Lebensart

Barbiere da Roberto: Der Vollbart ist wieder in Mode

Brad Pitt gehört zu den attraktivsten Trägern, Karl Marx hatte ein besonders prächtiges Exemplar und der Weihnachtsmann würde ohne ziemlich nackt aussehen – die Rede ist vom Vollbart: männlich, markant und momentan mal wieder mächtig in Mode. Genauso wie die neue Generation hipper Barber-Shops, die bei Whiskey und Wellness die Renaissance einer fast vergessenen Herrenkultur feiern.


Oben ohne ist out! Das weiß auch Roberto Nicolaci von Barbiere da Roberto

Auch wenn sich viele erst an den haarigen AnbHalick gewöhnen müssen – so richtig neu ist der Vollbart natürlich nicht. Wahrscheinlich könnte fast jeder der stolzen Züchter problemlos ein Familienfoto hervorzaubern, auf dem der ein oder andere Vorfahre ähnlich behaart in die Kamera grinst. Besonders in den 1970er Jahren erfreute sich die kuscheligste Variante der männlichen Gesichtsbehaarung größter Beliebtheit.


„Allerdings etwas zerzauster und nicht ganz so sorgsam gepflegt wie heute“, sagt Roberto Nicolaci, der mit „Barbiere da Roberto“ den angesagtesten Barber-Shop der Region betreibt.


Auf den Vollbart-Trend folgte in den 80ern übrigens der Schnurrbart. Im Laufe der 90er wanderte die Aufmerksamkeit zeitweilig unters Kinn, bis um die Jahrhundertwende David Beckham und Co. den Dreitagebart zum sexy Ideal erhoben. Heute lassen die Herren wieder wachsen.

Waschen, stutzen, stylen

Grundsätzlich gilt: Je länger der Bart, desto aufwändiger die Pflege. Bis zu 15 Minuten täglich müssen Bärtige für einen gepflegten Look investieren: waschen, stutzen, stylen. Mitunter wird sogar gefärbt – sei es, um eine natürliche Rotfärbung oder die ein oder andere graue Strähne zu kaschieren. Für die Pflegeroutine steht heute eine große Auswahl spezieller Bartprodukte zur Verfügung: von schonenden Shampoos und hausgemachten Rasierseifen über edle Dachshaar-Pinsel und exklusive Rasierklingen bis hin zu pflegenden Ölen und fixierenden Sprays. Auf ordinäre Kopfhaar-Produkte aus der Drogerie zurückzugreifen, würde den speziellen Anforderungen der empfindlichen Gesichtshaare und auch der anfälligeren Haut darunter nicht gerecht werden. Zur Grundausstattung gehören drei Dinge, sagt Roberto Nicolaci: Bartöl, Bartwachs und ein Kamm.

Wellness und Whiskey

Im Gegensatz zu den wilden 70ern gelten Vollbärte heute als besonders prächtig, wenn sie gehegt und gepflegt aussehen. Kein Wunder also, dass das Handwerk des Barbiers – einst durch die Verbreitung heimtauglicher Nass- und Trockenrasierer vom Markt verdrängt – in zahlreichen deutschen Städten, vor allem den großen, ein scharfes Comeback feiert. Viele der stylischen Barber-Shops (in der Regel Herrenfriseure mit speziellem Bart-Fokus) sehen aus, als wären sie nie weg gewesen: Oldschool-Ledersitze, Retro-Waschbecken, traditionelle Klapp-Rasiermesser – natürlich mit modernen, hygienischen Wechselklingen. In der Regel darf auch der sogenannte Barber’s Pole, das Zunftzeichen der Barbiere, mit blau-weiß-roter Helix nicht fehlen; sowie der obligatorische Stapel Männerzeitschriften: GQ, Auto Motor Sport und natürlich der Playboy.


„Als ich noch gemeinsam mit meiner Frau einen kombinierten Damen- und Herrensalon betrieben habe, wagten es nur die wenigsten meiner Kunden nach dem Playboy zu greifen“, erinnert sich Roberto Nicolaci.


Bei Jazzmusik, Männergesprächen und einem Glas Whiskey – oder wahlweise auch einer Flasche Bier – geht es bei ihm um mehr als nur ums Haaretrimmen. Es geht um Wellness, inklusive Feuchtigkeitscreme, duftendes Aftershave und warme Kompressen. Weiberkram? Von wegen! Hier wird die Rückkehr einer alten Herrenkultur zelebriert, als Männer noch Pomade benutzten, nur mit Maßanzug und Hut das Haus verließen und sich nachmittags lässig einen Scotch genehmigten.

Ganz schön haarig

Auch wenn der Vollbart längst seine Businesstauglichkeit bewiesen hat, steht er noch lange nicht jedem. So lässt er zum Beispiel runde Gesichter noch voluminöser wirken. Hier wäre ein optisch streckender Kinnbart deutlich vorteilhafter. Rauschebärte schmeicheln vor allem Herren mit markanten Gesichtszügen, da sie diese etwas weicher erscheinen lassen. Außerdem verleihen sie ihren Trägern eine reife, interessante und maskuline Ausstrahlung. „Die Kunst liegt darin, die eigene Persönlichkeit zu unterstreichen“, betonen Stilberater. Denn ein Bart, der nicht zum Mann passt, kann schnell albern wirken.

Apropos albern:

Ein Blick in die Vergangenheit sowie die Spiegel besonders hipper Trendsetter kündigt bereits die nächste haarige Mode an: den Schnurrbart Marke Magnum.

Artikel von www.top-magazin.de/bonn