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Simon Böer ist nicht nur Herzensbrecher

Schauspieler Simon Böer über seine Rolle als Herzensbrecher, den Arbeitsalltag eines Seriendarstellers sowie die Entscheidung, mit Frau und Kindern in seine Heimatstadt Bonn zurückzukehren.


Ein Interview mit Simon Böer

In den 1990er Jahren lockte ihn ein Schauspielstudium von Bonn nach Berlin. Jetzt ist Simon Böer zurück in der Heimat. Momentan steckt er mitten in den Dreharbeiten zur vierten Staffel „Herzensbrecher – Vater von vier Söhnen“, die ab Herbst im ZDF-Vorabendprogramm läuft. Hier schlüpft er in die Rolle des evangelischen Pfarrers Andreas Tabarius, der nach dem Tod seiner Frau vier Söhne alleine großziehen muss. Fiktionaler Schauplatz der Serie: das idyllische Bonn, das sich beim Outdoor-Interview am Rhein von seiner sonnigsten Seite zeigte.
Top: Schauspieler – das klingt nach einem unglaublich spannenden Beruf!

Simon Böer: Es ist natürlich wunderbar, „spielend“ sein Geld zu verdienen. Dass ich meine Familie mit diesem Beruf ernähren kann, der mich größtenteils erfüllt, wage ich als Luxus zu bezeichnen. Es gab auch andere Zeiten, und ich bin sehr dankbar für meine Lebenssituation. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie nervenaufreibend es war, ein Engagement zu beenden, ohne zu wissen, wann das nächste Angebot reinkommt. Und diese Situation kann natürlich auch immer wieder eintreten. Mittlerweile hat mich das aber eher gestärkt, und es muss schon einiges schieflaufen, um mich aus der Bahn zu werfen.
Top: Also gibt es auch Schattenseiten?

Simon Böer: Natürlich. Das Nervigste für mich bleibt immer noch der Verzicht auf meine Familie während der Arbeit. Bei diesem Beruf bist Du viel unterwegs und der Spagat zwischen Job und Familie ist gelegentlich unangenehm. Anne, Milon und Mia sind für mich die wichtigsten Menschen auf dieser Welt – und ich bin sehr froh, dass sie diesen Zirkus mitmachen. Wir führen alles andere als ein beständiges, planbares Leben. Das ist sicherlich spannend, aber auch eine Herausforderung.
Top: Hat die Entscheidung, den Lebensmittelpunkt von Berlin wieder nach Bonn zu verlegen, mit diesem Spagat zu tun?

Simon Böer: Absolut! Nach der zweiten Staffel „Herzensbrecher“ hatte ich das Pendeln zwischen Köln (dem hauptsächlichen Drehort) und Berlin satt. Ich konnte den Erwartungen an mich selbst, was Familienleben angeht, innerhalb von 24 Wochenendstunden nicht gerecht werden. Als Paar kann man solche Situationen vorübergehend verschmerzen. Aber wenn man dann am Sonntagabend in traurige Kinderaugen schaut, motiviert einen das nicht sonderlich für die Woche. Daher haben wir die Pendelwege ein wenig verkürzt und sind in meine alte Heimat gezogen.


Top: Was sagt Deine Familie dazu, nach Bonn „verpflanzt“ zu werden?

Simon Böer: Das haben wir natürlich gemeinsam beschlossen. Meine Frau war da sogar die treibende Kraft. Sie liebt das Rheinland ebenso wie ich, und wir sind happy, dass man die 30 Kilometer zwischen Köln und Bonn auch mal eben spontan unter der Woche, nach Drehschluss, fahren kann. Für meine Tochter Mia war der Ortswechsel nicht so unproblematisch. Zum einen wegen ihrer Freunde. Zum anderen willst Du mit sechzehn Jahren alles, nur keine Entschleunigung. Aber eben genau das bedeutet Bonn im Gegensatz zu Berlin. Mittlerweile schätzt sie das Leben hier aber ebenso sehr wie wir. Mein Sohnemann sowieso. Für ihn war es am wichtigsten, hier wieder einen guten Fußballverein zu finden. Außerdem lebt meine Mutter hier. Die Nähe zur Oma birgt schon den ein oder anderen Vorteil.
Top: Ist es Zufall, dass man Dich (damals noch in Berlin) für eine Serie in Bonn gecastet hat?

Simon Böer: Ja, ein wunderschöner Zufall. Wenn es Zufälle überhaupt gibt.
Top: Warum, meinst Du, hat die Produktionsfirma Bonn als „Herzensbrecher“-Schauplatz gewählt?

