Kultur

Bill Mockridge im Interview

Drei Kameras, zwei Stühle und ein ziemlich neugieriger Fragensteller: Schauspieler und Musiker Hanno Friedrich lädt regelmäßig zum Interview ins Haus der Springmaus. Rede und Antwort stehen Promis aus Bonn und der Region. Dieses Mal: Bill Mockridge – Kabarettist, Autor, Springmaus-Gründer, langjähriger Darsteller der Lindenstraße und stolzer Vater sechs begabter Söhne.


Bill Mockridge im Interview mit Hanno Friedrich

TOP Talk mit Hanno Friedrich und Bill Mockridge

Bill, Anfang der 70er Jahre hat es dich nach Deutschland verschlagen. Unter anderem wegen der Theaterszene bist du geblieben. Was macht diese aus?

Bill Mockridge: Ach, was Schauspieler hier vorfinden, ist purer Luxus! Du hast die Möglichkeit, ein ganzes Jahr lang am Theater zu arbeiten. Tagtäglich. Proben am Vormittag, Vorstellungen am Abend. In Amerika oder Kanada ist es so: du machst ein Stück, dann bist du sechs Wochen arbeitslos. Du machst einen Fernsehfilm, dann bist du ein halbes Jahr arbeitslos. Anders als hier setzt du dich also nicht ständig mit deinem Beruf auseinander. Deswegen sind die deutschen Schauspieler auch so gut.

Du hast nicht nur in Ensembles gespielt, sondern irgendwann auch Regie geführt. Wie ist es dazu gekommen?

Bill Mockridge: Das lag einfach daran, dass ich eine Vision hatte. Ich wollte eine andere Art des Theaters in Deutschland etablieren. Ich wollte, dass die Zuschauer Sachen vorschlagen kann. Ein Mitbestimmungstheater sozusagen. Also habe ich mir sechs junge Leute geholt und gesagt: „Ich bringe euch ein wenig Improvisationstheater bei und wir schauen, ob das geht.“

2001 hieß dein Programm „Leise rieselt der Kalk“. Seither, meine ich, geht es bei dir nur noch um das Altern. Ist das ein zentrales Thema für dich?

Bill Mockridge: Ja, es beschäftigt mich sehr. Dazu erzähle ich gerne diese berühmte Geschichte: Zum 50. Geburtstag habe ich von meiner Frau und meinen Kindern ein T-Shirt mit der Aufschrift „50 Jahre: gut gemacht!“ bekommen. Am Abend brachte Fleurop dann 50 Baccara-Rosen vorbei – von meinen Lindenstraßen-Kollegen. Das junge Mädel von Fleurop, vielleicht 18 Jahre alt, sah mein T-Shirt und gratulierte mir zur Goldenen Hochzeit! Ich habe beinahe einen Herzinfarkt bekommen und zu Margie gesagt: „Diese Frau glaubt, ich bin 50 Jahre mit dir verheiratet. Wie sehe ich denn aus!“ Da merkst du plötzlich: Junge Leute halten dich für alt. Daraufhin habe ich mir gedacht: Entweder gehst du in Therapie oder auf die Bühne, machst Comedy und schaust, ob es deinen Gästen gefällt. Die Show war sehr erfolgreich. Also habe ich beschlossen, jede Phase meines Älterwerdens auf der Bühne zu thematisieren. Mein neues Buch „In aller Frische“ ist gerade erschienen. Dazu gibt es dann auch ein aktuelles Programm mit dem Titel „Alles frisch?!“

Dein Sohn, Luke Mockridge, spielt jetzt in der Lanxess Arena. Denkst du manchmal: Das hab ich nicht geschafft. Oder bist du einfach nur stolz?

Bill Mockridge: Ich bin unfassbar stolz! Ich denke aber auch, dass es gar nicht so schön ist, auf der Lanxess-Bühne zu stehen. Weil man keinen direkten Kontakt seinen Gästen hat. Da fängt man an, die Sachen etwas zu verflachen, weil die vielen Leute die Zwischentöne nicht mitbekommen. Gerade für uns Kabarettisten ist es wichtig, dass man mit den Leuten redet, dass man eine Reaktion aus dem Publikum aufgreift und etwas daraus macht.

Alle deine Söhne sind mittlerweile im – sagen wir mal – „Gaukler-Beruf“ gelandet. Hast du mal gesagt: „Leute, sucht euch doch bitte etwas Ordentliches! Es ist so schwierig. Man weiß nie, wo das Geld herkommt. Man ist quasi 24 Stunden im Job.“

Bill Mockridge: Nein! Ich habe immer gesagt: „Finde etwas, was du leidenschaftlich gerne magst, und das wird sich nie wie Arbeit anfühlen.“ Meine Frau und ich reden jeden Tag über das Theater: War es gestern voll; wie war der erste Teil; wie war der zweite Teil; hat der neue Witz funktioniert und so weiter. Das haben die Jungs halt immer mitbekommen. Luke hat schon mit zwölf Jahren Quickies – das sind diese kurzen Sketche – für die Springmäuse geschrieben. Da habe ich schon früh gemerkt, dass er ein super Gefühl für Comedy, für Timing hat. Auch bei den anderen hat man es eigentlich schon immer gesehen. Da konnte ich nur noch sagen: „Gut, wenn du dahin willst, dann mach es. Aber mach es mit Leidenschaft!“

Unter frischmedia können Sie das ganze Interview sehen.

Artikel von www.top-magazin.de/bonn