Lebensart

Altbausanierung: Neubau hinter alten Mauern

Wo einst Getreide lagerte und Schafe blöckend die Nachbarn weckten, haben sich Architekt David Fröde und seine Lebensgefährtin Marie Erdmann einen modernen Wohntraum erfüllt. Top Bonn warf einen Blick hinter die alten Scheunen-Tore und fand einen Neubau im Altbau.


Beeindruckend: Die Altbausanierung eines alten Bauernhofes

Wer von der Straße auf die 100 Jahre alte Hofanlage blickt, ahnt kaum, was sich hinter den betagten Backsteinmauern so alles getan hat. 2015 bekam das Architekturbüro Fröde die verlockende Chance, hier alles auf links zu drehen. Heute wohnen fünf Parteien auf dem Gelände des alten Vinxeler Bauernhofs. Auch der Architekt selbst. Er und seine Lebensgefährtin hatten sich auf Anhieb in den ehemaligen Stall verliebt: eine charmante Hülle, die sie nach Belieben mit neuem (Innen)-Leben füllen konnten.

Gegensätze ziehen sich an

Das Ergebnis der Altbausanierung besticht durch einen reizvollen Kontrast von alt und neu: Die massiven Balken des ursprünglichen Sprengwerks treffen auf gerade Linien und klare Formen. Im unteren Teil des Gebäudes hat sich der Bauherr sein Architekturbüro eingerichtet. Die Wohnräume ließ er in den sechs Meter hohen Dachstuhl integrieren. Die größte Herausforderung: den modernen Grundriss millimetergenau um die vielen Balken herum zu planen. Auch grundsätzlich legte David Fröde großen Wert darauf, alte Substanzen so weit wie möglich zu erhalten. Auch aus ökonomischen Gründen: „Eine Treppe zu verlegen, gehört zu den teuersten Dingen, die man bei einer Altbausanierung machen kann“, sagt er. Die Treppe vom Erd- ins Obergeschoss bekam also einen neuen Look, blieb aber, wo sie war.


»Die alte Scheune bot eine charmante Hülle, die David Fröde nach Belieben mit neuem (Innen)Leben füllen konnte.«


Gute Aussichten

Um aus der Wohnung direkt ins Freie treten zu können, traf das Paar eine originelle Entscheidung: Sie opferten einen Teil des Daches, um eine Dachterrasse mit grandiosem Blick auf das Siebengebirge zu schaffen. Den verantwortlichen Statikern trieben sie damit Schweißperlen auf die Stirn – immerhin muss ein begehbares Flachdach ganz andere Belastungen aushalten. Etwas knifflig gestaltete sich auch der Ausbau des Spitzbodens. Hier schien ein tragender Balken zunächst den Einbau einer Tür zu verhindern. David Fröde entschied jedoch, aus der Not eine Tugend zu machen: Er ließ kurzerhand eine Türzarge aus Stahl anfertigen und anstelle eines Sturzes einsetzen.
Altbausanierung Küche

Weniger ist mehr

Schwarzer Stahl kam wiederholt zum Einsatz: als stützende Säule, Treppengeländer oder Balustrade auf der Empore. Nicht lackiert oder pulverbeschichtet, sondern unbehandelt, mit sichtbaren Gebrauchsspuren. „Das passt zu einem alten, funktionellen Gebäude wie unserer Scheune“, sagt David Fröde, der sich beim Ausbau bewusst auf möglichst wenige Materialien beschränkt hat: Das Eichenholz der Balken taucht auch auf der Treppe und im Boden wieder auf. Zementfliesen schmücken den Eingangsbereich sowie den Spritzschutz der Küche – zwar neu, aber optisch fast wie damals. Unter anderem, weil sie nicht ganz so akkurat verlegt wurden. Die Backsteine der Fassade finden sich auch im Wohnzimmer wieder. Als Bodenbelag an jener Stelle, an der bald ein Kamin für gemütliche Wärme sorgen soll.

Auf gute Nachbarschaft

Neben dem Komplettumbau der Scheune war David Fröde auch für die Sanierung des ehemaligen Wohnhauses der Bauernfamilie verantwortlich. Aus einer riesengroßen, aber ungünstig aufgeteilten Wohnfläche entstanden zwei unabhängig nutzbare Einheiten. Eine weitere Scheune im hinteren Teil des Geländes hatte sich als so baufällig erwiesen, dass sie zwei modernen Neubauten weichen musste. Also bestimmt auch im Außenbereich der Kontrast zwischen alt und neu den Charme der umgebauten Hofanlage.

Vorher / Nachher


Das Treppenhaus Vorher / Nachher


Die Außenansicht Vorher / Nachher


Die Innenansicht Vorher / Nachher

Artikel von www.top-magazin.de/bonn