Simon Böer: Bonn hat – mit Verlaub – etwas liebenswürdig Provinzielles. Es geht um den Reiz der Kleinstadt, in der es noch nicht so anonym zugeht. Die Serie wäre eine andere, würde sie in einer Großstadt spielen.
Top: Gedreht wird allerdings in Köln.

Simon Böer: Wir haben es schon bis hoch zum Drachenfels geschafft, aber meistens bleiben wir tatsächlich in Köln. Hier steht auch „meine“ Kirche. Immerhin ist es gar nicht so einfach, eine Kirchengemeinde zu finden, deren Gotteshaus man halbjährlich in Beschlag nehmen darf – das macht nicht jeder mit. Ich würde mir allerdings wünschen, mehr in Bonn zu drehen.
Top: Von Hause aus bist Du katholisch getauft, spielst in der Serie aber einen evangelischen Pfarrer. Musstest Du Dich „einarbeiten“?

Simon Böer: Ich habe viel Recherche betrieben, habe Gottesdienste besucht und hatte die Gelegenheit, Gespräche mit Geistlichen beider Konfessionen zu führen. Allen voran steht mir da Mathias Bonhoeffer – der Pfarrer der Kartäuserkirche, in der wir drehen – zur Seite. An ihn kann ich mich mit Fragen aller Art wenden.
Top: In „Herzensbrecher“ steht ein chaotisch-sympathischer Männerhaushalt im Fokus. Was läuft ohne Frau im Haus anders?

Simon Böer: „Chaos“ trifft es schon ganz gut. Ich glaube, dass die Frau im Haus, beziehungsweise eine Mutter, das Herzstück der Familie ist. Andreas Tabarius versucht das nach dem Tod seiner Frau nach Kräften zu kompensieren, um Erziehung, Haushalt und Job unter einen Hut zu bringen.
Top: Hast Du als Schauspieler einen geregelten Alltag?

Simon Böer: Momentan stecke ich wieder mitten in den Herzensbrecher-Dreharbeiten. Da ist zumindest mein Arbeitstag sehr geregelt. Morgens werde ich um circa 7.30 Uhr abgeholt. Am Set stehen zunächst Maske und Kostüm an. Dann drehen wir die ersten Szenen. Wenn alles glatt läuft, bin ich um 19.30 Uhr wieder zu Hause, checke die Dispo für den nächsten Tag und bereite die anliegenden Szenen vor. So um 21.30 Uhr ist dann Schicht. Wenn ich mich aufraffen kann, gehe ich dann noch zum Sport. Alternativ strande ich aber auch schon mal beim Feierabendkölsch – im Rheinland immer sehr verlockend. Ich liebe die Kneipenkultur hier.


Top: Es heißt, Du hast Dich in Deiner Jugend durchs Bonner Nachtleben gejobbt?

Simon Böer: Ja, ich hatte mit meinem Freund Matthias Henning zwei feste Schichten im Café Göttlich – das gibt es ja leider nicht mehr. Während meines Zivildienstes war ich zudem Türsteher im Carpe Noctem.
Top: Machst Du auch heute noch das Nachtleben unsicher?

Simon Böer: Ich bin ruhiger geworden, muss nicht mehr jede Party mitnehmen. Aber ja, meine Frau und ich lieben es, gelegentlich mal auf den Putz zu hauen.
Top: Vom Erotikthriller („Devot“) zur Familienserie: Macht einem Schauspieler gerade die Abwechslung Spaß?

Simon Böer: Als Schauspieler kann ich in verschiedenste Leben eintauchen. Das liebe ich an meinem Beruf! Wir alle haben als Kinder gespielt und kennen den Zauber: man darf Dinge tun und Erfahrungen machen, ohne wirklich die Konsequenzen tragen zu müssen. Ich wollte nicht aufhören zu spielen und bin, sicherlich mit Talent aber auch ganz viel Glück, da gelandet, wo ich jetzt bin. Und alles hat seine Zeit: Heute darf ich den Familiendaddy und Pfarrer Andreas Tabarius spielen, morgen vielleicht einen schwulen Serienkiller. Diese Quantensprünge sind schon aufregend.
Top: Noch eine Frage zum Abschluss: Bist Du ein Herzensbrecher?
Simon Böer: Ich gewinne deutlich mehr Herzen als ich jemals gebrochen habe!

Artikel von www.top-magazin.de/bonn